Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 44 (1858) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
44 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
87% known words query
IRI
…/4908862-5999346-6000869--1206-4909806
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches Volksblatt Belehrung und Anterhattung aus jüdischem Gebiete HeranS-egeben von Rabbiner Ür. Ludwig Philippsou in Magdeburg. lNo. 44.1858-1 Sen Meter QettfAr« gang! 4 rdlr. Sie uh» Sei fl erfAefst »MienlH* »In* ffnmw#t. Pret» »e« Aa»rrC A*g.„* * l i tetjdgrfg 7V, «,k. «Oe SuAbanMungen, . Po««»er I O. JÄBtfl. 4. 00011101 I ungeereeblHrnfti ntftmen SefteDnngen an. L * "“*»* Anwalt und Assessor. Dvm^Rrchtsaawalt vr. Ealm. III. C. 1 S 4 8. <Forts«tz»»g.) Der jetzige Wirkliche Geheimerath and krtaatSminister v. Braun befand siU'äm andern Tage früh Morgenin seinem Arbeitszimmer auf dem Schlosse. E ein CabinetS. fecretair legte ihm die. Munds zur unterschr stlichen Vollziehung vor — und diese Arbeit erschien bald beendet, als der Boteeintrat und den Kaufmann Hroastein meldete. ..Sofort eintreten!" befahl der Ministes, ohne aufzublicken und mit der Beendigung der ' Signatur sich beeilend. Dann entließ «r den Cabinet-se«:etair. lehnte sich mit verschränkten Armen an die eine S> ite des hohen Sammetfauteuils und war deS Besuchgen ärtig. Geräuschlos trat Aronstein in da- Hlmme und näherte sich dem Minister, biein Wink vdn deffin Hand, ein „Bis hierher" ihn festbannte. ..Ich habe Euch rufen lassen. Aronst in' v. Braun, „warum, könnt Ihr Euch denken. begann Morgen steht dli Debatte über die Competenz deS Landtagauf der Tagesordnung, beute Abend ist große Versammlung de- „Vereinfür Volk-rechte" zur Besprechung btese- GegenstandeS. zur Bearbeitung der Massen, in welche die Deputirten der Linken sich anlehnen wol en. Diesen Abend, und sei eS noch so spät, erwarte tü den Bericht über den Ausfall der Volksversammlung." i „Zu befehlen. Ercellenz", erwiederte der Angeredete und ging. ..Aronstein", rief ihn der Minister noch iinmal zurück, ..Ihr seid ein verständiger Mann Eures Volke-, ein treuer Diener der Krone, thut Eure Pflicht, mar wird nicht undankbar fein. Gute Nacht." Aronstein verneigte sich stumm und ginz, leise wie «ine Katze, rückwärts heraus. „O, diese undankbare Raee! Wie huma^i Haien wir unS gegen sie gezeigt und nun haranguiren sie da- Volk in den Versammlungen und leiten eirre ist der Presse. Juden die Dolk-redner, Juden die Redacteu«. Und der dumme Pöbel brüllt ihnen Bravo mit demselben Munde, der vor einem Jahre noch „Hep, Hep" rief. LS ist purer Ehrgeiz, denn waS wollen sie? Wo in aler Welt hat daS Volk sie geschützt, traf sie ein fürstlicher Rachearm? Zünfte und Gilden schloffen sie an-, die Fürsten befahlen ihre Aufnahme, die Städte öffneten ihnen nicht die Thore, fürstliche Momficenz schuf ihnen eine geheime > Pforte. Von oben ward gesorgt sirr ihre Bildung und Veredlung durch Schulen und Handwerksvereine, wir ermunterten ihre Jünglinge zur Kunst und Wissenschaft, wir,nahmen ihnen den Sauerteig deeraffesten Obscuranti-mu-, und nun dieser schwarze Undank! Und wer war toleranter gegen sie, alich — und trotzdem PaSquille und Injurien an jedem Morgen! Und der ärgste von allen diesen Emil Löwe, dessen Bruder ich fast väterlich stetbedachte, aber zum Glück wachst in ihrer eigenen Mitte da- Gegengift. Eitelkeit und Geldgier schafft unS unbezahlbare Spione, zum Eremprl. der Herr Diceprästdent ihres Volksverein- und dessen lautester Schreier. Herr Aronstein." Der Ministerialbote meldete die Ankunft de- Mlinlsterfoh»-. Fwudig bewegt ging ihm v. Braun bistuf den Corridor Entgegen. Nach heißer Umarmung zwischen Vater und Sohn traten bjide wieder in die hellk hochgewölbte Stube. Jetzt erst merkte Heinrich erschrockenen Blicke-, wie sehr sein Vater gealtert, wie gebLckt die Haltung, wie gefurchtdie Stirn war. Kindliche Liebe erregte in ihm/ heiße- Mitgefühl, kaum konnte er der Thronen sich 'erwehren. .! „Du erstaunst mein Sobn über die ministerielle >Ruine defrüheren Regierungspräsidenten?. O. diese- Jahr! 1848 ist ja ein wahr,- Jahrhundert, ein unsterblicher AÜa-ver, jede Stunde eine neue TantaluSqual. Sieh, jedqr Tag wühlt ftischen Schlämm auf, wirft absorbirte Kräfte an- Ufer. Hier die Dem^raten, deren Geschrei in jüdisch deutschem Pöbeljargon mir als Lande-- und BolkSvevräther den SteinigungStob aaflucht, dort die schüchtern« und zaghafte Partei der Beamtep. und deS Adels, di4 uuS sichrem Winkel ihre frommen Wünsche zur Wiederherstellung ihrer OlimSprivilegien mir'zuzischelt. „Wie gern würde der Fürst geruhen, mir die Zuziehung Deiner jungen Kräfte zu gestatten, wie sehr bedürfte ich solcher Hilfe; aber liebdr will ich unterliegen. alS daß auch Du diesen eisglatten Boden der Politik betrittst." „Vater, Sie sind alt; von schwachem Körperbau, ziehen Sie Sich zurück. Ihre Pension sichert Ihnen ja standesgemäße« Auskommen", sprach Heinrich theilnahm-vvll. „Nicht doch, mein Sohn, noch ist diese alse Maschine nicht ganz verrostet, da« Bischen, geistiger Faden nicht abgespult. Aber nun geh zum Gericht-director, stell Dich alö neuen Assessor Deine« Vorgesetzten vor uyd erwarte seine Instructionen. Es giebt viel Arbeit —- vnd nicht

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.