Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 20 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 86% known words query
- IRI
…/4908862-5999350-6000909--1353-4909924- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
78 ioranitcu füt ne Me rradmon rer Seiden und der Sclsrerei wrr. wclcke die heilige Schrill erzähle. Sie glaubten alle hic,'e Schrecknisse erdulden za mü„en, weil Zekova verlaugner und feine Gebote übe cschritten bauen. S.e mußten zugleich ibre Unterdrücker wie d vnsebkn. wie die Nackkommen Nebuckaknezz rr's. Annockus',;,lus. und Nero'--. Zbre Sage anlertc nck beim Erstebcu des Protestantisinus. Erstens imrve der moralische unk malerikUc .Ramrf, den die fiefoun mit sick trachte, eine bellfame Ableitung urr die uns konnten die siegenden Prorestanreu. die Juden verachteten. sick nickt ganzlick -erSage, die ne mir ihnen verband, enrzi m meisten zur Erleichterung der ung leirrug. war vre geistige Freiheit, das Resultat der Re- 'ormarion. die Quelle der modernen Gesittung. Tie aus Spanien und Portugal re wo'elbst kie Inauisition deren mehr als tausend verbrannt bar und wo mehr Juden. Zweirbzleick sie auch der Solidaritätben. Aber was ücklicken Juden unebenen ^uden. runsmalbundertls eine Million vor Elend und Hunger umgekommen, bairen sick'' in Holland niedergelassen, wo diese Freiheit tu Tort wurde in einer lütiicken Familie Spinoza geboren. j einer der mäckligsren Geister der moderten Philosophie. Tic civilinrcnde Bewegung wurde a i's Neue äurge» palren durch den Bauernkrieg und der dreißigjährigen Krieg. Sckon wracken einige Fübrcr der Bauern in ibren Schritten von der Verbesserung rer Lage der Juden. Thomas Münyer sckmeickclte sich. sie. r un Cbristentl'um durch kie Krast des Evangeliums überzri führen. Richelieu baue ibnen gewisse, obgleich eingeschränkte Neckte bewilligt, die später durch Lli'wig XIV uud t'ukwig XV. erweitert wurden. Tie italienischen Republiken bauen ihnen gleichfalls .gewisse Reckte rnerkastni. In Venedig i?ar cs. wo der Großvater des M. TisraeU sick niederließ. um der sranrsck'rn Inauisition zu entgehen, e- Sie wurden ebcnsowobl von einigen.Königen Polens beschütz:. Aber ibr Schicksal in diesem Sanre wechselte uack den Launen res WablkvnigS. unr oh verloren sie binnen einiger Monare kie Reckte, di^ sie für -immer erlangt :u dabpn glaubten. In England fanden die Juden Zusti ckr^ Sckutz und erne gewisse Freibeit seit' dem Bestände' der Dvnastie Uranien. Von rer Zeit an ließen nck e ne große.Anzahl italienischer. deutscher und polnischer Ii den in Großbriernebcn begann. rannten nieder. Nnrcr dieser Zahl ist die aus Italien kommend. Seil dieser Zeit sind die Israe liren im Besitz aller bürgerlichen Reckte int niemals bar die englische Regierung sich um ibre iniere Verwaltung bekümmert. Sie waren zwar von den r olinscken Reckten ausgeschlossen: die leere Schranke ist ab r weben gefallen durck die Zulassung des Barons von Rothschild in rag Parlament Tie Emanciparion der Juden in Deutschland dalirl von der Zeit Friedrich res Großen. ,U iier tiefem Monarchen arbeiteten Lessing und Mendel sobn. zwei »ast unzertrennliche Freunde, an ibrcr religii i'en und socialen Emanciration. Mendelssobn übersetzte ür sie den Penrareuck und die Psalmen. Er gründete eine Sckule ssir Literaten und wissenschaftliche.Juden. u: k dreißig Zakre itack seinem Tode stanken die deutschen.II den. obne irgend Familie T Israeli. welckcS Zmhun des Staates, an der Spitze rer israelitischen Civilisanon Europas. > Mirabeau. ein Bewunkererer und Biograph Mendelssohns. war mit dem Abbv Gregoire einer der Vorkämpfer für kie Emancipanon rer Juden in Frankreich. Vor dieser Zeit hatten sic nickr das Reckt, in allen Städten Frankreichs zu wobncN. Ter Aufenthalt in Strgßburg war ibncn nach vier Ubr des Abends im Wintcr mib nack neun Ubr im Sommer untersagt. In Frankreich war cS. wo ibre Emanciparion für entsprechend dem Grunvxrmcipe der Constitution erklärt wurde. In diesem Sande genießen die Juden, abgesehen von einigen zcit» weili^cn Beschränkungen durck den Kaiser Napoleon l.. alle bürgerlichen und politischen Rechte. Sce sind nur vollem Anreckrc in alle Verwaltungen eingetreteii, wo der Israelit sick dem Protestanten und Katholiken ebenbürtig fühlt. Unter dem Kaiserreiche hätte man die clsassiscken Juden beschuldigt, dem Wucher ergeben zu sein. Ter Kaiser vernichtete alle wucherischen Schulden. Er versammelte ein Sanbediium, aus allen französischen Rabbinen ves Kaiscrftaakes bestedend. Er legte ibnen verschiedene Fragen vor. dlt sämmtlick durch folgende bestimmte Antwort erledigt wurden: ..Das Gesetz des Vaterlandes „ist das Gesetz des Israeliten. Tas religiöse Gesetz der Juden behindert nicht unk karr in keinerlei Weise die Erfüllung der Nakionalpstickten behindern.". Diese Wahrheit ist seit langer Zeit gekannt, und beilsg gebalten von den holländischen Juden. In Holland genießen die Juden alle bürgerlichen und politischen Reckte. Tie Regierung bekümmert sich niemals um ibre religiöse Verwaltung. Aber zu keiner Zeit bat dir Religion die holländischen Juden behindert, ibre Pstickt als Bürger zu thun. Sie arbeiten nickt am Sonnabend, ausgenommen wenn ne Soldaten sind, oder wenn die Bcamlenpftickt die Arbeit erheischt. Bei Gelegenheit der Belagerung von Antwerpen waren die Juden, nach dem Zeugniß von General Chassü, die tapfersten Verthcidiger rer Cuadelle. Diese Anschuldigung des Wuchers in Bezug auf die elsassischen Juden besteht nur nock in einigen deutschen Pamphlets. Ein omcielles Doenmem. von dem Sccretär rer Prärerlur vom. Niedcrrbein beweist, daß es in Elsaß weniger mit Hypotheken belastete Grundstücke gäbe, als in all den anderen französischen Departements, und daß die Juden, weit entfernt, sick aus Kosten der Christen zu bereichern, ein Trittbeil mebr Arme haben als die Katholiken und Protestanten. Arme, die ne durch die Hültsguellen ibrcr eigenen Mildtbäligkeii erhalten. Seit 1830 bar sich dre civilisirenke Bewegung ker Juden in Frankreich an Wichtigkeit verdoppelt. Im Elsaß, wo sic die Vertreter des Kleinhandels gewesen, werden sie mehr und mebr Fabrikunternebmer. Zu Paris sind sie an ker Spitze dcS Ausfuhrhandels^ In der Armee, der Verwaltung. in den Künsten, den Wissenschaften, überall zeichnen sic sick als gute französische Bürger aus. Ein Jude war es. Micke! Levv. der während des Krimmkrieges ben Medicmaldienst leitete. Man kann schon nickt mehr kie jütischen Soldaten und Lssiciere zählen. Tie Juden selber sehen sick nickt anders als ssir Franzosen an.