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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 33 (1858) · p. Seite 132

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
33 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 132 (sequence 4)
Language
German
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132 Schmerzen bis zu der glücklichen Stunde, wo sie da-, Band der Ehe geknüpft. Sie führte dann den ' Gast durch mehrere Zimmer mit einer reich auSgestcktteten Wirtschaft, machte ihn mir den in den verschiedenen Behältern befindlichen Gegenständen bekannt, bis auf einige Behälter, die sie noch gar nicht geöffnet. wegen der Warnung ibreS ManneS, daß selbige allerlei Tbierchen und giftige Schlangen, entbielren. ..Mir'werten Sie erlauben", sprach der Gast, „daß ich eines derselben öffne." — ..Nicht koch'." entgegnet« die Frau. — „Sie werden emir in 2br«m Interesse erlauben." — ..3» wie fern?" — „Sit kennen mich. Wo es auf Tbeilnabme und MttTMvnndung ankam. war ich bisbrr 3br Freund; wo eS Aal^ Besonnenheit, einen sicheren Ueberblick der Der» bällnissff galt, da nahmen Sie Ihre Zufluchr.ru mir. Zwischen liebenden Verdeiratbeten. muß ich Ihnen de. merken, darf kein Gehcimniß. keine Zurückhaltung stattfinden. Nur in gegenseitiger Offenherzigkeit. in der vollen Klarheit und Einheit deS Willenkönnen zwei feinfühlende Menschen sich in echter Treue begegnen.'* — „Ich bin aber der Liebe meines ManneS. seiner zartesten Sorgfalt für mich so gewiß, daß eS mir ein rubig-ftöhlicheS Gefühl gewährt, seinen lParnungen zu folgen. Don dem Druck der Meinungen und Dorurtbeile, die mir jede Hoffnung auf.eine vortheilbafte Heirath zerstörten, war er mein Befreier, er, der jetzt seine glänzende Tristen; auf mich »urückstrahlen läßt." — „Zn einer gewissen Lage ist Selbsttäuschung beinahe unvermeidlich. Doch will ich Jbrem Manne nicht eine Aufbewahrung /ostbarer Seltenheiten in jenen Reservoirs zumulhen, deren Verwendung er sich für den Fall vorbehält, wenn er'in feiner Wabl mißglückte, und zu einer ankern schreiten müßte." Diese Bemerkung setzte die Frau kn Verwir- »ung, sic schöpfte Verdacht, bebte vor ungeduldigem Verlanget» nach Gewißheit, machte sofort eine OcffnUng in den undurchsichtigen und befestigten Krstchen und Gefäßen, wurde aber dabei von einer giftigen Schlange gebissen. Auf ibren großen Schmerzen-- und Hülferuf eilte der sich nicht weit davon aufbaltende Ebemann herbei, der, nachdem er den Vorfall vernommen, sie mit Vorwürfen bc. lastete: „Der Gast und Dein Mißtrauen sind wohl die Schuld dieses Nebels. Diese Schwachheit findet man doch immer auf dem Grunde eines weiblichen Herzen-! Den Mann nun, den Leidenschaft wahrscheinlich in mein HauS gebracht, schaffe Dein Leiden sogleich auS dem Haus." — Die Schlange hielt die Frau für geneigter der Verführung, beschloß den Mann durch sie ' zu verderben, und bewog sie de-balb zuerst zum verbotenen Genüsse. ..Iß nur von dieser Frucht. Dir werden über etwas die Augen oufgeben." Die Frau aß. und empfand Süßigkeit. DaS Gewissen rief: „Die Frucht wird einen bitteren Nachgeschmack zurücklaffen." „Sehe ich etwa einen ToveSenze! vor mir?" frägt die Frau bestürzt. ..Möglich", erwicdert die Schlange. „Hat dev streng strafende Gon etwa meinem Manne eine ändere Frau zngcdachr?" — „Möglich", erwiedert die Schlange. — '»Für diese also find diese herrlichen Früchte zum beseligenden Genuß aufbewahrt?" — „Möglich", erwiederte die Schlange. — „Mir geh« wirklich ein Licht auf. Daraus soll nichtwerden; Seligkeit zerstören ist auch Seligkeit. Folgt aal meinen Genuß der Tod. soll mein Mann mir folgen'' — und fie gab ackch ihrem Mann und er aß. — ~~ Anekdoten und Scherze. Don D. Ein Rabbiner, dermittelmäßig predigte, hielt einmal an einen» Feiertag eine Rebe, von der er glaubte, daß sie Eindruck auf sein Publikuv» gemacht haben müßte. Nach beendigtem Gottesdienst fragte er den in der Predigtlireratur woblbewanverten jüdischen Lehrer: „Wie hat Ihnen meine heutige Predigt gefallen?" „Sehr gut, sie enthalt rra'rs n^rn (aui l)r. Salomon'S Predigten abgeschrieben). Ein junger Rabbiner kam in eine Gemeinde, wo die Kinder zum V^ter noch Ette. zur Mutter Memme saglen. Der Rabbiner gab sich alle Müde, in der Schule und im Umgang, daß die Kinder Valer und Mutter sagen sollten. .ES wollte ihm aber nicht gelingen. Da kam der SchabbeS Hagobol. und mit ihm die Einleitungspredigt auf den Peßach. Da sprach er: „in der nirn von Peßach stebt. und ibr sprechet auch so wie ich weiß: Drei sein die Väter, und vier sein die Mütter. Wenn eS nun wirklich eine Sünde wäre. Vater und Mutter zu sprechen, so müsset ihr von nun an in der Hagadah sagen: Drei sein die EtteS. und vier sein die MemmeS." DieS wirkte, und dies« Demonstration brachte denn eine totale Sinnesänderung zu Wege. Ein fremder Jude war in einer anderen Gemeinde an dem Versöhnungs-Tag und sah, daß die Israeliten dieses OrreS an diesem heiligsten Tage auf Erbsen standen, um dadurch ihre an diesem Tag gebotene Peinigung noch zu steigern. „Nicht wahr", sagte der Wirth zu seinem bei »hm stehenden Gast, „wir Juden sind hier sehr fromm, wir stehen auf Erbsen." Doch der fremde Jude erwiederte lächelnd: „Bei uns in meiner Heimatb machen wir's noch anderS, wir stehen auf Nadeln." Allgemeine Zeitung de» Judentbums. Ro 22. 1858. Leitende Artikel: Skizzen über Atheismus. PanlbeismuS. Deismus. Tbcismu» und Dogmatismus. HI. — Undankbarkeit gegen die Juden. — Literarischer Wochenbericht. ZeirungSaachrichten: Deurschland: Frankfurt a. M. — (Großbritannien: London. London. Abhandlungen verschiedenen Inhalt»: Rabbi ^o. natban Eibeaschätz. Eine btogr. Skizze von R. Gotmann. (Schluß.) MfS" 3» bcziede, -durch jede» rhonrm» und jede Buchhaud. luug. Jährlich 3 Thaler. vierteftährlich »/4 Italer. Verantwortlicher Redacteur: SL Rabe. vnlaz mb Banmäärtnci** vB»h»«dk»Bg ta keip»ig. — DrN« von tlejranter Wiede in

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