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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 46 (1858) · p. Seite 184

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
46 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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184 t * fällt er in zwei Schößen bis auf die K»i5, die Aermel gehen bis zur Faust und liegen sehr eng an. Nur die Reichsten tragen Schube, dje Urbrfgen größrcntheilS lederne Sandalen. Die Frauen tragen ein gefärbtes Hemde, um den Äopf winden sie ein Luch oder Stück Zeug, unter welchem ihre schwarzen Haare biS auf die Schultern berabhängen. Sif geben barfuß, doch schmucken sie ihrt Arme. Hände und Füße mit goldenen und silbernen Ringen, auch tragen sie zuweilen einen Nascnring. der bis an den Mund herabhangt. - „ j Dir' verschiedenen Wollstoffe, welche die Juden in Kurdistan verfertigen, werden auch in taS1 Ausland auS» geführt. ES iss dies ein GewerbSzwelg, welchen Viele von ihnen fleißig betreiben, auch verfertigen sie.Teppiche. Ihre Webstühle sind äußerst einfach; auf'zwei Stücken Hol;, die in einer gewissen Entfernung vün einander in die Erde gesteckt sind, fertigen sie gute, sog^r schöne Stoffe an. Ein Theil der Dornebmeren treibt Äckerbau, man siebt sie Morgens mit ihren Fraüen und Kindern in die Felder und Weinberge gehen, von wo sie erst AbendS zurückkehrcn. Statt Wein zu keltern begnügen sie sich die Trauben zu ihrem Gebrauche zu trocknen. Die Getreideernte reicht für den Lebensbevarf hin!. Fruchtbäume weiden wenig gepsianzt. Die auS Flechtwerk errichteten Häuser haben ein nacktes Aussehen, sie find einstöckig, doch ziemlich hoch und von Innen und Außen mit einer Art! Mörtel angestrichen. Im Sommer schläft man aufjtfn Terrassen, um den Stichen der Skorpionen zu entgehen, die sich während Vieser Jahreszeit bäufig NachlS i» den Häusern aüfbalten. Die Nahrungsmittel werden so schlecht zubereiter. daß sie dem ärmsten Europäer Ekel ejrrcgen würden. Ischillß Notizen des Tages. Im Königreich Württemberg har die Staatskasse zur Verbesserung der Rabbinatsgehälker ibven Beitrag zu den israelltischen CultuSkosten. um 1000 st. erhöbt, so daß der Staat jetzt'7000 st. jährlich für den israelitischen Kultus zablr. — Unter 440 Aerzren in. Württemberg sind 10 Juden, unter 244 Rechtsanwälten 24 Juden. In Preußen hingegen ist jetzt der erste Jute zum RcchkSanwad und Notar ernannt worden.. Herr vr. jur. Moßner. t In Berlin fand neulich der intereffatlk? Fall statt, daß. da der Präsident des SckwurzerichtShtzfeS die jüdischen Geschworenen wegen deS hoben Festtages dispensirre, daS Schwurgericht wegen Mangel an der gesetzlich nvkbwen« Vigen Zahl der Geschworenen — trotz der« Stellvertreter derselben — vertagt werden mußte. Da dip Geschwornen auö der Zahl der intelligentesten, moralisch und politisch unverdächtigsten Personen des Ortegewählt werden, so ist direin unzweideutiger Beweis für den! Charakter der jüdischen Bevölkerung Berlins. Ter k. k. Minister deS Innern zu Wien. Freiherr v. Bach, bat von den Geldern, die demselben bei Gele, genbeit der .Geburt des Kronprinzen zu wohlthätjgen Zwecken übergaben wurden, auch die jüdischen Anstalten dieser Richtung bedacht. Die Kinderbewahranstalt,'daS Taubstummeninstilut. der Kreuzerverein rc. erhielten je 500 Fl. Der griechische Gesandte am kaiserlichen Hofe in Wien. Herr Baron von Sina, hat dem Dichter L. A. Krankl für die in dessen Reisebuch ..Nach Jerusalem!" enthaltenen Schilderungen Griechenlands durch den griechischen Consnl Manzuxain eine brillantene Busennadel zustellen lassen. In Minsk bat der Kaiser Alerander II. von Rußland bei seiner jüngsten Durchreise kaö jüdische Hospital besucht und beide Abtheilungen für Männer und Frauen, und selbst die Küche betreten, und seine Zufriedenheit allerhöchst ausgesprochen. Als bei dem Durchzuge durch die Straßen rin Jute von dem Pferde einer seiner Adjuvanten niedergeworfen und verwundet worden, stieg der Kaiser selbst auS seiner Kutsche und befahl dem Verwunderen möglichste Hülfsleisturkg zur Stelle zu bringen und hinterUeß, sowie noch für einen kranken jüdischen Jüngling je 200 Silberrubel. Aphorismen. Don Dr. Wahl in Coblenz. An dem großen Ubrwerk der Vorsehung nehmen wir den Gang deS Minutenzeigers nicht währ; .aber wir hören die Stunden auSfchlagen. Ewig ziehen die Wandervögel der Sonne nach, und der Mann des Rechteseiner Pflicht. In dem reinen Gemüthe findet der Argwohn am wenigsten Raum; ja in der verkohlten Asckengluth findet es noch den glimmenden Funken auf: So haben die Sonnenstrahlen noch die Kraft ein Leichenfelb zu vergolden. Weder ein Einzelner noch ein Volk ist je so selbstständig. daß sie^ihre Bildung sich allein zu verdanken hätten; Völker lernen von einander, wie Individuen. Unsere fließenden Thränen zeigen nur an. daß wir Menschen sind; aber noch nicht, daß wir. gute Menschen sind; renn Tbranen find noch keine Entschlüsse und Entschlüsse noch keine Thaten. Allgemeine Zeitung des Judenthum». Mo.>45. 1858. Leitende Artikel: Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Hannover, auS der bavr. Pfalz, Berden. — Preußen: Pleß, aus Westphaleu, Berlfti, Etolp, Trzemeßno, Schwerin an der Watthe, aus Schlesien, aus Schlesien, Schwerfen;. — Oesterreichischer Kaiserstaat: Wim. Gr. BecSkerek..— Holland: Amsterdam. — Nordamerika: Magdeburg. — Italien: Rom. Rom. — Marokko: Paris. S3T Zu beziehen durch jeder Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich % Thaler. ' Verantwortlicher Redacreur: K. Rübe. verlaa von SaamzLLLSer'« Bnchh-vvl«, in Leipzig. — Druck von Alexander Wiede in Leipzig.

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