Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 39 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt 3« J5ele(jrung uni) Unter Haftung auf jüdischem Heüiele. I Herautgcgeb«» von | Rabbiner Dr. S ufcwifl Philippsoa in Magdeburg.! [9to. 39.1858.] Sen dieser 3«tt(Ailft «rfA fiat ■A&etttli* eil» N*««er. #t«i> des Jabt* ganj# 4 tblr. Blerirljtb i_ ob# gettuBgli xredltioBkn iat »bientli* ei*« «aamer. #t«vb be# Jabt* i r C Om» ..i , -> t« T/» *»r. «De rud>ban»Itt*atn, «olUatR IQ jHQfl Q. ffiDÄniL I rrebii'«men nehmen »»Keüu**»o bb. - L C' “ » Zum Reuen Jahre. An dem Feste, an welchem unsere Lippen t on Glück» wünschen für die Unseren und unsere Freunde überfließen, ist wohl folgende Betrachtung an ihrem Platze Glück?! Bei Nennung diese- Worte», wie siebst du vor mir. Gewühl der jagenden Menschen, G wühl der drängenden, eilenden, keuchenden Menschen. Gtwühl der dürstenden, lechzenden, seufzenden Menschen. Zch sehe all' die ausgeftreckren Arme, all' die angespannte i Sehnen, all' die klopfenden Herzen. Ich sehe all' die lngstlichen Blicke, all' die beschwerten Geister. Ach. nocb mehr, ich sehe all' die gefallenen Menschen^ die um dl S Glücke» willen gefallen sind, all' die, so ihre» Leben» ll enuß und ihrer Seelen Heil geopfert um des mißverstanden q Glücke» willen! Warum ist es eine so alte Wahrheit, und wird doch nicht berücksichtigt: daß da» Glück nicht von auj en kommt, sondern von innen, baß ave Schätze der Erde i ichr glück» lich machen, sondern nur die Schätze de» Herzen», baß nich^ die Vorsehung, nicht der Erwerb, sonder lediglich wir selbst Schöpfer unsere» Glücke» sind. Ach. so gütig war der Herr, so frei wollte er den Mensch kn haben, vaß er ihn unabhängig machen wollte in seinen Glücke von sich — Gott — selbst! Meinst Du, da» ist zu viel, zu stark gesagt? Ich Hab' e» erfahren. Da» Herz de» Menschen ist eine unerschöpfliche Quelle de» G lücke», die selbst im' dunkelsten Schattenthale sprudelt. Jtr n Geschick ist so herbe, daß nicht da» Herz e» mir den »rilbersäden der Beruhigung zu durchwirken vermöchte, daß nicht Em» pfindungen der Bfsriedigüng darau» entspring n könnten — und wäre e» nur da» Gefühl, Gott gegenüber die empfangenen Wohlthaien durch harte Prüfungei in Etwa» bezahlt zu haben. Wonach sie jagen, e» ist nicht»; um da» sie sich mühen, e» gilt Nicht»; ach! und wa» allein sie zu br» selige« vermöchte, sie haben es so nahe, sie hi ben e» in sich — und benutzen e» nicht. Wa» die Schri t von der Lehre sagt, wir können e» anweaden auf da» (@» ist nicht im Himmel, daß Du sagest: wer steifet hinaus, und holet e» un», daß wir e» haben. E» ist seit de» Meere», daß Du sagest: wer fäh und holet e» un». lu»ß wir e» haben. So nahe hast Du e». in Deinem Herzen; da öffn» da laß den schaffenden Lichtstrahl bineinfalleu, Dunkel wird helle. Ich habe da überall nicht Neue» zu saglra. ' Wer aber die Menschen liebt, der kann e» ihnen nicht oft genug sagen, nicht oft genug ihnen zurufen in ihre Kämpfe, in ihre Müden, in ihre Leiben hinein. Willst Du wissen, wa» Glück bereitet? ES ist die Liebe und die Mäßigkeit. Diese Beiden in.ihrer Vereinigung; nicht eine, allein, sondern verbunden. Denn wo diese Beiden zusammen wohne», da ist auch Gott«»ftircht und Tugend, da ist auch Frieden — und wa» mangelte dann noch? * 1 Ze mehr Schätze D» hast, desto mehr willst Du; je mehr Ehren Du erwirbst, nach dtzsto mehr dürstest Du; e» giebt keinen sinnlichen Genuß, der nicht Wiederholung und Steigerung -verlangte-. Und darum machen sie nicht glücklich. Erst wenn Liebe und Mäßigkeit Dich erfüllen, bist Du befriedigt, bist Du stark, und darum glücklich. Noch hat e» keinen gegeben, der wahrhafter Liebe fähig und voll wäre, und ben Gegenstand nicht gefundoyz> noch war Niemand mäßig i»j seiner tzvdenmff «nd Vefnedi» gung. und e» fehlte ibül. wo» er bedurfte. So aber sieht der Mensch stet» na« dem, wa» er nicht hat, und wie könnt' er dann genug haben? und seine Seele wechselt in ibren Gefühlen, und freut sich de» Haffe», de» Neides der Schadenfreude und aller Bitterkeiten, undwie könnt' er dann glüijllich^etn? Die Biene vermag auch au» den Giftpflauttn Honig zu ziehen, aber der Mensch Wandels die duftigsten, geschmüchresien Dlütben in Schierling. Da ruft er Ibann den Gott über ben Wolken an: warum giebst Du nicht? — da er doch langst ge» l geben hat, aber Du weißt e» nur nicht, Deine Augen sind blöde für da» Rechft. Wie sollte e» auch ander» sein? Wäre da» wahre Glück an die goldenen I Stufen de» Throne», an da» j Schwert de» Sieger», ^n die Schätze de» Reichen, an j da» Wissen de» Gelehrten gebunden — wie ungerecht! wie wäre der Kamps noch mehr nach all' dem in der Menschenwelt angefach». daß Einer den Andern verschlänge! So aber bestehet da» Glück in dem. wa» jedem Menschen gegeben, wa» jedwn zvertheilt ist. ein'Zeder ist 'Hessen befLbigt — wer darf sich nun beklagen? So »un i unter dem Strohdache da» Glück wohnen kann, wie unter! den goldenen Ainnen der Paläste; warum erwirbst Du! e» Dir nicht? O Du Schwacher! Du weißt es, und , dennoch schaffst Du e» DK nicht; streckst die Hand au» I nach Unerreichbarem, mitte* in der Ueberzeugung. wen« Du e» erreicht hättest, wsir' e» ganz noch so. — | Aber lasset e» un» doch beherzigen. Wenn wir damit auch nicht unser ganze» Leben umgestalten. wen« wir