Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 21 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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1 Jüdisches Bolksblatt. Zur Belehrung und Anterhattung auf jüdischem Hetziete. HerauSgegeben von f , ■ Rabbiner »r. Ludwig PhUippson in Magdeburg, iRo. 21. 1859.| Bon dirser Zeiri»rUt erscheint »Schenttich eine din»mer. Brei» de» gang« I Thlr. BierteljLbriz 7>,Ngr. «llr Bochdonklnageu. Postämter und Zeit>ug«ervctilio,en nehme, Beftellnnzea an. [6. I.iKrg. 2. Quartal.] Alerauder von Humboldt. Unsere Leser werden es nicht andererwarten, alS daß wir auch in riesen Blättern dem großen Tobten einige Worte tiefgefühlten Gedächtnissewidmen. Zn einigen Monaten hätte der Verewigte sein neunzigste- LebenSjabr zurückgelegl, da er 1769 da- Lickt der Welt erblickt batte. So gesellte sich zu der Größe diese- Mannean Geist und Herz, an Streben und Vollbringen auch eine ungewöhnliche Lebensdauer, wrlcke seinem rastlosen Fleiße einen um so weiteren Sptelvmm für Erringen und Schaffen gewährte. Welcke Fülle de- Erlebten! Siebzehn Jahre alt bei dem Tode Friedrichs de- Großen, ein vollbewußrer Jungling beim Auöbrnch der ftanzösischen Revolution, durch- > lebte er alle Phasen derselben, sab den riesenhaften! AnwackS und den liefen Sturz der napoleoniscken Herr- \ schüft, erfreute sich der Erhebung und des Sieges der j deutschen Ration in den Kreibeitskriegen, überdauerte die : Restauration llnd die Zulirevolution, gewährte die Erschütterungen von 1848 und die darauf folgende Reaktion, j und entschlummerte zum Frieden in dem -Augenblicke, wo der Friede Europa' $u verlassen sich angeschickk unk ein neuer Völterkampf mit ebernem Fuße über den schon m>t so vielem Blure getränkten Boden dieses WelnbeilS schrei« lenzu wollen scheint! Und mitten in allen diesen Bewegungen und Erschütterungen, mitten in all' diesen Partei- ' und Vvlkerkampfen. Macht- und Dynastitnwech'el. Ber» i faffunzSanderungen und Nationaltendenren stand Äleranker v. Humboldt verehrt von allen Paneren, unangetastet von allen, gefördert von allen! Vielleicht da« ewriae Beispiel dieser Art in der Weltgeschichte. W:ll man da« Rätbsel dieser merkwürdigen Ersckeilwng gelöst haben 7 cS liegt in Folgendem: Es ist hier nicht unsere Absicht, Äleranker r. Humboldt als den Mann der höchsten und um'affendstto Wissen- . sckafr zu feiern. Die Genialität, mit welcher er t»e Natunvissenschaflkn von einer, in seiner Zuzent noch so niedrigen Stufe zu ihrer gegenwärtigen glänzenden Entfaltung zumeist gefördert hat, die umfassende. Alles beran« ziehende und einheitlich verbindende Metbooe, der ewigrührige, unermüdlich thätige Geist, der ibm bis an «ein Lebensende treu blieb, die außerordentliche» Verdienste, die er sich erworben. sie können nicht Gegenstand dieser j einfachen Betrachtung fein. Wobl aber feiern wir ibn! auch ltt diesen Blättern als den Mann dtr Humanität, der edelsten HerzenScultnr, der Leutseligkeit und ttnparteiv lichkeit gegen Alle. Humboldt wird alS der letzte Repräsentant jener großen Schule der Humanitär zu Grabe getragen, welche in dtzr Mitte des vorigen Jabr- Hunderts in allen Landern entstand, in Deutschland durch Mendelssohn. Lessistg sind Herd,r begründet ward. der alle klassischen Geister DemschlandS angebötten. bis sie nach den Freiheitskriegen voll der stupiden Reattion ebenso wie von der närrischen Deutscht.hümelei zuerst bekämpft und durch die darauf folgenden langen Stürme verdrängt wurde, einer Schule, deren Erhabenheit, deren Bedeutung für daganze Menschengeschlecht späte, in Sack und Asche Kauernde Enkel erkennt» und feiern werden. Solch' ein Mann der Humanität^ w« Humboldt im Großm und im Kleinen^ Er wär e-, der vor wenigen Jahren den Präsidenten der nhrdclmerikanischen Staaten schrieb: „Er würde gern alle I feilte Verdienste um die Naturwissenschaft hingeben, chen» er einigen Einfluß zur Aufs bebung der Sklaverei in Amerika üben könnte." Er war es, der. als die Reaktion in" Preußen die Hand an den Verfassungsartikel über die Gewissensfreiheit zu legen wagte, an di« Spitze tinet Gegenvorstellung trat, welche nach rbm von den bcteutehdsten Männern Berlins unterzeichn,» wart. Sein vorurtbeil-freier Geist wußte in der Venrrbeilung der Menschen nicht von einer konfessionellen Rücksicht, und wie er jn seiner Jugend schon mit gebt!» tacn Juden auf S Freundschaftlichste liirt war. und z. B. tjn der Frau he« Professor- Herz die jüdischen Schriftrüze erlernte. so rral er zu aller Zeit für die Emanciparien rer Juden ,fin ünd sprach gerade in dieser Beziedung da« große Wort äuß: „Man müsse den Muth einer Ueberzeuaung baten." Ebenso human war er im kleinen. Zu Paris 'ubr ei. »er viel und großartig beschäftigte Mann, bei Jedem vpr. [C,t seine Kane bei ibm abgegeben; er beanrwenete jeden an ihn gerichteten Brief; ermunterte ieden Anstrebrnden und hierin hat ibn vielleicht seine Herzensgute bisweilen zur Schwäche verleitet. Jn dieser seltenen Humanität liegt die Lösung für die merkwürdige Stellung. dif er kitzgenommen. Mit einer Unparteilichkeit sondergleichen erkannte er da- Verdienst eine- Jeden an,;bob e- -error und wieS ibm seine rechte Stelle an. So bewunderte ibn Jeder, und Niemand beneidete ibn. - Wie er der Many zweier Jahrhunderte gewesen, so war er auch der MaUn aller Welttheile, und die Kunde von seinem Heimgänge wird kaum einen Ort dieser Erde treffen, an welchem sie nicht den Rachklang aufrichtiger Zraukr binleriäßr. Äber noch einmal beben wir bervor: