Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 46 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches VolWlatt. > Zur ^eleOrunq unö Anlerhaltung auf jüdischem H'ekiete. Herau-grgrdkn von Rabbiner vr^ Ludwig Philippsou in Magdebulrg. Mo. 48.1838.1 Bon tUftr gang! 1 Iblt. B'rrt« uni 3tiiu zrk<t>«<nt »b£«ntlidi «hc Nn«»»r. Crrl* des 3Jbrläbrig Mar. Alle BuHdanklunaen. glerredinonen »edmeu BeEeVunueu an. — 1^5. Zahrg. 4. Daartal.1 Charakterfestigkeit. Wenn den Juden neuerer Zeit irgend 'itwaS fehlt, so ist eS insonderS die Charakterfeftigkeiu. Wäbrxyd eS in alter Zeit keinen Stamm und fein r Glaubensgcnossenschaft gab, die so starr und u lerschütierlich in allen ihren Bräuchen und Sitten war, wie unsere Vater, so sind deren Enkel in dagr ade Gegenteil verfallen. all' ihre väterliche Gen obnbeit verschmähen und verachten sie, zvährend sie daS Nichtjübische mit Hast ergreifen und sich aneignen. Jüdin wollen sie sein und bleiben, aber alles Jüdische abstreifen und mit dem Nichtjüdischen kokettiren. Juden wollen sie sein und bleiben, aber auS ihrem Haufe und Le >en soll alle- Jüdische verbannt sein, und die Nachahmt ng und Annahme selbst dessen, waS nicht zum Allgemeinen, sondern zum specistsch christlichen Leben gehört, w rv nicht verfchmöbt. Wir heben heute nur einen Gegenüani» hervor. ES ist dieS die Feier veS Weihnacht-festeö. D enn auch die An, wie dieses Fest in Deutschland gefeiert wird, in die rum doch zu eine Zierde eiß. daß Chanukka in herrliche-. vorchristliche Zeit hinaufreicht, so ist einem rein christlichen Feste gewo teS christlichen Familienlebens, um dieselbe Zeit daS jüdische We (wörtlich die Einweihung) zu feiern ist. echt jüdische- Fest, denn cS wurzelt in dhr Erinnerung an die erhabensten Märtyrer und Kämpfer | für die Reli gion deS einigen GorreS. die makkabäifche Drangsale und Siege jener Zeit; Jederm eS gefeiert werden soll, mit Illumination i mit Freudenmahl und Geschenken. In wie Familien wird dieS nun noch gefeiert? Helden, die n weiß, wie den Häusern, ielen jüdischen In wie vielen auf die rechte Weise und mit dem rechtest Bewußtseins Während man aber daS jüdische Weihe est schmäblich vernachlässtgt, feiert man daS christliche Weihnachten alS ein hohes Fest mit Schmausereien und Geschenken? Welch' eine Charakterlosigkeit! Wiv geben gern zu. daß all' Diein Naivetät geschah, indem man eben nur die Sitte der Welt ist. Aber die Zeit der! Naivetät muß endlich vorüber sein, da die Folgen in! den jüngeren Generationen die traurigsten firr die Rejigion sind, da in ihnen aller religiöse Geist abgeschwächt! wird und erstirbt. WaS bis dahin schuldlos war, wird nun eine Schuld. Wollt ihr ein Fest feiern, wqrum nicht da» Chanukka, wollt Ihr Suren Kindern Qjrf<|citfe geben. einer gewissen niitmachte, wa» warum nicht am Chanukka. Wollt Ihr einen fröhlichen Familienkreis vereinen, daß auf dem Grunde der religiösen Weibe die Heiterkeit eiüztehe in die jugendlichen Herzen und in alle Herzen, warum nicht am Chanukka? , Bedenkt die» wohl. Ihr Familienväter. Familienmütter! Wir wissen wohl, dgß wir mit dieser Rede nicht in zu viele Herzen^einschlagen. und eine Aenderung deS Wege» nicht bei Vielen erreichen werden. Allein wenn nur bei Einigen, wäre e» ein Gewinn. ES ist eine Zeit, wo eS einer Stärkung und Aufrichtung bedgrf; und wenn sich dazu nur erst Einige schaaren und -verbinden, so wird eine immer größere Zahl.sich einfinden und der gegebene Anstoß sich fortpflanzen. „Nur sei stark und fest!"' Eine Familienscene ans dem vorigen Jahrhundert. . _ (SMhI.) * r „Mit Ungeduld erwartete ich den Tag der Verlobung^ den die Tante mir ebenfalls im Vertrauen verrathen hatte. Sie hatte mir zugleich^ gesagt, daß mein Vater mich über 7~ meine Zufriedenheit mit seiner Wahl befragen würde, wa» mir sehr schmeichelte. Der ersehnte Tag erschien. ■ Der Morgen verstrich, auch der Vormittag, mir wurde! nichtgesagt, ich wurde' um nicht» gefragt. Wir setzten un» zu Tisch, ein Gericht nach dem 'anderen ward aufgetragen. immer noch kein sterbendes Won. Bei dem letzten endlich sprach mein Vater: „Mein Kind, wen möchtest Du lieber heiraten, einen Doctor oder einen Rabbiner?" — Mir klopfte da» Her; mächtig. ' Ich antwortete. daß ich -mit Allem zufrieden. sei, waS er über mich beschließen würde. Aber schnell bedachte ich, daß ich dem guten Vater, der irvch bazu^felbst Arzt war. doch entgegen kommen muffe, und fügte hinzu: „Ein Doctor wäre mir freilich lieber." „DieS war meine Einwilligung, so gründlich, alt' hätte ich sie durch Siegel und Brief bekräftigt, und nach dem Mittagessen eröffnet« mir meine Mutter, daß ich am Abend dem Doctor*Marcu» Herz verlobt werben würde, den ich ja genug kenne, durch persönliche Bekanntschaft sowohl alS auch durch feinen Ruf als Arzt und Gelehrter, Sie hielt mir dann eine lange Rede, die mir in dem Augenblick sehr ungelegen kam, und mir sehr langweilig war, die ich aber dfnnoch au» kindlicher Pietät und nicht