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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 35 (1858) · p. Seite 140

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
35 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 140 (sequence 4)
Language
German
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140 verabreichte. Nach ieentzglem Mahle sprach er zu seiner Frau: ..Ich errathe, we-halb die Gelehrten zu mir kommen. der Regenmangel füllt mein HauS mit diesen Gasten. Komm, gebe mit mir nach dem obersten Zimmer, kort wollen wir vereint unser Gemüth mit Vertrauen auf die gütige Vorsebung deS Unendlichen füllen und unsere leisen Seufzer zu "dem Urquell alles Guten und Vollkommenen, vereint richten^ damit, wenn sich da- Gebet einer Erhörung erfreut, ich diese Gnade nicht mir allein zuzuschreiben habe. Sie stiegen in das Zimmer, er nahm eine Winkelstelle, sie eine andere ein. und wendeten sich zu Gott mit einem auder innersten Tiefe eineandachtsvollen Herzenquellenden Gebet. Man bemerkte Regenwolken im Anzuge von .der Seite, tvo die Frau betend stand. Nach beendigter Andacht gingen die Frommen herunter zur freundlichen Unterhaltung ver Gäste. „We-halb", begann der Besuchte. ..habe ich die Ebre Eure-Kommens zu mir?" „Dir sind von dem Gelehrren-Collegium beordert', erwiederten die Besucher, „den Herrn von der durch ausbleibenden Regen bedrohlichen Lage unserer Gegend zu benachrichtigen, um fromme Fürsprache an den ErbarmungSvollen zu richten." ..Gelobt sei fift Allbarmherzige. daß er die Ankunft des Regens nicht auf daS Gebet deS rrpor; ttast ankommea ließ." ..Tie Zögerung dauerte zu lange und wir dürfen vcrmutben. daß der jetzt fallende Regen nur auS Rücksicht gegen die ftommett Ergießungen deS uns fteundlich. ausnehmenden Herrn unser Land erquickt. Dem sei aber wie ihm wolle, verweilen wir hier nur deswegen, daß Du viele» Auffällige in Deinem Betragen unS erklärst." „Ich stehe zu Diensten, was gilt S zu rechtfertigen?" „Als wir Dich bei unserer Ankunft grüßten. weShalb gewährtest Du un» keine Beachtung?" ..Ich war als Tagelöhner beschäftigt und befürchtete die Erwiederung deS Gruße» würde Störung durch Unterhaltung herbeiführen." „Weshalb legtest Du nicht den Mantxl zur Erleichterung de» Holzstoßes auf eine und dieselbe Schulter?" „Der Mantel war geborgt; man lieh ihn mir nur, mich darin zu kleiden, und es wurde mich schlecht kleiden, wenn ich Güte mißbrauche. Die Last, dachte ick, würde den Stoff schadhaft abreiben und diese- Abreiben mir Reibungen verursachen." „Weshalb gingest Du nicht auch durch das Wasser barfuß?" „Den Boden, worauf ich t^ete. kann ich sehen, sann aber nicht wissen, womit im Wasser meine Füße in Berührung kommen." „In der. Nähe von Dornen und.Disteln, hebest Du die Kleidung auf. weshalb?" „Leichte wunde Streifen am Körper können leicht geheilt werden, Riffe in den Kleidern sind unverbesserlich." „Warum kam Deine Frau iw einem schmuckvollen Anzuge Dir entgegen?" „Damit ich mich ihrer Gestalt mit Liebe nähere." „Warum ging Deine Frau zuerst ins HauS, dann Du. dann gestattetest Du uns Zutritt?" „Weil ich Euch nicht genau kenne, und nicht weiß, wenn Ihr meiner Frau folgt, ob nicht ein übler Verdacht entstehen könne." „Warum fordertest Du bei Tische nicht unS zum Miteffen auf?" „Da» Mahl langte nicht, meine Einladung hätte ich nicht erfüllen können und mochte es nicht, daß mir die Herren Gelehrten für eine Täuschung Dank wissen." „Warum gabst Du beim Mahle dem jüngeren Knaben mehr als dem alteren?" „Der altere ist zu Hause, der jüngere besucht die Schule und muß auf da» Mahl lange warten.^ „Warum regte sich der Regen früher von der Seite, wo Deine Frau den Standpunkt zum Beten eingenommen?" „Zwischen den Betenden ^und den Allerheiligsten drängen sich begangene Fehler, Uebereilungen. a!S Ankläger oder gelöste Pflichten und geübte Gefälligkeiten als Fürsprecher. Meine Frau steht der Wirthschaft vor und hat al» Verwalterin" de» Hause» mehr Gelegenheit durch Verabreichung von Speise und Trank den Armen wohlthätig entgegen zu kommen. Auch kann ich ihr ein bessere» Zeugniß darin geben, daß ich einst, über böse Leute in meiner Nachbarschaft aufgebracht, mich vom Zorn übermannen ließ und Flüche und Verwünschungen gegen sie auSgeftoßen, während meine Frau., vom Zartgefühl geleitet, sich im Gebet zu Dem ergoß, der die Gewalt über die Gemüther hat, und für die Sinnesänderung der Böfewichter betete, und diese betraten wirklich eine bessere Bahn." Vor einem grauen Haupte sollst Du aufstehen, 3. B. M. 19, 32. Hierunter verstehe ich, sagt rmtr p -tz'« jeden Greis, welchem Volke, welchem Dekenntniß er auch angehört. Diese Meinung, sagt prrr "i, hat gesetzliche Kraft. Letzterer bewährte seine Lehre und stand vor nichtjüdifchen Greifen mit dem Rufe auf:. Welche vielfache Widerwärtigkeiten, welche gute und böse Ereignisse, welche Erschütterungen haben diese überstanden! WaS für einen Grund müssen sie haben, wo da» Leben so tiefe und dauernde Wurzel gefaßt! Grund genug zur Ehre! —SK bemühete sich Altersschwachen ohne Ausnahme seinen Arm zu reichen, daß sie sich darauf stützten. Die Ehre, die ich erzeigen soll, ist erst dann erfreulich, wenn sie Hülfe und Unterstützung gewährt. Stehen die Altersschwachen dem Himmel und Er ihnen so nahe, möge ich ihnen auch beistehen. . Anekdoten und Scherze. Boa W. Bei einem Criminalprozeß in Frankreich wurden die Angeklagten. von Berryer vertheidigt, freigesprochen. Ein Jude sagte: „Ich wundere mich nicht über die Freisprechung. sind sie doch von einem große Berje (Berrye») vertheidigt wordm. Allgemeiue Zeitung de« Judenthums. Ro. 34. 1858. Leitende Artikel: Sttzzeu über Atheismus, Pantheis« uwS. Deismus. Theismus uud Dogmatismus. V. — Großbritauuieu. Zeitungsnachrichten: Deutschland: Württemberg. Münchweiler, Hamburg. Hamburgs — Preußen: Aus de« Großherzogthu» Poseu. — Lesterretchtfcher Kaiserstaat:-Wie«. — Fraurretch: Paris. — Donuustrstenthümer: Brüssel. — Rußland: Bon der russischen Grenze. 88' 3* beziehen durch jedes Postamt «ud jede Buchhandluug. Jährlich 3 Th«ler, vierteljährlich % Thal«. Verantwortlicher Redacteur: JL Näbe. Verlag von vaumgirtier's Auchh-udümg i» reipzig. — Drnck v»u «lexauder Wietze i, Sechzig.

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