Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 27 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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106 Geschichte der Juden in Litgnitz. einem im Manuscripr Liegnitz i olleudeten Werke: ,,^ie Chronik von vr. Sammler.)! vo > » Die Juden sind wahr ckeinlich mit deutschen Colonisten nach Schlesien überhaupt »nd so auch nach stiegnitz bereits im 12. Jahrhundert einzewandert; denn 1226 wurden sie schon auS Breslau vertrieben. ES kann! sein, baß die heilige Hedwig, weiche sik^ Anno 1186 mit! Heinrich dem Bärtigen vermäblte, in deren Gefolge sich viele Ritter, Freie. Bauern und Geistliche auS Süddeutschsand befanden,' auch Juden mit nach Lieanitz brachte. Sie wohnten unweit ecs Schlossezu Liiegnitz, anfangs außerkalb der Stadt, fpäßer. als die Mauern, der Leseftrgung wegen, weiter hinaus verlegt wurden, innerhalb destädtischen Bezirke-. > Sie standen als Kammerknechte uniuittelbar unter dem Schutze der 'Fürstin, waren betriebsam unk von manchen Lasten frei. So brauchten sie .nickt die Ackerfrohndienste zu leisten, würden nicht zu Söldnern genominen ustd hatten ibre eigene Gerichtsbarkeit. Dadurch erregtem sie den Reis der Bürger, die i^'nen Brandstiftung unh BrunnenvergittOig andichteten. Wie hart sic aber oft' diese ibre sogenannten Freit eiten büßen mußten, ze gl uns ein. Zug aus dem Leben Bvleslaus 111. Herzog von Liegnitz. Dieser Kürst, welcher von 1296—134 5 hier regierte, stellt jene Privilegia. die weiter nichts alS PreiSgcbunß an Herrscher- Willkür waren. inS rechte Licht. Er ballte nämlich einst einige Landgüter dem Herzog Bernhard von Schweidnitz verpfändet, statt der Einlösung am Tagender Derfallzeit schickte cr nicht Geld, .fcntern — ein«; reichen Juten, den er auf der Landstraße batte fangen lassen, mit der Anweisung, daß dieser «s Darlehn von 8wO Mark füglich übernehmen könne. j Es beißt nämlich >in der Liegnitzer Ekronk in dem' Eapitel von BoleslauS Ul..: »Er fBoleslaus) borgte von Juden u^d Christen, wo eS nur zu erhalten war und scheute sich!selbst nicht unwürdige Mittel anzuwenden, um Gelder, zu entnehmen. So geschah eS 1320, daß. er einstmals,'auf dem Wege einem reichen Juden aul Schweidnitz begegnete. Er ließ ibn gefangen nehmen, n arf ihn ins Gefäßgnist und zwang ibm 8000 st. ab. l ' Doch Pernhard, Herzog von Schweidnitz, rüstere ein Heer gegen ibn und vetrlangte die Rückgabe, sowohl de- Juven als d.S Gelees Elfteren konnte er allerdings wieder frei lassen. bod> das Geld war bereits vertban. Da forderte Bcrnbard < lS Ersatz dafür die Stadt Rimplsch nebst Zubehör, welche Boleslaus auch iabtreten mußte. Gern härte er sich du ch Waffengewalt! von der Verpflichtung loSgemachr,?och fühlte er stch^ der Macht Bern» barrS nicht gewachsen, reichem sein Schwiegervater WlabisiauS LocticuS. Köni^ von Polen, zur! Seite stand rc." Daß die Juden als hin Regal- oder Tnkommen-Lbject der Herzoge betrachtet lwuroen, erstebt man aus der Urkunde. mittelst welcher kiegnitz unter böhtrischc OberlebnSkerrfchaft' kam. Sie Darin vom Dienstag nach Kreuzsindung 1329. Unter anderen Vorrechten und Revenuen. welche dem Herzog Di leslaus M. von -iegnitz verbleiben sollten, cedirt ihm König Jobann von Böhmen auch noch die Juden, denn eS heißt wörtlich: „Und gelobin wir mit Unsen Trawen an sobn?) alle Argelist von Unfir Erben vnd Nachkomlingrn wegin vnd meinen die egenanten unser Swager sein Erbe vnd Nachkomlinqen zu lassen vnd behalten gegen allirmenniclich bey allen eren Rechten vnd bev allir Freyheit vnd Nutzen als sie oben sten vnd in welcher Weyse daß an sie kamen vnd procht ist von iren Vorfaren vnd nickt Hindir e; sey an Manschaft, Guide, Zinsen, Zollen, Gerichten den Obirsten und dem Nydersten in Burgen, Steten, Dorsscrn und uff den Landen allirbande Beiwerk an Golde. Silber, Bley, Zen oder wie daS Ertz genant fey. Muntzen. Pfaffen, Klöstern, Monch-horten.- Kirchlehen, Juden adir Wiltban waren daz sei u. s. w.') Liegnitz am 6. Juni 1859. Or. Sammle^. *) Und geloben Wir treü auch Seitens unserer Erben und Nachkommen, daß unser Schwager (BoleSIauS) und seine Erben und Nachkommen vor jedermann behalten ihre Rechte, Freiheiten und Nutzungen, wie sie oben stehen und sie gekommen und gebracht werken sind von Vorfahren: an Mannschaft, Gilden, Zinsen, Zöllen, obersten und niedrigen Gerichten. Burgen, Städten, Dönern und ans dem Lande, allerhand Bergwerken von Gold. Silber. Blei, Zinn, oder wie käs Er; genannt wird, Münzen. Pfaffen, Klöstern, Mönchordrn, Kirchlebn, Juden oder Wildbahn rc. Rechnunqsablage des Instituts zur Förderung der israelitischen Literatur. für das vierteJabr (1. Mai 1858 — 1..Mai 1859.) Reine Einnahme, einschließlich derRückzah« Thlr. Sgr. Pf. lungen für Scparatabdrücke . . 6537. 6. 3 Tblr. Sgr. Pf. Ausgaben: Desicitv. 3. Jabr 493. 8. 2. Honorare, Subventionen, Correcruren.1251. 2. 6. Resthoncrar an Herrn Dr. Frankl auS d. 3. Jabre . 610.12. — Devwaltunq u. Sekretariat 555.- Satzu. Druckkosten . . .1176.15.— Papierkosten. 1430.- Buchbinvcrlohn. ..... 180.- Porti u. Diverse. 305. 4 1. Verscndungskosten .... 359. 7. 3. .Summa 6360/19. — 6360. 19. — Rest in Kasse 176. 17. 3. Sämmtliche Rechnungen mit ihren Belägen sind von unS revioirt, geprüft und richtig befunden. Magdeburg, 1. Juni 1859. M. S. Kaufmann. AleriHirfch. Ernst Friedebcrg. Allgemeine Zeitung detz Jndenthnms. No. 26. 1859. Leitende Artikel: Krieg — Religion—Menschheit. Ein Schabuothwort. — Die israelüiiche Bibelanstall. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Mosbach am Neckar, aus Oberhessen. — Preußen: Aus dem Pofenfchen, aus Schlesien. — Oesterreichischer Kaiserstaat: Czernowitz, Gr. Kanischa, Wien, Brody. Szutsan, Szobotist. LeraotwonUcher Redacteur: St. Rabe. 9«BagSrtR<i'f tzuch^aRtlRog ii vn»»i§. — Druck »cr Utexaader ©itfce n