Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 43 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Kolksblatt. Zur Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem Heöiete. Herausgegebe» von Rabiner Vr Ludwig Philippso« in Magdeburg. [9to. 43.1858 ] von »lerer -»illchktf» gang* I Zblr. Sutlt nnl g»Un>iq«rxö rbfctint »66**lltd) eine Stimmer. #ttt< »«* -atzr» rw e» a w« i .* ~t 2% **♦ «oftAmirr I5. Illsttt. 4 DLÜNll.] «O»orbtn»»r» nrbomt Vranumgen an. *- o ' B J Anwalt und Assessor. Dom Rscht-anwalt vr. Salm. Hl. C. 1 8 4 8. lForts«»»»g.) Einige Monate waren seit jenem denkwürdigen Abend de- Bäcker« saß Moritz verflossen. Im Garten.seine- Hau-wirthe-, meister- und BürgerwehrlieutenantS Obbarlumit einem jungen Manne auf einer Bank. Brüstung der Gartenmauer anlehnend von uralten Eiche überschattet wurde. Die Herbstsonne streift mit dem Gaume ihre- Phrpurmantelsärbt sie den untergehende die Gipfel der BLume und Dächer, blutroth fernen Wald, durch die Zweige glitzernd, tünicht mit Sold den sprudelnden Bach, noch ein letzter Blick! voll Liebe-« gluth auf die schöne Sotte-erde — und ft« war Ver« schniunden. Verschwunden? O nein, so bald schwindet keine Sonne, noch lauge bleibt, al- Erinnerung ihrer Wonne rosiger Glanz am Himönel. Üuß -Whanchl von diese» Abendrothe schweigt sinueMMie Ftze tur und wie ein geliebte- Kind ruht diese Ertz^r Brust de- HimmelS. der die goldenen Sterne «nfta'l, um dem Erdentraume zur Höhe der Gottheit' hinan! zu winken! „Urber all Dein Thun, Moritz, sei es yro i oder Nein^, begann wehmüthigen Toneder eine der leiden jungen Leute, „lege Du selbst nur den Himmel deriMenschheit!" damit die Erinnerung an den Heidelberger % bfchied-abend ««klingend. Denn kein Anderer saß neben Moritz, al- A lerander, der Gefährte vom „Heidelberger Philosophen «ege", der „Hvraz" au- Badeyweiler. . «lr hatte au mehrere Briefe keine Antwort von Moritz rhalten, und war nun zu ihm geeilt, ftoh einen Reconvüe-centen zu finden, wo feine Angst ihn dg- Schllmmst ahnen ließ. „Und Dein Thun, lieber Alexander, wo und wie zeigt esich?" «rwiederte fragen» der Anger« »ete. „Wo? Nirgenß-— Wie? Vertnderliih. Ich tauge nicht zum Advoeaten, der.Moloffu-sttzl Eures Klagen und Repliken paßt nicht zu den Jambe» »ud Trochäen, die in meinem Kosiß und Herzen bald rasende» Galopp. bald graziösen Walzer tanzen, HofgertchtSprästdbnt in Mannheim kann ich auch nicht werden, weil man gewaltiger Urahn und. Namen-vetter nicht mit Feder und schwarzer Tinte, sondern mit scharfem Griffel und rotbrr Tinte da- Bnnde-zeichen geschrieben hat. Zum Kaufmann bin ich zu wenig Metall, nicht Elle, Tuch. Regal! genug. Da lebe ich nun. wie ein Vogel, bald frei und singend, bald gefangen und stumm, meine Jungen manchmal eine Beute der kritischen Raubvögel, mein Nest voll Kukuk-eier der Recensenten. Ich bin gerade keine Lerche oder Phtlomele im deutschen Dichterhain Und ohne Erspeetanz auf dagroße Land „Unsterblichkeit", in deren chinesische Mauer jeder Dersifer jetzt Bresche schießen will, aber auch keine Krähe und! Eule und zufrieden, wenn ich audem blühenden Garten de- Tage-ruhmenicht mit flammendem Cherubschwerte gejagt werde. Und Du, jüdischer Themi-« die an der! priester, wie geht e- Dir, bist hier wohl der Löwe deeiner hohen! Tage-^— oder Löwenbeute?" setzte er lächelnd hinzu. Moritz erröthete. ..Die Abendluft streicht mir zu kühl^'. sagte er ausweichend. komm mit aus meine Stube." Sie gingen .beide audem Garten über den Hof. An der Hosthüre tanzte ihnen Baruch «ntqegy«. „Gratulire. Herr Moritz", rief er hüpfend, bald den Staub von seinen Stiefeln mit dem Taschenluche wischend, bald seine» Backenbart stwicholnd, „woiß Gott, ich gratuttre. Der Herr Justizamtmam» hat reben bet Löwenerzählt, Ihre und Herrn v. Braunschriftliche Arbeiten für daß zweite Examen sind für genügend befunden, die mündliche Prüfung ist Ihnen beiden erlassen, Sie ftoy men nach D. und Herr v. Braun in die Hauptstadt E. zurück. Gott sei Dank, daß ich die Neuigkeit zuerst anbringe. Ich bin aber auch außer Athem. Sie haben e» gar nicht um mich verdient, Sie wissen von damal-, ich thue e« nur al- Bekannter Ihreseligen Vater-. Sehen Sie, weiß Go«, ich bitte Sie, glaubest Sie emir, Meyerßeer ging zu «einer Rechten in grauem Daletot »Ln nd ich" „Nehmen Sie meinen freundlichste» Dank füp Ihre ftohe Botschaft, Herr Baruch", unterbrach Moritz den geschwätziges Postenträger. „Die neue GerichtS-rgani« satton hat gewaltig «nter den lllteu Beamten aufgeräumt", fuhr tt zum Freund gewendet fort, „darum der Mangel an Kräften tg dem -ändchen und daher diese außer« gewöhnliche Beförderung." „Belieben Sie eine Taffe Thee mit unz» nehmen, Herr Daruch?" „Bewahre, bewahre, --rar Sie nicht da- Poststgnal, ach «- verkündet zwei vetchaisen, große Frequenz, Meß« ftemde, vielleicht gar alte Freunde, ich »uß fort. Adieu, Gott bewahre, die Post hält schon!" Damit war er au» dem Hause geeilt. Die beiden Freunde gingen nach ob ev.