Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 17 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 68 (sequence 4)
- Language
- German
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«8 \ umgelren, um den Eingang zu suchen; a«vere gelangen sogar durch den Eingang bis zum Dorbof; einige endlich dringen selbst biS rum Innern dcS Palastes vor. so daß sie sich mildem Könige in einem Haufe befinden. Dennoch können sie den König noch nicht schauen,' es ist vielmehr erst nach fortgesetztem Bestreben möglich, daß sie vor d.em Antlitz deS?'Königs erscheinen. —- Erklären, wir uns dieses Gleichniß näher. Die außerhalb deS Landes, sind, stellen jene Menschen vor. welche weder durch Vernunnbetrachtung. noch durch Ueberliesierung einen^eligiösen Glauben bgben. Sie sind kaum als Menschen zu betrachten, und nur wenig vorzüglicher als Asien. Unter Denen, die im Lande sind und den Rücken dem Palaste des Königs zukehren. sind Diejenigen verstanden, welche zwar Kenntnisse und ForschpngSgeist besitzen, aber entweder durch eigenes irrtbümliches Nachdenken oder durch die Annahme der Meinungen eines Irrenden falschen Ansichten ergeben sind. Diese werden in Folge ibrer Jrrtbümer se weiter sie gelben, desto mebr von dem Palastc deS Königs sich entsertzen. Die. nach tem^ Palaste schreiten. um ru dem Könitze zu gelangen, aber dessen Palast noch nickt seben könsien. bezeichnen die unwissende, rohe MeMgc, welche rer bloßen Ausübung der Gebote und äußeren Ceremonialvorschrincn obliegen. Die den Palast erreichest, aber um ibn bfrumgehen, sind die Gesetzkundigen, die zwar aus dem Wetze der.Tradition zu den wabren Glaubenslehren gelangen, und der Gebote kundig sind, sich aber um die Erforschung, der Prinzipien und Gründe des Gesetzes, und um di« Beweise, auf welchen die Wahrbeit des Glaubens berpbet, nicht bekümmern. Diejenigen, welche sich mit dieser Erforschung der Grundprinzivien beschäftigen, sind es. welche bis-zum Vorbote gelangten: sie steben aber auf verschiedenen Sturen. Die sich aber so weit erbeben. daß sie die Beweise aller beweisbaren Lebren kennen, und von den gjöltlicken Dingen, entweder die Wahrheit selbst, wo dies mbglick ist, erforschen, oder insoserne die Ergründung dieser unmöglich ist, sich der Wahrheit nädern. find Diejenigen, welcke sich bei dem König in dem Palaste beflndyr. Wer z. B. blos dem Studium der Mathematik und Logik obliegt, gehört noch der Klasse Derer an, welche um den Palast herumgeben. den Eingang suchen, wie unsere Rabbinen 'allegorisch sagen:') ..Ben Soma ist noch draußen." Wer sieb Keuntniß der Natur erwirbt, gelatzgr bis zu dem Porhof deS Palastes. Wer aber nach erlangter Naturkenntniß sich Einsicht in die göttlichen Dinge erringt, ist bis zum König in das Innere des Palastes vorgedrungen. Wer endlich mit seiner ganzen Geisteskraft nach möglichster Vollkommenheit in der Erkenntniß göttll her Dinge strebt, und sich ganz und gar der Gottheit weiht, indem er, von allem Anderem absebcnd, feine Vernunft dazu verwendet. in dem All der Dinge die Beweise für daS Dasein Gottes zu finden, und das Walten, desselben möglichst zu erforschen, der gebört zu Denen^ w'elcke um den Thron des -Königs verweilen. *) Ebag. 15. a. Parabeln und Gleichnisse. ' „Besser ist der Tag des TodeS als der Tag der Geburt." (Pred. Sal. 7, 1.) Zwei Schiffe standen am Eingang des HafenS, daS eine lief auS auf das Meer, zu einer weiten langen Fahrt, daS andere lief ein vom Meere nach einer großen, beschwerlichen Reise. Alles strömte herbei, um daS erstere abfahren zu sehen, und jauchzte und jubelte ihm zu, wie eS schnell und leicht über den Spiegel deS MeereS hingleilete. Das andere, das schwer, belastet, voller Schäden und abgenutzt einfuhr, blieb unbeachtet, unbegrüßt. Da sprach ein erfahrener Mann: „Wie tböricht! Sie jauchzen, und wissen dock nickt, welchen Gefahren, welchen Stürmen jenes entgegengebt. und wie es sie bestehen werde. Dieseaber kehrt siegreich aus.den Kämpfen zurück, eS ist erprobt und bat bestanden; so müßte dieS Gegenstand allgemeiner Freude sein!" Welches ist der schönste Segen? Ein reicher unv qolteSfürchtiger Mann im Morzen- -ssande hatte einen Weisen beherbergt, und sich all«' Mühe gegeben, ibn freundlickstzu bewirthen. Beim Abschiede bat der Wirth seinen Gast um dessen Segen. Der Weise erwiederte: „Ein Wanderer war die Wüste durchzogen, und litt von Hunger, Ermattung und Durst. Da traf er auf einen Baum, dessen Früchte süß, dessen Schatten kühlend, und an dessen Fuße ein lebendiger Quell entsprang. Bon den Früchten aß der Wanderer, von dem Wasser trank er. in dem Schatten rubte er auS. Als et sich nun erhob, von dannen zu gehen, sprach er: Holder Baum, womit soll ich Dick segnen? Daß Deine Früchte süß seien? Sie sind eS. Daß Dein Schatten kühlend? Er ist es. Daß ein lebendiger Quell an Deinem Fuße entspringe? Sv geschah es schon. Wohl, so mögen alle Schößlinge, die von Dir genommen werden, wie Du selbst werden. Die Gründung der israelitischen Bibelanstalt. (Liehe Pr. 13.) Die No. 16 und 17 der Allg. Zeitung d. Judenthums enthalten Listen der Beitragenden, nach denen die Spenden sich bis jetzt auf 376 Thlr. 17*^,Sgr. belaufen. Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 16. 1659. Leitende Artikel: Die MissionSbibel und ihre Verbreitung. Bon vr. Moritz Katzenstein. — Zur Herstellung und Ber breitung wohlfeiler israelitischer Bibeln. — Preußen: die Verhandlung im Abgeordnetenhause. (Forts.) — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: AuS Unterfrankea. — Preußen: Pieschen. — österreichischer Kaiserstaat: AuS dem Tokayergedirge, Wien. — Frankreich: Paris. Zu beziehen durch jedes Postamt unb jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vieneljährlich '/« Thaler. Verantwortlicher Redacteur: St. Rabe. Berlx, »ex «-»»sSrtxer^« Bxchhaxdlxxz ix Leipzig — Drxck von »lexaxdcr wilde ix Leipzig.