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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 15 (1859) · p. Seite 59

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
15 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 59 (sequence 3)
Language
German
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59 i1?rc Zuflucht zu nebnien brauchen. ne trugen die Ahnnng ,bres Todes mir nck herum. Aber auch aus Lein bürger« ticken Leben sind Falte bekannt, daß Menschen ibrrn Tod auf Lag und -stunde vorausgewußl und auegesagr haben. ES sind Irrungen hierin vorzekommen. denn die verirrte Phantasie des Menscken kann sick Vieles vorspiegeln, was der Wabrl'tik kern ist — allein es haben nck dock auck mancherlei derartige Vorgänge durchaus als richtig erwiesen, so Laß wir mit einer bloßen Läugnung nickt davon konimeti." „ginn, und wie legen ne sick dies zurecht?"! „Ich könnte so rgisonniren. Wenn unser Körper dem i Verfall näher unk näher geht, reizen nck da nickt sickere j S'.'Mvtome? Trägt nickt unser Leib da alle Zeichen der > Auslösung an nck? Tic Erschlaffung bcS Körpers, die j Schwere aller Glieder, taS nraue Auge, die Abstumpfung ' aller Sinne, wie? nehmen die-Züge des Gesichtes nickt ein solches Anstben an. daß der Erfahrene deir baldigen Tov beim ersten Blick erkennt? Warum soll nun der o'cist nickt in die Mrtleidcnsckaft bineingezogcn werben, unv sich dies so steigern können, daß ibm das rümpfe Gefühl in der instincNven. in der unbewußten Cpbäre ''eines Lebens ot einer bestimmten Anschauung im Bewußtsein werde?" ..Sehr gut. Aber —" ..Aber, wollen Sie sagen, es verhalt sick damit wie mit meiner Erklärung res Traumes. sie paßt nur auf einen Tbei! derselben. Ick weiß dies selbst. Der gesunde/ kräftige Körner kann aus einer inneren Zersetzung heraus, nickt seinen Tod durck eine feindlicke Kugel vorher gefühlt haben. Und wenn die Ahnung erst den Tod eines Anderen betrifft? Wenn in der Stunde des Todes eines Freundes oder Verwandten dieser dem Träumenden oder Ahnenden nck verspnrbar mackt? . . . Ich kenne' einen Mann, der als sechsjähriger Knabe seit einigen Tagen auS kein elterlichen Hause z» Verwandten gebracht worden, weil sein Varcr sckwer erkrankt war. In einer Nackt erbebt sich der Knabe weinend und schreiend aus dem Bette mit dem Rute: ..Mein Vater rst gestorben, mein Vater ist todt'." — und cs war wirklich die Stunde, darin das Kind eine vaterlose Waise geworden. ... Ich kenne einen Fall, wo eine mir bekannte Frau an einem Abend von - einem. durck nicktS überwindenden AhnungSgetübl eines Unglücks, das ihrem greisen Vater drohe, der sie erst vor einigen Stunden besucht hatte, überfallen wurde. Gm furchtbares Wetter, hinderte sie ihre, einige ^Straßen rnt'rrnt wohnenden Eltern zu besuchen. Aber das Gefühl verließ sie die ganze Nacht nicht, und kaum hatte die Morgendämmerung begonnen, als sie sich von ibrem Lager erhob, und zu ihren Eltern eilte. Sie fand die HauS-- thür offen und betrat die Flur deS Erdgeschosses. Ecken wollte sie wieder umkehren, denn ihr Verstand sagte ihr: was werden deine alten Eltern denken, wenn Du sie im . Mvrgenschlafstörest? Aber sie muß vorwärts — sie steigt die Treppe hinan — Alles still — sie öffnet leise f die Tbür, die zum Wohnzimmer "der Eltern führte — i da liegt ihr Vater todt auf einem Lager auf. der Erde.; bereits mit der schwarzen Decke überdeckt.-Der ' Greis hatte am Abend einen Fehltritt gctban. war die j Treppe l'inuntergcstürzt und hatte bas Genick gebrochen. .. , Das ist Selbsterlebtes und kann nickt geläugnet wer-! den." r „Nun. und ibre Erklärung —" sagte ich. von inneren Schauern ergriffen. „Lassen Sie unh eben einen Schritt weiter gehen/ Wir müssen, w»r sind gezst.'ungen anzunebmen. daß die instincrive, daß diel unbewußte Sphäre unseres Geistes Kräfte birgt, deren Tmgwciljc unser Bewußtsein nicht abzumessen rrrmaz, weil sic eben nickt zu täglicher Hebung kommen, weil'sie stur iu. sehr seltenen Fällen in das Bereich deir bewußten Tdäligkeit binauslreten, und da unter Umständen, inj welchen der Geist nickt geeignet ist. sie zun» Glcgenstandcj'der Untersuchung zu machen. Diese instincriveit Kram, Welche lunS z. B. beim Anblick eines Menschen, den wir i^ock gar nicht kennen, mit der Abnung einer von; ibm über uns kommenden Gefahr erfüllen, und uns einen uu^berwindlicken Abscheu einflößen, für den wir Gründe nickt angrhcu können, oder beim Betreten eines Lrroo uns so >schne!I wie möglich kavontrciben, uni einer, kutlckauS nidjt crka unten Gesabr zu entgehen .— diese instifleriven Kräne 'c:rd. da sic eben geistige sind, nicht an Trt. 'clbst flickt an Zeit gebunden. Sie haben ibre eigens Logik. 7Sv q n wie unser Bewußtsein cvn^ binin, folgert, zusammen nnder und schließt — so auch die nnbewüßtc ^pbäfe uns« res Geistes, auch sie comf'inirt, schließt üstd folgert, nur aus sich heraus und ohne <b}t~ Beleucht»! g des Bcwußiseifls. Dies zeigt sich im Traume, dies in Du Ahnung! Uiitj daß sic hierin nicht innerhalb der cngcl^ Grenzen.! btcibr. welche däs Bewußtsein ihr anzcigcn will, diy's ist der ganze streitige Punkt. Da haben Si^ meine Elrklärurg." . - -J- „Ick kann nickrj sagen, lieber Freund", crwiederte ich/ „daß ich sic schon ganz gefaßt bade." j ..Wohl, so lassen Sie jsie mich ins Kurze nock einmal zusammenfasien. U^ricr'Geist bar ciiuj bewußte und unbewußte Sphäre. Wir sind nur im Stande, die Kräfte und die Tbäligkeii der brivußrcn Sphäre zu erkennen und fcstzusteUcn. nijcht aber die unbewußte und die Vorgänge in ihr. Zcrigniß.?cm der lctztl ren giebt aber das Träumen und däs Ahnen, j Im gcwö »nlichcn Gange der Dinge sind diese ^bcn rur das, unb herrschte Spiel der Bilder und Gestühls, dw sich nach vvl uns ungekannlur Motiven an cinandler reib:ni. Sie sinl aber auch befähigt, über die gewöhnlichen Grenzen hinaus; »gehen und außerordentliche Vorgänge durm außerorden liche Kraftentwickelung in uns abzushicgeln!, ohne daß lene in Raum uud Zeit .mit uns sinnlich iii Verbindung sieben. Wie weit diese/Kraftentwickelung g«jben könne, welche ibre Grenzen — dies sind die Digtzc, ^i« sich unser-ir Erkenntniß notbwendig entziehen, weil flc dem Dcw: lßtsein nickt unterliegen. sondern nur durch die Erfahrung sich darthün'können, und diese Ers-brong. ist noch um so armer, je mcbr hier Verwirrung und Fallet möglich snd." „Ick danke Iijnen; md mein;Traum aus der Vergangenheit?!" . j „Da bat Ibrr Gcdächtflißkraf/ ihr Erinnerungsvermögen ein btsondcres Fes^ im Trastme^gefeiert. Das alte Bild ging in allen seiflsn Details an Ihnt^r vorüber, nachdem sie eS längst geschwunden, älauben konnten. ES beweiss dieS, daß in ustscreo^ Geiste—UichtL schnrindet, was einmal darin voi sich ging."

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