Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 6 (1859)
- Issue
- 6 (1859)
- Date
- 1859-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
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mein SLwager sich um diesen ÄtöfuS von einem £aufmann verdient gemacht?" Balv wuryen die Teppiche ousgehängt. und dgs ga»zze Zimmer erschien wie von der Hand einer Fee umgcwanvelt. Der Tisch wurde bald reichlich geschmückr. Die Männer beteten daS Minchazebet inbrünstig: feurig ergossen sie ihr Gemüth vor dem höchstcn Geber alles Guten und Retter in der No'lb. Zn ein Paar Stunden duftete in Silblrscküsseln ein schmackdarteS Abendrot, für die ausgehungerten Leute so-warzig, so süß! Man seyte sich zu Tische in brilizer Ruhe und kerzrrvcbender Andacht. Unser Rabbi Gerschöu konnte sich der Tvränen des Dankes nicht erwehren, die in Strömen seinen Wangen^ berabrollten. Selig und sröhlichen Herzens blickte er seine Schwester an. die ihm gegenüber saß, geputzt und wonnetrunken. DaS Abend», brot ist verzehrt; der Segen nach dem Essen gesprochen; der dritte Kelch geleert; der vierte wird eingeschenkt; da langt Rabbi Israel einen massivgüldenen Pokal hervor, stellt ihn auf ein silberne« Lätzchen bin, schenkt den per. lenken Wein ein für Elijahu Hanawi; die Thür wird 'ausgemacht. Alles erbebt fick eriurchlSvost mit dem Gruße: «277-^2 und o! welch' ein Wunder! der Dauer, der bis jetzt ganz vergessen.im Winkelchen dageseffen, erhebt sich von seinem Sitz, und dem Tische sich nähernd, streift er von sich seine äußere Hülle und vor -ihnen steht jener Greis, den wir in jener Hüne gesebcn, erhaben und in himmlischer Verklärung strahlend — und den Pokal ergreifend nippt er ein wenig auf das Wohl des WirlheS Rabbi Israel Da al fckem row. setzt sich zu Tische hin, und nun gebt eS erst los; nun entdeckte er tbren Augen, was noch kein Auge gesehen; nun hören tbre Ohren. waS noch kein Ohr gehört: davon hatte noch Rabbi Gerschon gar keine Adnung. So schwindet ihnen die Nacht wie ein Traumqebilde und die beiden Festtage fliehen in Ge-- sellschan Elijahu Hanawi. Nun glaubt! Rabbi Gerschon. daß eS ein? höhere Wissenschaft, giebt. hie den Menschen über alle Naturgesetze stelle, die vor ihm die Gemächer deS Weltalls austhue; nun glaubt er. daß es der himmlische Wiste gewesen, daß seine Schwester die Frau eine- Lieblings Elijabu HanawiS werte, und ganz bekehrt kehrt er beim, aller Welt verkündend, welch' ein Wunderthäter sein Schwager Rabbi Israel Da al fchem tow fei; aber in seiner Drusi rief verschließend die Geheimnisse, deren Schleier vor ihm gelüftet worden. Don dieser Zeit wallfahrlete Alles zu Rabbi Israel, feine Wundertbäntzkeit zu beanspruchen, und -weit und breit erscholl die Kunde seines großen Namens. Einige Curiosa aus der Geschichte der spanisch-portugiesischen Juden. «.Nach I)r. xayferling'S Sephardim, Berlin» 1859.) Die Gründung der Gemeinde zu Amsterdam. Unter den Schrecken der Inquisition erhob ein Gott ergebenes Weib ihr Auge gen Himmel und bat den Allmächtigen um Rettung. Mavor Rodriguez schickte sich mit ihrem Manne Gafpar Lopez (Cbomem). ihren Söhnen Manuel und Antonio Lope; (Pcreyra) und ihren Töchtern Maria NuneS und Zusta Lopez (Percvra) im Zahre 1590 zur Auswanderung an. DaS Geschwisterpaar Manuel und Marie schifften sich mit ihrem Oheim Miguel Lope; nach Holland ein. UnterwegS wurden sie aber von den mit den Niederländern gegen Spanien verbündeten Engländern ergriffen und als Kriegsgefangene nach London geführt. Maria war von so seltener Schönheit, daß der Capitain deS Schiffes, ein englischer Lord, ihre Hand verlangte und fie mit so außerordentlichen Beweisen der Liebe und Sorgfalt behandelte, daß das Derbältniß deS Lord mir dem portugiesischen Zudenmadcken der Köuitzin Elisabeth zu Ohren kam. Elisabeth ließ Maria zu sich konrmen. Sie bewunderte ihre Schönheit, mehr aber noch die Bescheidenheit und das anmuthige Wesen der kriegSgefangenen Jüdin. Auch die Königin behandelte die schöne Maria mir allen ^Auszeichnungen: sie nahm sie in ihren StaatSwagen. fuhr mit" ihr durch die Hauptstadt. um den Bewohnern Londons dieses Wunder von Schönheit zu zeigen. Aber Maria kümmerte sich wenig um diese Ehren, sie hörte nicht auf die inständigen Bitten der Majestät, hatte kein Ohr für die ehrenvollen Anträge, welche man ibr machte, — sie siebte nur um ihre Freiheit. Sie wurde ihr bewilligt. Maria verließ England mit all dem ibr versprochenen Glanz um des ZudenihumS willen und setzte mit ihren Begleitern die Reise nach Holland fort. Maria Nunes Pereyra war gleichsam die Erste, welche als Jüdin Amsterdam betrat. Maria legte den Grund zu der so großen und berühmten spanisch-portugiesischen Gemeinde Amsterdams. Einige Jahre später kam auch ihre Mutter Mavor Rodnguez mit den übrigen Verwandten ihr nach. Im Kreise dieser kleinen Familie wurde bald nach ihrer Ankunft eine Doppel-Vermäblunz unter Musik. Gesang und Freude gefeiert. Die heldenmütbige Maria heirathete Manuel Lopez Homem und ihre Schwester Jusia wurde die Frau ibres LetterS Francisco NuneS Pereura. Antonio Lope; erhielt nach wenigen Jahren das Amt eines Hofbanquiers deS Königs von Spanien „Contador Mayor del Rey de Espafta y balido del Conde Duque.“ <3<Mub fp^t.) Cf Humoristisches. ..Du", sagte ein Knabe zu einem andern. ..heißt dein neuer Lehrer nicht Zeisig?" — ..Ja, er beiß^Zeisig. aber er ist eigentlich eine Wachtel, denn er schlägt immerfort."! Allgemeine Zeitung de« Judenlhums. No. 5. 1859. Leitende Artikel: Lremieux vor dem Kriegsgerichte in Tran und die Kundgebungen der Israeliten in Frankreich. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Aus Bayern.—Preußen: Magdeburg, aus Schlesien, ausdem Kreise Harburg. — österreichischer Kaiserstaat: Men, Lemberg, aus Lehmen, aus dem Tokayergebirge, 2- Földvar, Lemberg. — Rußland: Odessa^ — Italien: Turin. — Frankreich: Pari«. Zu beziehen durch jede« Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich */« Thaler. Verantwortlicher Redakteur: K. Rabe. «erlag »o» va»»gä,t,er'« v»chba»»la«g i, reinig. — Drick »«» »teraadrr Siede is -einig.