Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 40 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 158 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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158 . Nein, mir gehört daerste Wo«"< ries Cobn und schlug auf die Barriere. v. Braun gebot ernstlich Ruhe und anständige- Benehmen. ..Zch^bin hier nicht Junker, softdern Auscultator, tragen Tie Ihr Anbringen ruhig vor. Sie zuerst. Herr (Sotm!" .,Sebr gut/ sehr gut", ernriederte dieser, ..man stebt dock gleich, was ein kluger Mann ist. Haben Sie mich dock als den ersten berau-erkannr. der bin ick auch. Waich will? Denken Sie fick, unser Rabbiner bar sich neulich vor m inauftufen lassen. Vor mir, der ich audem Geschleckte Adaron bin. Und als ick den Borsteher Löwe darüber zur Reve stellte, bat er geantwortet: Der Gelebrke gebt dem Hohenpriester vor. wenn dieser ein Am Hoorez ist. Denken Sie stck. aufgerusen vor mir aus dem Geschleckte Abaron, gegen unser alte- Vorrecht." ..Wabedeutet da- Alles", sagte Braut; „und was «oll ich tbun? Zeigen Eie mir Jbr AdelSbiplom." „Dem Rabbiner es für die Zukunft untersagen und den Lewe wegen Beleidigung bestrafen'', antwortete Cobn. ..Wie beißt bestrafen?" rief Levi, „absetzen, fortjagen! Hören Sie. bören Eie. Herr junger Richter, mich bat er so bock besteuert, wie seinen Schwager, was ein eigenes Haus bat und zweimal glücklich abgebrannt ist. Solche Parteilichkeit!" „Daginge Alles noch an. Herr Richtergebülfe". zischelte nun werter Goldftein dazwischen. ..dasind Privatsachen. Wentn'aber etn Rabbiner und ein Vorsteber — denken Sie am Lage vor RosckrHasckanah gehen sie nickt einmal, in die Mikwab — die Gitter vom Krauenchor wegnehmen lassen, kann ist unsere beilige Religion in Gefahr, dann muß die Behörde einschrxiteli. Seit zwei Sonnabenden können wir die Frauen ia der lieben Sckul sebn. Kovt und Hals und Taille und Umscklagetuck. was Sie wollen.' Herr Richter." v. Braun tbat der Kopf web von allem Schreien und Toben und dabei batte er da- Wenigste begriffen. Wie war da berauszukommen? Moritz allein hätte ibm dte stürmischen Gesuche verdolmetschen können. Er bedauerte eS, daß sein Freund mit dem Amtmann verreist war. . Zuletzt balf ibm folgende List. ..Ich kantN nur ein Anbringen beute aumebmen". redete er die drei Glauben-genossen am. deren einer den anderen immer von der Barriere zu drängen suchte. ..und zwar VaS Wichtigste. Einigen Sie sich darüber, meine Herren, wem ick den Vorzug geben soll?" ..Mir", riefen die Drei wie au- Einer Kehle. Dann faben ne sich grimmig an und schrieen:: Cobn. „In der ganzen Welt, w» e- Juden giebl. kommt Nicktüber den Cohen. Wir sind die religiöse Avantgarde, die Tete beim Esten. Trinken und Benschen." Levi. ..Ja, darum reißt Ihr auch den Mund immer am weitesten aut. Bei mir ist es kein eitler Etiquelten. streit, Herr Gericht-verweser. fondem die Geldfrage, da- Mein und Dein, die Abgabenlast, die große Familie." Goldftein. ..Ihr denket Beiy« nur an Euch, ich aber will bxn ReligionSbaum unserer Väter vor schödlt- 4ltn Raupen bewahren." Und immer 'lauter überschrieen sie sich. Datobte und gesticulirte, schimpfte und stampfte, bivon Braun, nachdem er vergebenzur Ruhe ermahnt hatte, klingelte und alle drei durch Fischer gewaltsam audem Gerichts« zimmer werfen ließ. Aber Corridor und Treppe, Hausstur und Straße börien noch den erbitterten Kampf mir dem ganzen Pele« ronfeuer bebräisch-dturscher Schimpfwörter und dem schweren Geschütze traditioneller Flüche. „Auch dawäre überstanden'', sagte Braun, „nun bin ick doch endlich ftei. Dawaren drei auserlesene trecke Gesellen. Ja. auserlesene, Freund Moritz", sagte er lackend zu stck. DieS wär Dein Volk, diewäre au-erlefen, DeS Glaubens Träger durch die Welt zu sein? O schütz es Herr vor innerstem Verwesen, Laß eS ein Volk, wie andre Völker sein!" Damit nahm er einige Zündhölzer von einem Schrank, auf welchem constscirte Schußwaffen, ungeaichle Gewichte, censurwitrige Bucker und sonstige Corpora delicti lagen, zündete sich eine Cigarre an, setzte den Hut auf und war im Nu an der Tbür — als diese eben aufging und Herr Krause eintrak. Die Mütze in der einen, die Pike in der anderen Hand, ging er gravitätisch drei Schritte vor, stieß als Gruß die Pike hart auf den Boden und redete Braun so an: ..Zu vermelden. Herr Lieutenant, die Bürgerwebr versammelt sich heute Abend um 7 Uhr auf dem Marktplätze. die vierte Compagnie bat Stadtdienst. die erste, zweite und dritte ziehen mit Hirschfänger. Gewehr und Federstutz nach Am-leben in den grünen Baum. Patronen» l rasche nickt zu vergessen, lassen der Herr Hauptmann sagen!" — „Mein Gott. waS giebt eS". rief Braun mit fingirter Angst. „Stürzt Rbodus unter Feuerflammen?" , „Weiß nicht, Herr Lieutenant. Der Herr Rotten- führer ObbariuS läßt Sie aber bitten, seinen Zug mir nt übernehmen. Der Herr Kevcrschreiber Kühlfaß bar morgen Kinbtaufe und da müffe der Herr Lieutenant die ganze Nackt backen. Adieu!" Und damit brebte sich Herr Krause auf einem Absätze istrum und ging, kam aber gleich wieder. „Die Parole heißt: ..Gleichheit und Muth", Herr Lieutenant, nickt zu vergessen!" Er ging. „Du irrst, armer Tropf: Feigheit, kein Blut ist die Lotung", rief von Braun lachend nach. „Euer Mutb steigt nur bis zur Decke des Saale-, an der die j Phrasen Eurer Cboragen verballen. Eure Gleichheit ist; daseichte Fahrwasser zunftmäßiger Faulheit und privi» legirter Gedankenlosigkeit. Baierlan» ist Euch der Com» pler der heiß ersehnten Kartoffelkabeln und Freiheit nicht die HimmelStochter mit dem Köcher der TodeSpfeile und dem Kranze unsterblichen Ruhm-, sondern die Marketenderin mit Speise und Trank für Euren Magen." Etrommelte auf der Straße. „Mack dich fertig, bemooste- Havpt, einst Senior im Kreise unbezähmter Jugendkraft, jetzt wohlbestallter Lieu« tenant der dritten Sektion in der ersten Compagnie der Kuhschnappeler Bürgenvehr. Vergiß die erquickende Reise nach he« Wolf-brunnen und tritt den stanbigen Marsch mit Schafheerden an."