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Jüdisches Volksblatt · 1859-01-01 · 6 (1859) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
6 (1859)
Issue
6 (1859)
Date
1859-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt Zur Belehrung unk) Unterhaltung aus jüdischem HeKiele. HrrauSgegebrn von Rabbiner llr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. * (No. 6. 1859 ] Eon tiefer deitfdjnft «sch«nl w-i-eaUich eine Mumm«. Pr,iß r,* Idbr- »angs 1 Zblt. Bifilfljibnu?>/, M#r. All» 4*u<tibdnMiing«i Beftimi« unt 3ftmng4«yr«>itiwien nehmen Peftellun«en dB. [6. ^ahrz. 1. «Quartals Chassidische Sagen und Legenden vom Ba al schem. Bon Leon M endelSburg in Storoko.ustantinen (Rußland.) «Schluß.) Einige Wochen später saß unser Rabbi Gerschon bei einem vor ihm geöffneten vergilbten Folianten, da- Haupt sorgenvoll auf seine Linke gestützt und die Augen auf die kleinen gedrängten Lettern geheftet. Ein aufmerksame- Auge hätte ohne Mühe bemerken können, daß nur das leibliche, nicht dageistige Auge am Studium Theil nahm. Welche Veränderung ist seit Kurzem mit. ihm vorgegangen! Tiefe Züge de- Gramewaren in seinem sonst so runden vollen Gesichte gegraben; die Röthe. die Farbe der Gesundheit, hatte einer bleichen kränklichen Bläffe Platz gemacht, daS glänzende Feuer seine- Blickewar durch den Schleier der Betrükiiß, die an seinem Innern zehrte, gedämpft. Bald erhob er daschwer gesenkte Haupt und begann mit sich selbst zusprechen: ..Aber meine Mirjam, meine ftomuze sittsame Mirjam, welche dämonische Macht konnte Dich hinreiße«, aller Sittsamkeit und Deinem eigenen schüchternen Naturell zuwider zu handeln? Du verließest heimlich wie eine &jtt Niedrigsten und Verworfensten da- Hau- Deine- Bruder-. um einem fremden Bettler zu folgen. Ware'' noch etwa- Rechtean ihm, und stände noch zu hoffen, daß er Dich glücklich machen würde, ich könnte mich noch Deine- Glückehalber über so vielemein Herz Verwundendehinaussetzen und egeduldig ertragen; aber der Elende wird Dich nur mit in sein Elend hinein, ziehen, und wdlcheS Loos hast Du Dir selbst bereitet! O der Schmach! Wag. wird je vermögen die schwarzen Flecken an Deiner jungfräulichen Ehre zu tilgen? — Solcher Schritt für jede auch noch so niedrig geborene jüdische Tochter ehrenkränkend und schmachvoll, wie viel mehr muß er efür Dich sein, die Du in dem Haufe eine- Rabbinersittsam und in strenger Zucht erwachsen. O, wüßtest Du. welch' unheilbare Wunde Du meinem brüderlichen Herzen geschlagen!" Er hielt eine Weile inne und sprach ferner: „Daß Sie sich in seinen Klauen befindet. unterliegt keinem Zweifel, dafür sprechen ja so viele Umstände. 3» derselben Nacht alsie verschwand dieser verschmitzte Israel. O! wüßte ich nur ihren Aufenthalt, ich würde schon Mittel finde«, sie ihm zu entreißen" — und aufgestachelt von diesem sein Imkersteempörenden Gedanken,^ erhob er sich und fing an in seinem Gemache auf und nieder zu wandeln^ Al- -er sich so immer tiefer in sei», neu Kummer versenkte, that sich die Thür auf und der unbekannnte Rabbi'Meter trat mit den. Worten ein: „Ich bringe Ihnen Rabbi Gerschon Nachricht von Ihrer Schwester. Ihre Vermuchung, daß sie mit dem Unterlehrer gezogen, ist ganz Begründer. So eben habe ich von einem zuverlässigen Manne ihren Aufenthalt erfahren. Der Mqnn hat sie gesprochen, fie bat ihn zu Euch hinzugehen, und Euch m» Entschuldigung zu bitten. Sie wollte Euch gewiß nicht kränken, noch deüf eitlen Gelüste ihre- Hrrzeyfolgen, sie erfüllte u«r den heiligen Willen de- Himmel-, den ihr ihre selige Mutter verkün« C dere, unv so dringen» zu vollziehen befahl." _ Sprachlostand Rabbi Gerschon da, der Gram und die Entrüstung halten seine Zunge gelähmt, endlich aber machte er seinem gepreßten Kerzen durch einen desto größeren Schwall von Worten Luft. „Fluch, tausendfältiger ewiger Fluch über den Der- . führcr meinet Schwester", sagte er, „möge ihn der Himmel für sein Bubenstück mit-tausendfältigen Plagen strafen. f£>!' wo ist der .Mann, führet mich zu'thm. Er zeige mir den Ort an, wo sie sich befinden, ich muß sie ihm entreißen." „Gemach", unterbrach ihn. Jener, „jetzt ist all ihr Bemüben vergeblich, eS ist zu spät! Der Rabbiner in dem Städtchen N. hat ihrer Verbindung die religiöse Weihe gegeben und schwerlich »erdet ihr'- jetzt zu? Scheidung bringen können/' — ' ..O! lieber Rabbi Meier rathet mir doch, waist nun zu thun?" bat nun, flehentlich die Hände faltend, der Rabbi. „Daist sehr leicht", sagte Jener. ..Sie lassen die jungen Leute ihre- Wegegehen, sobald der erste Rausch vorüber, wir^ ihre Schwester die ganze Tiefe ihre- Falle« einsehen, und sich eines .Befferen besinnen; und'pocht erst die Armuth an ihre Thür, so gehen ihr gewiß die Äugen auf; dann kommt fie gewiß und fällt ihnenreuig zu Füßen, um Verzeihung bittend für ihren Fehltritt und Verblendung, und dann thuet,_wa» Ihnen guj dünkt; jetzt aber müßt Ihx Euch gedulden." Rabbi Gerschon sah ein. »aß Rabbi Meier die Sache von besserem Gesicht-Punkte aler betrachtete, baß bei dieser Sachlage nichtzu'thun sei, er sagte also: „Wenn ich den Mann besprochen, und ich mich von der Wahrheit seiner Au-sage überführt, will ich Ihrem

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