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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 37 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
37 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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J Jüdisches Bolksvlalt. Belehrung unk) Ant irhattung aus jüdischem Gebiete. HerauSgegebra von Rabbiner Dil Ludwig Philippsou in Magdeburg. .-iur l sRo. 37.1858 ] Äv» tiefer 3'tsfdmh 1 Ibir. SttrtAj und d'iiu i nehmt abörat(id) »int Summte. *rtt# bs Safer* i-w A — Ijibrirt?'/, **r. «Dt •‘uAbanblBB^tn, Hetlaitr IQ jfllirrt JJ unttflrffll I , ia*»jPtPiiiPH»n ntbmtn «rltOuuftta an. L <rwV*D» ^**«*w*»»»*. j / Anwalt und Assess vom Rechtsanwalt Dr. Ealm. H. B >>r l i n 1847. «Forisetzunfti o r. \ Ein Landjude, der mir großer Familie und kleinem Beutel nach Berlin gekommen und .mit d nt Erulirten weitläufig verwandt war, überwand die Scheu vor der Ocde deö großen HauseS und zog endlich clS Licewirth gegen eine jährliche Vergutigung ein, di ihm beide Frauen um so lieber gewahrten, als sie dadurch jeder Mühe der eigenen Controle und jeder Beziehung;u den Nachbarn und zum Magistratsenthoben wurden. Dieser Dicewirth war Niemand anders, all der Lehrer auS Westphalen. den die rege Theilnahme deS Parneß für das Genuö der Stantmmutter Sarah aut dem Tempel und von feiner Stelle gejagt harte. De, Mann war damals nach seiner Vaterstadt zurückgekchri und suchte sich sein Brot als Unrercollecteur zu verdi nen. Seine Familie wuchs zwar, aber nicht in gleichen Maße das Vermögen. Er siedelte deshalb nach Berlin über, tjcc Hülfe des reichen Verwandten vertrauend. Just zeitig genug kam er an. um zu Erfahren, daß dieser als Wechselschuldner daS Fersengeld gegeben, und \ >ie Trennung habe. Aber daS erschütterte daS Gotzpertrauen deS Braven nicht. daß die Frau wegen böslicher Vcrlaffung deS ehelichen Bandes gerichtlich beantragt Wohlerzogene Kinder, ein biederes Weib, sic hielten ihn mit aufrecht. Er wurde Pfuschmakler. Das war ein, cS so an einem Nachmittage einige 1 statt gesetzt hatte. Die alte Kuchenfrau am neuen Musei eigene Kraft. Lust, wenn */2 pro Mille nt mußte eS zuerst merken, denn der Glückliche kaufte baftn daS Dop pelle der Portion, die er täglich Frau und Kindern zum Kaffee von der Börse milbrachte. Wie stolz er durch die Straßen ging, als habe er Courtage ä la Kirchheim u. Benda verdient! Sein Weib half ihm im Schreiben der Differenznoten u, d nun gingan ein Rennen von dieser Straße nach jew r, auS einem Stadttheile in den anderen, von MagnuS zu Hirschfeld, von Meyer zu JacqueS. Fielen so glücklich BörsencoupS aber am Freitag vor, dann dachte der l rchafan nicht mehr an die alte Frau. Schnurstracks ging er von der Börse seines WegeS und hielt nicht eher a t, als bis er dem wohlgenährten und freundlichen Antlitze dedeutschlandSkundigen BarcheSfabrikanten Lebweß gegenüberstant. DaS größte, glänzendste Eremplar. dessen er habhaft werden konnte, führte j;i Sann selbst al^ Trophäe heim.. Wie bell erglänzten deS Abends die Lichter, wie leuchteten die Augen deS HauSherru.und der Frau, wie glühten die rorhen Wüngen der Kinder. Ja. „die Frau ein traubenreicher Steck an seines HauseS Seite,.hie Kinder wie Oelbaumsproffenum den Tisch herum." Und so voll und. hell, so polizeiwidrig laut klangen die Töne der Semiroth. daß eein Glück für die Sänger war, daß das ^ühlwctter'sche Institut der Schutzmannschafr damals noch nicht geboren war. Was sind Dutzende von Föten der reichen Berliner Juden mit ihrer Fülle an Herzensleere — die Langeweile . im Gefolgeder Blasirtheit' und deS Geldstolzes schreitet da durch alle Säle und sitzt an jedem Tisch — gegendie Wonne eines solchen Freitagabends, der jeder Seele auf -24 Stunden noch eine neue Seele zur Gefährtin schenkt? — Der dieser glücklichen Familie wohnte Moritz, mir ihm sein Freund, der Philologe Herrmann .... hissen er ln' der Erzählung bei dhn Heidelberger Commilitonen gedacht hatte. Sin Zimmer ntbst einer Kammer, beide bescheiden meublirt, genügten beiden Freunden, denen cs Haupt, sächlich daran lag, dem braven Licewirth durch MiethS- und Kostgeld auf delicate Weise eine Unterstützung zum theuern Unterhalte4einer zahlreichen' Familie in der großen Stadt zu gewährend '' - ES war am Morgen nach der vorbeschriebeuen Soiree. Moritz schlief noch, Herrmann stand schon am Pulte und arbeitete. Was ihn damals beschäftigte. daS Studium deS Sanskrit, vergleichende Grammatik, diese Snwien sind ihm noch beute, da sein Name schon einen gewichtigen Klang bei allen Orientalisten hat, Ersatz für Frau und Kind, Theater und Bälle,'Spiele. Reisen und alle sonstigen Vergnügungen der. Erde. Nur ein gebrechliche- Wesen tvar im Stande, ihn auf ^Augenblicke allein zu fesseln oder die Wonne deS GotreS Krischna mit ihm zu theilen. DaS war seine Pfeife. Er kalt, ruhig; sie warm, nur auf Augenblicke stumm, sind sie beide ein Dündniß tingegangen, daS bis zu dieser Stunde noch kein Unstern trübte. ES klopfte, der> Briefträger trat herein und brachte einen Brief für Moritz. Herrmann bezahlte daS Porto, besah den Poststempä, näherte sich dem Bette deS /

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