Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 41 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblätt. Belehrung und Unterhaltung auf jüdischem Achtete. HrrauSgegtbev von ^. Rabbiner Dl r£v\a-4 lOSO "> *0K ^'kser 3«U(d>rifl r lNo. 41.18S8/> ' *'»■ •?«■* nn» 3«itu rltrinr «SS-rnili» »nt* Urei« r,«.Z>4»r- , c j* . A kk . , ädrig 1*/, *«r. flU< Ü’udJbanMui^fii. Hl-üä-itcr I J) JUDM. 4. Wllllklllt I gtefrkdirioncn nrdmru ^«üruungrn a«.. i t, v " i» Zur Ludwig Philippsou in Magdedutst. Anwalt und Assess Vom Rechtsanwalt Dr. Ealm. III. V 1 8 4 8. iFortsetzuug.) or. Ha i ES lag fast Äbore. Recht Slreppe, den rn aller drei Eingänge er Seite des Rachen in mpf mit 'den dnn In einem Haufe sah man noch Licht, an dem der Wachtstube entgegengesetzten stattlich nahm eS sich aus mit der breiten grünen durchbrochenen Läden vor den Fcnst -Etagen, mit dem steinernen Wappen über und den zwei kurzen Rinnen. die von jet DackeS ihre Drachenköpfe mit aufgesperrte i die Luft streckten, als lechzten fie nach K> feindlichen Elementen des HauseS. Treten wir in das letztere herein und ös zur rechten Hand. Daß wir zu Juden kl unS die Mefufah. Und in der Thal wohnte hier der D mit feiner einzigen noch nnverheiratheten Magd, einem Bedienten und mitJoelchen, lahmen Männchen, einem Familieninventa i im Löwe'fchen Haufe das Gnadenbrot aß, da und Tauben fütterte und dessen Thätigkeit HauseS sich auf Complettirung dcS-Minjan Fällen beschränkte. Löwe sah Papiere durch, von Zeit streichend und schreibend. Die Tochter saß ihm gegenüber, mit schäftigt. Joel lag in einem Lehnstuhl in ZimmerS und schlief. ,,DaS wird morgen eine heiße Gemeinde i begann Löwe, indem er aufstaiib und ein l verschränkten Armen in der Stube auf- und Er war ein angehender SechSziger. m aber von gedrungenem Körperbau. Die 3 hohen und breiten Stirn, von einer Baj herrührend, erhöhte den Eindruck des Energ lichen, welchen die ganze Erscheinung des dunkelglühende Auge unter starken Braue i geschnittene Lippe unter der edelgebogenen Nur spärliche, aber nicht gebleichte Haare ein Kranz daS kahle Haupt, sie. begränzten den wüsten Schädel. „Ja, eine heiße, stürmische Sitzung, ich sehe und höre schon ihre Mienen und Reden. Und da >n giebtS Venen die Thür mmen, zeigt rsteher Löwe Tochter, einer einem alten, ienstück. daS ür die Katzen , ußerhalb deS t l eintretenden i Zeit darin f iletarbeit beder Ecke deS tzung gebend, ge Male mit abging, t :tlrrec Größe, Narbe auf der »netstichwunde fchen, Mann« ManneS. daS die scharf» 9 ase hervorrtef. umgaben wie wie ein Zaun schwerden und Klagen^ stille und laute FlüchH^-— aber , durch, Löwe, ohne Zagen!*' Die Tochter war l aufmerksam geworden, ste hatte manches Wort dieser.^elbftanrede gehört und frug nun: „WaS wird es dcnst sein, lieber Vater,. waS soll morgen Vorgehen?" \ ‘ ■ „NichtS. Kind, eine Bagatelle. Dein Vater' wiff der Gemeinde darthün, baßj der Rabbiner mir feinem spärlichen Gehalt nicht auSkoaroien kann. d-rß bei Ersparnissen in andern Zweigen, der Gemeindehanshaltnng ohne' neue Anziehung der Stenokräfte eine, jährliche Zulage ' von 50 Thlr. für . den wacker» Prediger leicht zu ermöglichen ist/' — — ,.O, lieber Vater, wenn's weiter NichtS ist, daS wird keinen Kampf kosten., Giebst Du ihnen von der »inen Seite, so kannst Du von der andern auch nehmen, nur neue Steuern macken sie wild." „Nicht doch, liebe Mathilde", erwiderte der Alte, „eben die Ersparnisse werden fte nicht wollen, Diese werden sie als Abzüge von. der Summe ihrer frommen Werke betrachten, gegen diese. Subtraktionen von ihren religiösen Verschwendungen, gegen diese Schwächung jhreS Accre« ditivS bei «nserm Herrgott, werden sie eifern und geifern. „Da steht z. B. sauf meiner Proscriptionsliste eine jährliche Ausgabe von 15- Thlr. für den Sohn veS verstorbenen GemeinvedienerS, einen Tagedieb und Faulenzer, für „Aufxassen beim-Barcheßbackcn." O, er paßt Herr» lich auf, wenn er mit, den Bäckergesellen ..Fahne" spielt oder mit hübschen Köchinnen liebkost. Ein Trumpf ist dem Burschen lieber ^ls unser ganzes Seelenheil. „Dergleichen Sinttüren für Taugenichtse machen uns nur verächtlich iri den! Augen braver Leute. .,Da hast Du ferner 5 Thlr. für eine Frau, die beim Mahlen deS OstermehleS die Aufsicht hat. „DaS alte Weib,! halb blind und taub, dient nur zum Gespött der-M^hlburschen, überhaupt können nur große Gemeinden in ' olchen Ausgaben LuruS treiben.— Aber, horch! ich will doch einmal Nachsehen, waS das laute Treiben auf dec Straße zu bedeuten hat, ob die Dürgerwehz: etwa vor AmSleben zurnckkehrt?" Löwe hakte den Laden los, öffnete ihn halb und wollte eben den KopI cherauSstrcken, a^S ein Stein, heftig geworfen, an das Fe isterkreuz prallte, daß die Scheiben klirrten und.Löwe rasch zurückspringend den Laden, eiligst schloß. In demselben Augenblicke regnete und hagelte es von allen Seiten zegen die verschlossenen Läden Sand und Steine, als isär: vaS ganze Straßenpflaster auS den f