Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 40 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 159 (sequence 3)
- Language
- German
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15» VS trommelte stärker. „Hört Ihr. entfernte Commilitonen. daS h heraus, die Philister über ißt: Bursche Die Bürgerwebr war wirklich auS der Gadt geschlendert. biS auf die vierte Compagnie, welche der auS dem Reffourcenstreit unS bekannte Tuchfabrikant «efebligte. Die AuSzügler wollten in AmSIeben mit den benachbarten Zlgensteinern berathen, welche Farbi N die neuen Fahnen wagen sollten, ob nämlich die LardeSfarbe im Wappen und Sckwarzrothqolb in der Umgebung oder umgekedrr, und ob der Bär im Wappen vo i der linken oder von der rechten Seite die Zinnen derj Stadtmauer dinaufsteigen solle. Die zurückgelaffene Garnison sollte für Ne Ruhe der Stahl inzwischen sorgen. Vorläufig sorgte le für Kehle und Magen. * DaS tobte und lärmte im städtischen Wachtlocal. Drei Mal batte der brüllende Haufe den Herrn Luch fabricirenden Hauptmann schon leben laffer und jede» Mal mußte er diese LebenSzulage mit einem Zäßcken Bier berichtigen, und trotzdem standen noch ähnliche Lebens- Versicherungsprämien für den Gefeierten n drohender Aussicht. Immer lauter schlugen die ..Trümpfe" aif den Tisch, immer dichter zog sich der Nebel deS Taback qualmezusammen, immer heißer und ängstlicher drückte die Athmosphäre. Niemand kümmerte sich darum, f rei vor dem Gesetze, keine Polizeistunde, keine Strafe fi r nächtlichen Lärm, keine Sorge um den Schlaf deS Jus izamtmanneS und des GenSv'armenwachtmeisterS, kein Ge ranke an die Weihe debevorstehenden SonntagSmorgenS, ivaS kümmert uns der Pastor, keine Angst vor dem Schel ea der Frau im Bewußtsein erfüllter Dienstpflicht, seit I< hrhunderten. seit Beginn der Welt war Vas in C. nid t erhört, eS lebe die Freiheit — mit Skat und Merino, nit Bier und Brok, Wurst und säuern Gurken! Lasiwr wir die Bürgerwehr bei ihren Pflichten und Vergnügungen. Im ..grünen Baum" donnert «in Kupfe schmied eine Pbilippica. gegen daS Attentat eine- Schneider-, die Landesfarben gänzlich bei der anzufertigenden Fahne Angesichts deS einigen Deutschlandwegzuläffen. Noch stehe daengere Vaterland — NB. keine 20 L uadratmeilen groß — achtunggebietend in Deutschland la und dürfe nicht despectirt werden." Allebrüllte Bra o. Heinrich und einige Genoffen ergingen si h inzwischen im Garten de- Gasthauses. Auch dawüstr Treiben in der Wacktstube har für unS weiter kein Int reffe. Go lärmend eS hier, so still war «S 1»nst auf den Straßen der Stadt. Die Lichter waren überall erloschen, stand doch der Nachtwächter schon im Degrij e die zehnte Stunde anzujeigen. Die Strahlen de- Mo tde» spielten auf den Giebeln der Dächer und in den st» steten tftfcet’ scheiben de- Rathhause» so mild und ruhig, und die Sterne funkelten so hell und lieblich herab vi n der blauen Wölbung de- Himmelstempels, als wolltet sie sagen: „Bei unallein in der Höhe ist Wahrheit t nd Klarheit, . Liebe und Friede. Kein KriegSlärm unter stört unsere \ Sphärenharmonie. der Schwall der Worte i on Hundert« j tausenden dringt nickt «ff- Hauch zu unS herauf? Seht unsere Reigen, den Gang von Millionen, keiner von un» führt an und jeder folgt willig, ewig dieselbe Bahn. - ohne Straucheln, ohne Unterbrechung. Doch der Schlaf umfängt deine Augen. Mensch, da- Grab auf der Erde — da- Hau- — entzieht un» Euren Blicken. Aber in den Millionen Wogen dr» Weltmeereglänzt unser reine» Bild und in den Gipfeln der Riesengletscher spiegelt sich unsere Ewigkeit. Seht, überall in der Natur Frieden. Liebe ihre7 ]_ Priesterin. Was streitet und kämpft der Erdensvtzn?^ Der Welterstürmer wird Grabbewohner, de» Streite» Ende ist neuer Zwietracht Saat, de^r Forschung Ziel wird Anfang neuen Räthsel». | Friede, Mensch -rso rufen wir Monde-ftrahlen al» Boten der Gottheit. Liebe. Erdmfohn — wir Sterne leuchten sie herab au» unseren HimmelSaugen.- Jo«hadm. Der Kaiser Antooinu»! zzi Rabbi ^uda sprach: „Ihr Söbne der Verttiebven. ihr glaubt an <inen Tag.' An dem ihr — wie die Heerde z.eht.vckr dem Hirten hin — Einst vor Iehovah ttete^ —Den nennt ihr: ,,Jom-haVin." ..Da «eckt de» Schofar» Stimnee euch au» deS Grobe» Ruh Und donnert euch die Mahnung de» strengen Richter» zu, — Der Rechenschaft verlanget. daS Gute mild belohnt — Doch von dem Erdenwaudel nicht eine Thal verschont. „Und wenn sie untersuchet, geprüft auch ward genug. Dann erst von seinem Trotte ertönt der Richtersproch. Sag' an. Juda Hakadofch, — wie richtet Elohim, Da von den beiden Zeugen der ein' entschlüpfet ihm? ..Ihr glaubt, daß au» zwei Theilen der Erdenfohn besteht. Daß Leib und Seele bilden de» Staube» Majestät! — Und wenn da- Band zerrissen, zur Auflösung nun strebt. Der Leib zur Erde kehrst, die Seele ewig lebt: — „Und wenn vor seinem Throne der Leib wird angeklagt. Der wird fich leicht vertheid'gen: „O, meinen Geist befragt!" Wirst Du die Seele fordern vor seinen Richierstubl. Sie spricht:. „Ach, den Genoffen bedeckt der Erde Pfuhl!" „Der Leib ist ohne Seele im Tode eingelullt — Und dennoch soll der Richter erkennen Fehl und Schuld? — Entscheideselbst, o Rabbi! Wenn hier und dort bleibt Nicht»,— Wa» wollt ihr mit dem Tage de» furchtbaren Gericht»?'" ,.O Kaiser AntoninuS!" — der Rabbi drauf versetzt — „Wie hast Du doch die Wahrheit mit leichtem Sinn verletzt.^ Eh' Du de» Glauben» Eatzung legst zweifelnd in den Bann, Vernimm erst meine Worte. — Gerecht entscheide dann. - „In einem Parke hatte ein Fürst sich aufbewahrt Von süßen Baumgewächsen die Früchte edler Art. Und um sie zu genießen beim Mahl zur rechten Zeit, So möcht' er sie behüten mit Treu und Wachsamkeit.