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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 43 (1858) · p. Seite 172

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
43 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 172 (sequence 4)
Language
German
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172 nehmen, aber die. Sache ist ebne Erfolg. DaS einzige Mittel, um Ihren Sohn wieder zu erhalten, wäre, daß Sie fick selber taufen ließen." Der Tag verging und die Entrüstung der ganzen Bevölkerung von Bologna, oh^e. Unterschied-deS Glauben-, -zeigte sich in einer unzweideutigen An. Beim Beginn der Nacht kamen zwei andere GenSdarmen. Der eine nahmden kleinen Edgard in feine Arme', trug ihn in einen Wagen, welcher sogleich in raschem Trabe nach dem Dominikanerkloster fuhr. Allewar vorbei. Zn derselben Nacht führte ein GenSdarm in bürgerlicher Kleidung baS Kind nach Rom, wo eS in vaS Collegium der Propaganda eingefchloffen wurde. Man weiß, daß eS während d,S ganzen Weges immer laut nach seinen Eltern rief und die Mesusa verlangte. (DieS ist ein religiöser Gegenstand, den die israelitischen Mütter gewöhnlich den Kindern um den HalS befestigen.) Die Mutter, welche nährte. hat die Milch verloren; nkan hat lange für ibren Verstand gefürchtet. Zwei Schwestern sind krank geworben; die eine an Krämpfen, die ankere, an Fieber.- ' Seit dieser Zeit machte der unglückliche Vater, der dem Pater Inquisitor keine Erklärung entlocken konnte, alle nur möglichen Nachforschungen, um die'-That zu erhellen, und da er die christlichen Personen, die nach einander' in seinem Dienst gewesen waren, befragte, erfuhr er endlich, daß eine von ihnen, jetzt, verberkathet, ibren Kameradinnen erklärt habe, baß sie selbst das Kind unter folgenden Umstanden gekauft habe. Der kleine Edgard war ein Zahr alt und befand sich' ernstlich krank, fie selbst zählte erst vierzehn Zabr. EineS TageS beklagte fie sich in der Apotheke, baß ein Kind ibreS Herren, der ein Jude sei, sterben würde. Man sagte ihr, daß sie eS taufen, solle; sie erwiederte. daß sie nicht wisse, wie dieS zu thun; man unterrichtete fie darin; die Magd that eS. Edgard genas, die 3^agd dachte an nichts mehr. Im vergangenen Zahr erkrankte rin anderes Kind derselben Familie (es ist seitdem gestorben). alS «ine christliche Frau der Nachbarschaft der Magd rirrb.^eS zu taufen. ..Das. habe ich schon einmal gerban". fugte sie hinzu, alS rin Kind krank war. „und eS ist seitdem genesen." — „Habe» Sie davon nie zu Jemandem gesprochen oder eS in der Beichte bekannt?" fragte die Andere. — „Ich habe nicht mehr daran gedacht." Sie backte auch in der Thal nicht mebr daran, als im vergangenen Winter sie nach dem S. Officium berufen, dort auSgeftagt und ihr befohlen wurde, alle Details anzugeben. Nach ihrer Erklärung befahl man ihr das strengste Stillschweigen »an, bei den schärfsten körperlichen und geistlichen Strafen.; Die Familie Monara wußte von diesen Ereignissen kein Wort, bian dem Tag«, an-dem fie sich ihres KindeS beraubt sab.! Notizen des Tages. Zn Persien fand in Mesched unter dem Vorwände, daß die Juden mir den Engländern im Einverständniß wären, eine furchtbare Judenverfolgung statt. Bei den jüngsten Ordensverleihungen in Preußen haben auch wieder mehrere Juden den rothen Adlerorden, und zwar mit einer Sonne, statt des Kreuzes, erhalten. In Hamburg hat am Schluffe deS dort abgehaltenen „Kirchentages" ein Prediger auS Bremen, ein gewisser Mallet, eine furchtbare Predigt gegen die Juden gehalten, in denen er sie wiederholt „ein mit dem göttlichen Fluche beladeneS Volk" nannte. Am folgenden Tage war Jom -Da hielt Dr. Frankfurter eine herrliche Predigt dagecwn über JonahS Spruch: „Ich bin ein Jude und diene ^em dös Himmels, der Erde und Meer geschaffen. Die Predigt erschien im Druck, und — zwei Auflagen waren in zwei Tagen vergriffen, und der Redner .erhielt durch christliche Deputationen herzlichen Dank abgestattet. Auszüge auS der Predigt liest man in No. 41 der Allg. Zeit. d. Judentb. Blumenlesc. Auszüge von Erzählungen. Gleichnissen. Gedanken und Meinungen. nie Erklärungen von Schriftstellen anhebräischen Werken. Von Joseph Rawicz in BreSlau. Es predigte "xrss "n; Die svrrt ’ fangt an mit j Wohlthatigkeit und schließt mit Wohlthatigkeit. Sie fängt! an mit Wohlthätigkeit: Und der Ewige, Gott, machte ' Adam und seinem Weibe Röcke von Fell und bekleidete sie. 1. B. M. 3, 21; sie schließt mit Wohlthätigkeit: Moscheh starb daselbst ... auf Befehl veS Ewigen. Und Er (Gott, der zuletzt genannte) begrub ihn im Thale. — Niemand kennt fein Grab. 5. B. M. 34, 6. Recht glauben ist leichter als recht handeln. Zum rechten Glauben wird nur ein geneigte- Her; erfordert, die geoffenbanen Wahrheiten anzunebmen. Zum rechten Handeln gehört nicht nur die Neigung, den Willen des° Höchsten zu vollstrecken, sondern Selbstüberwindung, Bekämpfung der Gewohnheiten und Gelüste. Entsagungen allerlei Art zur Erfüllung der Pflichten gegen Gott und Menschen. Und soll daS Gute, i daS man gegen den Mitmenschen thut. nicht deshalb ge- - fchehen, um von demselben dafür ctwaS Gutes zu erhalten, s» muß die Wohlthat sich biS nach dem Tode erstrecken und ihn inS Grab begleiten. Allgemeine Zeitung des Judenthums. No. 42. 1858. LeitendeArtikel: Die Donaufürstenthnmer. — Die Angelegenheit in Bologna.. Zeitungsnachrichten: Deutschland: AuS Württemberg. Hannover. — Preußen: Berlin, Berlin. Danzig, Poln. Erone, > Trier, auS dem Großherzoathum Posen, Jarociu. — Oesterreichi- I scher Kaiserst aal: Wien, SikloS, Bolechow, von der Raab. —; Rußland: Odessa. JtS Za beziehen durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich */4 Thaler. Persttwortlicher Redacteur: K. Nabe. i Verla» vo» Ba»»»art»er?» V«chha»dl»-g i»?eip»ig. — Dr»S vo« Alex-vder Wied« in Leipzig.

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