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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 45 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
45 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Letehrung und HrUjerfjafturig aus jüdischem HeKiete. HerauSgegebe» von ' > Rabbiner vt. Ludwig Philippson in Magdeburg. sRo. 4L. 18S8.] ftfd)(iRt »4*<niliib nnt Muiamtr. Brri« »e» ^adrr~ c* . i . . -» -Ijäbrig l'/t viqr. «Nr Binbbaudlu»^,». BoSimttr I 5), 'ZlillkU. 4. fllltlflfffll I mdlfrrtbilioarn nrbmta >»»a-Uuna»ii da. *- w ' O *J Bon »Ifftc 3<ltf*rii gang# 4 tbU. Bier un* Zeiisina»»rredi>>o«en nrbmta BeSeUunoen da. Anwalt und Assessor. Vom RechtSauwalt vr. Ealm. tFortsetzsnz-1 lV. D. u. C. 1 8 4 9. Die Novembertage Wien-, die Decemb^rtage Berlinwaren nicht ohne Einfluß auf dapolitis^e Treiben in dem kleinen Lande geblieben, dem Moritz durch Geburt, Heinrich durch seine- Dater- und die eigene Stellung angehörten. Mit Hoffen und Bangen war >as neue Jahr ausgenommen. Nirgendtritt in aufgeregten Zeiten eine ärgere Zerfahrenheit und Zerriffenheit de socialen Be. Ziehungen, eine größere Schwächung der st etlichen Autorität ein, alin kleinen Ländern. Die Äande de- Gehorsam-. die Gesetze der Ordnung werden ldann so locker und die natürlichen Widerstand-mittel der Staatsgewalten sind dann so ohnmächtig, daß große Nachbarstaaten schon manchmal, wie undie Geschichte lehrt, wenn auch nicht gerade im Zustande der Nothwehr, doch;ut Verhütung deweiteren Vorbringeneben so nngere Zelter alunpraktischer Gesinnungen und Wünsche die Lristen; solcher kleinen Staaten vernichten mußten. Waren nun auch Heinrich und Moritz vi n dem Strudel der damalige^Hdeen Anfangmit fortgeriffen, so hatte doch den ersten» die Rücksicht auf feinen Dater, den anderen die erhvltene Säbelwunde mi: ihren bösen Folge» und bltttten Erinnerungen von b r Betheiligung an den zu jener Zeit in jedem Dorfe ging und geben Volksversammlungen. Manifestationen. Pe itionen, Deputationen. Wahlumtrieben u. drgl. mehr völlig ferngehalten. Wir muffen aber auch den jungen Le> ten die Gerechtigkeit widerfahren laffea, daß sie di« Bel eutuug-losigkeit der politischen Bewegungen in kleineren Staaten einsehend, bald auf dem Standpunkte der puren! ronie über die Beglückung-versuche der Gevatter Schneide . Schuster und über die faden Erzeugnisse der Presse angkkommen waren — wenn man mit d,m letzteren Ausdrucke ein einztge- Blatt beehren kann, dawöchentlich in z oeimaliger Production neben den Anzeigen über saurr Gurken und Wunderkuren, neben Lobe-erhebungen über invalide Sänger und gereimten Nekrologen über rechtschaff ne Bürger und tugendhafte Krauen, Vorschläge zu einer! neuen europäischen Staatentheilung mit billigen Ausfällen auf Staatsmänner und Diplomaten brachte und olle Ruffophobie von seinen Lesern durch einen fulminanten Leitartikel: „Kort mit Rußland!" für immer gebannt hatte. Moritz hatte wegen feine- .politischen Stilllebenmanchen Dorwun absfilen seine- Bruder- Emil zu hören. Dieser junge Mann^ schwärmerisch und ehrgeizig, ein Hauptagttator der Volk-partei in der Hauptstadt, über Reden und Schtetbei^ daim blühendste» Zustande er. erbte väterliche Geschäft vernachlässigend, hat« dem Assessor wiederholt den Sol^mscden Spruch vorgehalren: „daß jeder Bürger in Zeiten der Gefahr eine bestimmte Partei ergreifen müsse!" Moritz erwiederte fragend:;.vb er ein Bürger Griechenlandsei ober mit der einzigen gesprungenen Kanone der Schützengilde Oesterreich und Preußen' sich botmäßig, Radetzky und Wränge! an seinen Triumphwagen fesseln wolle.Dann wie- Emil wieder ängstlich auf die dereinstige Rache der Masse, die von jedem Juden unbedingte Hingabe an >die Sache de- Volkeverlangt'. „In solchen Zeiten der Rache", erwiederte ihm Moritz, ,,thut die Karbe Nicht-, der Jude wird verbrannt." Wir werden die Thätigkei» de- Assessorbald kennen lernen. Wa- Moritz anbetrifft. so lebt« er ganz sfinem Berufe in D. Die älteren College» hatten theiki^'die Beamtencarrivre ergtiffen. theilS waren ste der Rede in dem neu eingeführte» öffentlichen und mündlichen Gerichtsverfahren nicht gewachsen, we-halb feine Prarisich von Anfang an ziemlich günstig gestaltete. Wenn man etwa glaubt, baß der erst« jüdische AdvocSt de- Landeunter den zahlreichen unh begüterten Glauben-genoffen de- StadtchenS D. Clienten zählte, so irrt man. Der Jude ist noch mißtrauisch, und glaubt seine Geschäftsgeheimnisse. besser bei christlichen Anwälten aufbewahrt, obwohl ste von diesen oft mit oller möglichen Sauce in der ertzen beste« Bierkneipe unter schallendem Gelächter der Zuhörky qufgetischl «erden. ^Der Jude ist eingebildet. Eärgert ihn, daß ein anderer Jude eine bevorzugte Stellung einnehmen, für gebildeter gelten, soll, daher die Scheu so vieler Juden vor jüdischen Anwälten und Aerzten. Daher auch der Haß de- Moreh Zedek Haa-, der edem Ankömmling gar nicht verleihen konnte, daß et vom Rechte etwaverstehen wollte und noch dazu ohne ein Blatt Gemoreh lesen zu können. „Allewarecht ist, Kinder, steht in der Gemoreh und wanicht d'rin steht, ist unrecht." Diese- Ariom brächte er bei jeder Gelegenheit vor. Moritz war von dem Vorsteher, einem intelligenten Manne, ersucht worden, der Gemeinde in ihren Recht-angelegenheilen al- Rathgrber behilflich zu sein und den Gemeindeversammlungen al- Assessor beizuwohnen. Beidebatte

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