Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 8 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 32 (sequence 4)
- Language
- German
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32 lebt, unk ihrer jetzigen von der damaligen so verschiedenen Lage, deren Dortbeile viele, der diesigen Israeliten un« glücklicherweise noch nickr zu würdigen wissen._Um nur tuien Begriff von dem Drucke der Luden unter der türkischen Herrschaft im Vergleiche zu ihrer jetzigen Lage zu geben, erzählte mir Elvazar darauf folgende Geschichte, die bis zu einer Zeit zurückgebt» welche er nickt genau bestimmen konnte, und zugleich der Wirklichkeit und dem Märcken. der Geschichte und der Legende angehört. Ick kdeile sie so mit. wie ick sie aus der Erzählung Eleazars und auS den Noten, dle er mir mitgelheilt, kenne. Sckade nur, daß ick sie'nicht mit der Einfachheit, dem «euer und der orientalischen Originalität wiedergeben kann, mit denen ste die Einbildungskran-des Erzählers zu schmücken verstand. III. Ln den damaligen Zeilen, sprach Elvazar, waren -die Aehudim dieses Landes nicht wie heyte fteie Leute, wobl aber Sklaven wie eS waren unsere rlsäier in Aegvpteu und zu Pabel. Der Muselmann bedrückte die Nachkommen IakobS, weil sie daS Gesetz MosiS dem des Islams vor« zozelr und ließ fie theuer das Rechj erkaufen, unter den Seinigen zu leben. Man zwang tzen Israeliten einen Turban, schwarz wie die Fittiche dis Naben zu tragen, a'.S Zeichen der Verachtung und um ibn vom Muselmann zu unterscheiden. Es war ibm verboten,! die geringste Eckolle Erde -zu besitzen, und oft cnririß ibm der Sultan, um seinen Schatz zu bereichern, ka^ wenige Gelb. daS er sich durch den Handel zu versckuffen gewußt. Mit einem Wort, man sab unS wie ein hon Gott verfluchtes Volk an, und da- Kind deS MuselmännS beschimpfte unbestraft in den Straßen den israelitischen Greis. Wohlan denn, in diesen vergangenen Zeiten benschte ein sehr mächtiger und sehr.grausamer Sultan in Algerien. und Mohamed war sein Name. Er war ein Mann teS Kriege-, reich und gefürchtet von Allen, denn er befehligte über Tausende von AghaS utt> KaidS, und jeder Agha hatte Tausende von Reitern unter seinem Befehl. Bei -der Rückkehr von seinen KriegSzügen gegen die ununterjochten Erätnme. ließ er sich inlBlidab nieder, wo er gern verweilte und wo er einen ^großen und schönen Palast befaß. Und wenn er in die Thore der Statt «inzog. aus seinem Streitroß sitzens» und gefolgt von Reitern, beladen mit Beute, sab man Mauren und Araber sich in Mafien zu seiner Bewillkommnung drängen, sich vor ihm niederwerfen und den Saum seine- BurnuS küffen. um seine" Gunst zu erlangen und seinen Zorn zu vermeiden. Und der Beherrscher dir Gläubigen. stolz wie Amalek. schritt inmitten der Menge, beglückt von den Lobeserbehungen, die sein Lbr erreichten. Aber die Israeliten, die Härte seines Herzens kennend unk den Anblick seines Antlitzes fürchtend, warbn bemüht sich fern zu halten, oder in ibren Häusern verborgen zu bleiben. weil Mokamed sie haßte, und^ Vergnügen daran fand, fie zu demüthigen und ihre Frauen und Kinder zu erschrecken, um dann über' ibre Fuscht zu lachen und mit seinen ihn umgebenden Kriegsleuten darüber zu scherzen. Der Palast deS Sultans, am Ufer des Uer-Kübir (Name des durch Blidab fließenden FlusseS) gelegen, erhob sich über der Stadt wie der Minarer über die Moschee, wie die Palme von Bab-el-Zeir (ein Tbor in Algier) über die Orangenbäume, die sie umgeben. Mjz Marmor und Gold geschmückt, umschloß er prächtige Zimmer für die rechtmäßigen Frauen sowohl als auch für die zahlreichen Concubinen deS Sultans bestimmt. Das Tambourin und die Guitarre und die lustigen jouxjoux der Frauen erschallten Nackt und Tag in dem j Palast und dem Garten. Ganze Rebe und Kälber, Wild, prer und Früchte aller Art. mit Ambra und Rosen turckdusterer Kaffee wurden von Hegeon den Freunden Mo- , bametS gereicht. Frauen schöner als die Früblingssomie, i duftend von den Wohlgerücken Arabiens, sangen und I tanzren vor dem Sultan. Und er. in ihrer Milte sitzend. ' tbeilte goldene Armspangen, Gewänder aus Tunis und I Schärpen von Marokko aus.; ic ['U:b Ein schöner Zug. In dem „Charlcstou Mercury“ in der Nummer vom 30. Decbr., die mancher Redaetion v. Bl. eben zusLndet, wird erzählt: „Während die Epidemie im vorigen Sommer in unserer Stadt wüthete, wurde ein Sattler, ein Zsraelit, ein hockst arbeitsamer und rechtlicher Mann von der Seuche ergriffen und starb. Sern. Weib folgte ihm. ein kur; vorher geborenes Kind binterlassend. Da nahm sich eine Nachbarin, eine christliche F-rau. deS Säuglings an. nährte eS an ihrer Brust, scheute die vermurhlicke Ansteckung seitens teS Kindes für sich und ihre Familie nicht und wartete daS Kind aufs Sorgfältigste. Bei dem letzten Jabresseste „der bebräischen WobltbätigkeitSgesellschaft von Charleston" wurde über diese menschenfreundliche Thal berichtet, und die Gesellschaft beschloß, der Frau ein Zeichen ihrer Anerkennung und Bewunderung zu geben. Die Gesellschaft ließ eine schöne Bibel ausS Prachtvollste binden, um diese der menschenfreundlichen Frau durch eine Deputation zu überreichen. Der Bibel ist die Inschrift vorgesetzt: „To Mrs. Elizabeth Bonnell from the hebrew Benevolent Society. 1859." : Allgemeine Zeitung des Ludenthums. No. 7. 1859. : Leitende Artikel: Die Juden in Preußen. — 33ent Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. — Literarischer! Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Kreis Eschwegr, Worin«. . WormS, aus Bayern. — Preußen: Eoblenz, Berlin, Breslau. — Oesterreickikcher Saiserstaat: AuS Galizien. — Donaufürstentbümer: Au« der Moldau. — Rußland: Odeffa. — Türkei: Konstant! nopel, Paris. — Ehma. - Zu beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich *« Thaler. Verantwortlicher Redacteur: K. Rabe. vertag »s, B,,m,Srtapr'« vnchhandlnng I» Leipzig. — Druck non LIexander Wiede in Leipjigi