Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 49 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 196 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4908862-5999346-6000874--1229-4909826- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
ISS <SmU hatte einige Zeile« in der glücklichsten Elimmung beigefügt. „Heinrich habe aste Zuneigung zum Bruder auf ihn übertragen. Eie würde« zusammenhalten in Leid und Freud. Sr selbst fei refvrmirt. eben so Heinrich, beide nicht io pejus. Nur manchmal, wenn er ihm die burschikose "Noblesse nicht als Handelsusance durchlaffe« könne, spiele Heinrich spatzhast den Assessor, nehme ibn ins Verhör und drohe mit Career und Steckbriet. Wir sind Freunde, Menschen, keiner kennt des Anderen Glauben. Begünstige das Glück so fort, dann sei für Beide gesorgt. Aber trotz »lle» Glücks manche trübe Stunve — der Erinnerung, des Heimweh'-. HeimathliLe Fluren, traute Lieben daheim, der Hain mit Singvögeln gegen den schweigsamen Urwald, die gemüthliche Bierkneipe ..zum wilden Mann", deutsche Sprache — e» überkommt mich, ich muß schSießen. Ein Gruß für Mertellche!! — Ein Gruß dem Leser von mir. Nicht erfunden habe ick, sondern Wahres erzählt. Mancher hat andern Schluß erwartet. Aber nicht die tragischen Dolchstiche sind die schmerzendsten. weit empfindlicher find die tausendfachen Stecknadelsticke des täglichen Lebens. Haben meine Helden mißfallen — liegtnur an mir. ste waren besserer Karben werth. Gefiel Euch meine Erzählung. mageiner spateren eben so ergehen. Vielleicht Kitt dann der Setzer nickt so feindlich zwischen uns. Pietät. Beitrag zur Ldarakteristik meine» mir unvergeßlich« Lehrer» R. Staren» Benedikt, mährischen Landesrabbmer», von Israel Fürth. Rabbiner in Strakoniß. AIS Beweis der rigorosen Frömmigkeit und strengen Redlichkeit meinehochgeachteten Lehrer- «ögen folgende Thalsacken dienen. Einst copirte ich eine Teschuba') nach Dühren» tun auf volle zwei Bogen, wofür er mir gewöhnlich 2 fl. W. W. zu zahlen pflegte, jevoch nach Beendigung meiner Arbeit suckle er diese Bagelelle in seiner Priva^kaffa (die Gehalt-» Einkai'strung. so wie auch alle Acctdenzien überließ er der Frau Rabbineri-f. aber — vergeben-. Ick bat natürlich mich zu entlassen, und betheuernd. daß ich gerade dieses Honorar nickt benöthizte, wieich ehrfurchtsvoll auf die Mifckna bin: (Baba mezia Abschnitt 9, M. 12.) ..So lange der Arbeiter seinen Lohn nickt fordert, Übertritt der Arbeitgebende nickt da- Verbot""); allein er antwortete lakonisch: „af al pi ken"'"), sandtk hierauf seinen Diener zu feiner Frau, der aber unverrichteter Sache zurückkam, weil ste gerade ^abwesend war. Zu dieser Verlegenheit befahl er mir -i^risum teuentis aurici! — daganze Teschuba-Duck mit nach Hause zu nehmen. eS gut auf« zubewahren, und am folgeren Tage zurückzubriagen; ich mußt« natürlich gehorchen, und erhielt »« folgenden Morgen dankend mein Honorar. Bei dieser so außerordentlichen Scheu selbst vor dem Schattey einer Gesetzüber- *) Loutroverse. **) „Laste nicht bei bir über Rächt stehen den Lohn des Gemietheten." (Lcvit. St. 19, L. 13.) ***) Dennoch. tretung — die so Manchem in unserer lariven Zeit lächerlich scheinen dürste, diesem rigorofrommen Manne aber voller, gewichtiger Ernst war — können wir dicht umhin au-zurufen: „Findet man noch einen solchen Mann, in de« ein so göttlicher Heist waltet —" (Qene»i« St. 41, V. 38.) Ein edelgefinnter Vater der Dürftigen und Nothsei« denden wie er war. führte er in Nikol-burg eine Art Sparkaffa oder sogenannte Holzbüchel ein. die armen Leute durch kleine während der Sommerzeit gemachte wöchentliche Beitrage von etwa IS—30 kr., worüber ste auch ihre EinlagSbüchel erhielten, eS ermöglichen sollte, in der strengen Winterszeit ohne besondere Mühe und Beschwerde ihren Holzbedarf stch zu verschaffen. — Dieser Mühewaltung und Zeitrersäumniß unterzog stch ein so hochgestellter Mann, der zugleich der perfonificirte Fleiß war und jede Minute der Gesetzesforschung widmete. — So eine außerordentliche Scheu nun auch der biedere Mann füp daheilige Gut de- .Armen hegte, so traf esich doch einst in den Monaten Slul und Tischri. wo aubesonderer Pietät den herzureisenden Dürftigen gestattet wurde, nicht nur daöffentliche Gemeinbevermögen, sondern auch einzelne Zodividuen um eine Gabe anzusprechen, daß bei völlig erschöpfter Privatkasse er stch mit nicht ge. ringen GewiffenSskrupeln genöthigr sab. die kleinen Holzvorrathsbeittäge anzugreifen, um nur keinen Flehenden zurückweisen zu müssen. — Dies,- aus mehrere hundert Gulden fick belaufende Anlehen konnte nicht anderals durch Verkauf mehrerer Stücke seine- Silbergerätheersetzt werden. — Und dabei konnte er stch lange nicht den am anvertrauten Gute begangenen Frevel _ so nämlich nannte er die Tbak. zu der ihn fein edle- Herz -etrirben— verzeihen. Anekdote. Zm verflossenen Sommer wurden von Fr. nach M. viele Geschäfte in Heu gemacht, die aber übel au-fielen. da da- Heu zumeist in Fäulniß am Bestimmungsort ankam. Man trug den Makler H., einen Juden, ob er auch Geschäfte in Heu gemacht? ..Nein, nein!" antwortete dieser, „da lasse ich mich nicht darauf ein. lieber S Zabr würden die Oekonomcn zu mir sagen: Jude machhei! und ich könnte ste nickt einmal verklagen!" Im vorigen Jahre. alS in Berlin die Krise in ihrer vollen epidemischen Wuth war. trat ein junger Mann, besten-herauSgeputzt, in da- Zimmer friner Frau. „Kind", sprach er. „kann ich so geben?" — „Wohin denn. Mann?" fragt die Frau. — „Pleite, mein Kind", lautete die Antwort. Allgemeine Zeitung de- Judenthum». No. 48. 1858. Leitende Artikel: Die Juden in Konstantmopel. (Schluß.) — Die „Augsburger Allgemeine Zeitung. — Literarischer Woche kW bericht. Zeitung-nachrichteu: Preußen: Xrotoschin. Land-berg a. d. D. — Oesterreichischer Kalserstaat: Daizkn, Wien, Wien. —Frankreich: Pari«. — Italien: Magdeburg. — Rußland: U Z« beziehen durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich * 4 Thaler. Verantwortlicher Redacteur: JL -säte. •«U* »oi Vtiagirtitt'l v,chha»vl»»g t» — Dr»« »0» llefatber Si<be i« Leipzig.