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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 13 (1859) · p. Seite 52

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
13 (1859)
Date
1859-01-01
Page
Seite 52 (sequence 4)
Language
German
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..Siehst Du. mein Sohn, wir sind allein, Deine Furcht war. unnütz. Hätte ich nur noch Pappt genug in meinem RLnzel. Du -ist darin vorsichtiger gewesen." ..Ei steh. Vater, hier liegt ein Stückchen Leinwand.' Wo da- Herkommen mag? Gewiß ein alter Lappen zut Charpie für einen Soldaten, dem eifersüchtige Kameraden mit blutiger Säbelschrift ihre freundschaftlichen Grüße hier in- Gefickt geschrieben haben." ..Gieb enur her, mein Sohn. ES paßt ja, wie ausgesucht. Sieh, ich bin nun auch fertig, so beeile Du Dich ein wenig." ..Herzlich gern. Vater, daß wir nur schnell audieser liederlichen und stetbesoffenen Weltkugel kommen." Beide hätten ihr Geschäft beendet, packten did. Rollen iß die RLnzel. nachdem fie mit Heu und Stroh zur Verhütung jedeverdächtigen Klappernumwickelt wären, legten einige zerfetzte Kleidungsstücke oben auf. schnürten ihre Habseligkeiren und machten sich auf, die Stube zu verlassen. ..Hüte unfern AuSgaug und unser Eingehen zum Leben und zum Heil von nun an bis auf ewig", betete der würvige Greis, aler die Hand auf deir Drücker devon Rostfraß fckwarzgefärbten Schlosse- .legte. Mit einem Mal« wurde die Thür der Nachbarstube heftig aufgeriffen und unter dem Geschrei: ..Diebe, Mörder. halt Diebe, Mörder" stürzte eine athletische Figur halb nackt heraus, zur Treppe herunter und unten immer weiter tobend, bi- Wirth und Leute im Hause erwacht waren. Alles war da- Werk weniger Minuten. Die beiden Juden standen wie Säulen vor Schreck und Staunen. „Wir müssen noch einige Zeit hier bleihen. Vater", fvrach fein Sobn kaum vernehnibar, „unsrf Weggehen kvnnie unS verdächlizen." ..Wir werden immer hier bleiben, mein Sohn", erwirken« der Alte, mit langgedehntem eisigen Ton. Weh unS, daS ist Haman'S List, weh meinem Weibe, weh - meinen Kindern." DaS WirlbShauS zitterte und bebte vor dew Flüchen deS WirrhS, der den makellosen Ruf seiner Weltkugel an dessen Schändern blutig zu rachen schwor. So polierte er stuckend die Treppe herauf und mit etnrijt grimmigen Seitenblick auf die Juden stürzte er in deren Stube, AllrS, aber vergeblich, vurchspabenb.! ..Niemand verlaßt daS HauS". fckrie er dem Personal im Erdgeschoß zu, „lauft zum Eriminalgeticht." ..Da ist eS schon", antwortete eine heilere Stimme, und herauf kam der Inquisitor mit 6 spanischen Letbtrabanlen. Unsere beiden Glaubensgenossen panden schon ruhig und gefaßt im Säalstur. Die schnelle Erscheinung de- RickterS und das Gebühren deS WirtheS verriethen ihnen die ganze Zurüstung.! . „Juden", redete sie der Inquisitor unter durchbohrenden Blicken an. „die RLnzel ab." Noch ehe der Befehl aber ausgesprochen war, hatte der tobende Fechtmeister mit scharfem Messet die Kiemen der. RLnzel gelöst — und kauernd auf der Erde schuitt er die RLnzel auf und entleerte fie hastig. Nach allen Ecken und Enden rollten die blanken Dftblonen und Pistolen über den Flur und zur Treppe herab. Wie AaSgeier stürzten sich die Diener deS Gerichtauf die willkommene Deute, während der schlaue Wirth auf der Treppe den Goldregen für sich ausstng. Der Fechtmeister aber ergriff freudig einen Fetzen Leinewand und hob ihn ttiumphirend in die Höhe^.indem er auSrief: „DaS ist daS 6orpus delicti!" „Binder die MiffethLrer", befahl der Richter, und verwahrt den Lappen!" Keine Frage, keine Sylbe der Entschuldigung waren über die Lippen der Unglücklichen gekommen. Sie ließen sich willig knebeln. Man setzte ihoen die „Birne" auf den Mund, wie bei der Tortur gegen heftiges Schreien zu geschehen pflegt, damit sie nicht colluhiren könnten. Unter Püffen und Stößen, welche die Trabanten ihnen mir dem Degenknauf versetzten, wurden fie ins Criminal» gefängniß geführt, jeder in einen besonderen Kellerraum, i So saßen sie schon drei Tage und Nachte in den feuchten < Höhlen, die abgesperrt von allem Sonnenlichte mehrere E Stufe» unter der Erve belegen, durch ihre Kälte den i Körper der Gefangenen in beständigem Frostschauer er- > hielten. Man reichte ihnen ^Brot und Wasser. Das Wasser war warm und trübe,,zuweilen mit Salz ver-! mischt. DaS Brot mußten fie eilig essen, weil eS ihnen! sonst geftäßige Ratten, von dentn es in den gräßlichen! Zellen wimmelte, streitig gemacht hätten. lEchiluß fotzt.) , Anekdote. Mitgetheilt von N—n in Magdeburg. Ehemals durften jüdische Damein nach der Verheirathung bekanntlich Nichts von ihrem Haar seben lassen. In der Mitte des vorigen Jahrbunterls suchten sich tie Berliner jüdischen Frauen dadurch zu helfen, daß sie falsche Touren aufsetzten. Der zeitige Rabbiner, Rabbi Hirsche!, erklärte in einer Draschah, daß selbst dieS als rp*cJ nerv (fremdes Haar) verboten sei. Die Eitelkeit siegte indessen, und immer mehr Frauen fanden Gefallen an dieser Mode. AlS dies jedoch zu sehr um sich griff und all fein Eifern dagegen nichlS half, ließ er sich endttch dahin vernehmen, daß er eine solche Sünde nicht länger ansehen könne, wenn die Männer nicht suchen würden dieses Uebel abzuwenden, so werde er das m:-"i (die Stelle) verlassen. Und wirklich hatte er sich eines Sonntags ausgemacht, wohl in der Meinung, daß seine Anhänger eS nicht zugeben würden, und war abgereist. Er fuhr bis zum nahegelegenrn Müncheberg. AlS er sah, daß ihm Niemand nachgereist kam, ließ er umkehren und kam nach Berlin zurück. Dort wieder angelangt, sagte der bekannte Neugaß, welcher sein Hausfteund war, zu ihm: „Der Rebbe darf nun nicht mehr schelten, hat er selber doch eine falsche Tour gemacht." . . Allgemeine Zeitung de» Judenthum». No. 12. 1859. i Leiteode Artikel: Petition von 226 preußischen Syna- - gogengemeindrn an da» König!. StaatSminifierium. — Preußen. —- Die Augsburger Allgemeine Zeitung. Abhandlungen verschiedenen Inhalt»: Actemoaßrge . Darstellung de« kurzen Dasein» einer jüdischen Schul-Lommisfioa in der Berliner Gemeinde 1826. (Sin Abschnitt au» meinem . Wirkungskreise.) Bon Dr. I. gL Jost. Ber«otwortlicher Nedacteur: K. Rabe. Berte« »«» »a»»«Lrt»er« £fc<»tcKfcIug ii Leipitz. — Dr«S »«» Ater«,der Wiede ta Lei»,tz.

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