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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 10 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
10 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bolksvlatt. n 3w - JJeleQning unö Unterfjaftung auf jüdischem gebiete. HirauSgtged«»' von . Rabbiner Vr. Ludwig Philippson in Magdeburg. sNo. 1«. 18SS.I Von dieser AeitsLrisi erscheio» «SSeotltch «ine Stummer.' Vrei« de« Jader/» a i 4 m. . . -» gang« 1 »Ir. HJitrWijdbrta V/. »gt. »0e ttuabanMnngrn. «o-ü»u«r I fr). JÜDlfl. 1. PltBflflll I und zrirung«.r,edaivnrt urdmen »rüellungen au. r *- CrmVV* * '4*"H**"**J Die Tecte der Chassidim. Wir haben in diesem Blatte mehrere Sagen und Legenden der Chassidim milgetheilt. So harmlos diese sind, so wenig unschuldig ist diese Sette, die in unseres Tagen an Ausdehnung immer mehr gewinnt, weshalb wir erst jüngst in der Allg. Zeitung des JuventhumS eine warnende Stimme zu erheben Veranlassung hatten. Um nun unsere Leser einmal gründlich über diese Sekte. Entstehung, Ansichten und Gebrauche zu unterrichten, theilen wir hier mit Hinweglaffung der Anmerkungen daS betreffende Capitel auS de- Dr. 2 0 st'S „Geschichte deS JudenrhumS" Th. III. mit. welcher Theil noch in diesem Jahre vom Institute zur Förderung der israelitischen Literatur herausgegeben wird. Eine Frucht der durch Schabbathai Zwi hervorgebrachten Bewegungen ist die Sette der Chassidim oder Beschter, welche sich mir größerer Festigkeit als die Zwi. Seele entwickelte, weil sie auf dem Boden des JudenthumS auswuchS. Sie. ist ein Erzeugniß der Kabbalah, wie solche bereitan Aufrechthaltung eines Messias verzweifelt, und ihre Wirksamkeit mehr nach innen kehrt, um den Lebenswandel jedes einzelnen Israeliten zu bestimmen und zu regeln. Diese Richtung ihrer Thätigkeit nahm ihren Anfang um daS I. 1730. da die Apostel des MessiaS bereitüberall von den Rabbinen abgestoßen wurden und im Ganzen nur noch an wenigen Orten Anklang fanden, auch durch Uebertritt zum ZSlam oder zur Kirche ihre eigene Kraft schwächten. Um diese Zeit lebte in Tlusti. einem Flecken im Kreise Czortkow, ein Mann, Rebbi Israel Balschem (gekürzt Bescht), nachmals zu Medziboze in Podollxn, wo seine Wunderthaten ihm den Ruf eines Heiligen verschafften. Er erzählte seinen Schülern, waer auf seinen Seelensahrten in den Himmel dort erfahren, er heilte Krankheiten, er erlöste Seelen, welche in Thiere gebannt waren, er zeigte die erstaunliche Macht eines Zaddik. wie er sich selbst und jeden künftigen Lehrer seiner Sekte nannte. Er sprach dem Zaddik das Recht zu. der Sinnlichkeit zu fröhnen, üppig zu leben, sogar Gesetze zu übertreten, um nachher desto größer dazustehen. In der That ward er von seinen Verehrern reichlich beschenkt, und in Stand gesetzt, solche Grundsätze im Leben geltend zu machen, so wie auch Nacheiferung zu erwecken. In seiner Schule bildeten sich. — wenn man daS Wort Bildung mißbrauchen will. — eine Anzahl Jünger auS, welche nach und nach ähnliche Stellen in größeren und kleineren Gemeinden einnahmtn. Die Sette erhielt bereitdurch den Stifter eine feste Verfaffung, Bald zeichneten -sich drei Enkel de- Bescht, Der von Mesericz, Mendel von PrzemiSlaw, Michel von Kolk (t) auS, welche dessen Lehren und die Wundersagen weiter verbreiteten. Mit dem Jahre 1780 begann ein Schriftthum dieser Sette, welchebald eine sehr umfängliche Au-behnung gewann. DaS Leben der Sette pulsitt in dem jedesmaligen Zaddik, welchem jede- Mitglied blind zu glauben schuldig ist. wodurch allein Vollkommenheit der Seele gewonnen wird; denn durch bloße Gespräche mir dem Zaddik wird der gemeine Mensch zu Gott emporgehoien, daher hat jeder die Pflicht. den Zaddik seine- Bezirkaufzusuchen. Diese unbedingte lhtterwerfung wird auch ist den übertriebenen Ehrentiteln, womit man den Zaddik oder Rebht belegt. auSgedrückt (er heißt der Zaddik de- Jahrhundert-, der vollendete Zaddik,' der Große de- ^ahrhundettS^der wahre Weise, der Nassi. der König u. s. f.) Der Zaddik har entschiedeoe'Machl über alle Gesinnungen seiner An. bänger. Tr steht in. enger Verbindung mit Gott, und jeder Chassid muß dieselbe mittelseiner Treue gegen den. Zaddik erstreben. Diese Verbindung nennen sie die Begattung mit der weiblich gedachten Gottheit durch Gebet und Gebräuche. ^Ueberall muh, wo mehrere Chassidim wohnen, ein ReM sein; die kleineren stehen dann unter einem bedeutenderen, die einegrößeren Bezirkunter einem Oberhaupt. Die' ganze Gecte hieß früher die heilige Drüderschüft, doch ward dieser Name wieder aufgegeben;, sie thetlt sich-abe; unter so viele Oberhäupter, als in der örtlichen Verbreitung zur Geltung gelangen können, und letzteregeschieht durch Abkunft von einem Zaddik, oder durch die Kunst dessen, der darnach strebt, wobei viele Anhänger Mitwirken. i Jeder Zaddik ist der König seiner Gemeinden. Er umgiebt sich mit Pracht und zahlreicher Bedienung, und, fortwährend strömen seine Untergebenen zu ihm. um sich seiner Gnade zu > empfehlen. Jeder rechnet sichzur höchsten Ehre, ihn! bedienen zu können. Verkündet er — denn er weiß allevorher — irgendwo ein bevorstehende- Unglück, so sendet man »hm von dem bedroheten Orte auS reiche Gaben, bittet ihn um efnen Besuch, und empfängt ihn mit königlichen Ehren, sübst wenn man dazu h-ilige Gvrathe und Thorarollen verkaufen müßfe. Er bereist auch chi-weilen fHn Gebiet, um feine Gemeinden zu erleuchtest — und Gaben einzusammeln. — Dabei begleiten ihn viele Chassidim. deren Zahl nach und nach zu einer übergroßen Karavane anschwillt. — Der Zaddik

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