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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 32 (1858) · p. Seite 128

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
32 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 128 (sequence 4)
Language
German
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128 Erzählung nach dem Midrasch. N2-1 zrro- ""d Bon Nathanfon in Magdeburg. ' (kd’' vrc73) rrtfurF p'~i'4 t?: DeS Gerechten Worte erhalten Viele. Lp. Salm. 10.21. Vor den großen Lehrer Rabbi Simeon ben Jochai in Sidon führte «inst ein Mann feine Ehefrau. „Siehe", sagte er zu dem Rabbi, ..mir dieser Frau lebe ich bereits zehn Jahre in Liebe und Eintracht, aber unsere Ehe ist kinderlos geblieben, muß ich nicht unseren heiligen Gesetzen zu Ebren mich von ihr trennen, um eine anderweitige Tbe eingehen zu können?" Schweigend harrte die von Scham und Rührung geangstigte Frau deS UrtheilS des weifen Rabbi. ..Fürwahr", begann endlich Rabbi Simeon, „das heilige Gesetz muß man ehren, allein, alö Ihr Euch vor zehn Jahren zur Ehe verbunden, habt Ihr dieselbe durch ein fröhliche- Festmahl gefeiert; da Ihr Euch jetzt als friedliche und liebende Gatten trennt, so muß di« Trennung ebenfalls durch ein fröhliches Festmahl gefeiert werden." In frommer Ergebun^'sLieden die Eheleute, den AuSfpruch des Rabbi zu vollfübren. DaS festliche Mahl ist hereitet. Opfermutbig hat die Frau selbst Allefo angeopdnet, daß dieses Mahl ihrem ehemaligen HochzeitSmahle nicht nachstehe. ES haben sich auch zu der, von herrlicher Speise und köstlichem Trank reich besetzkey Tafel.viele Gäste eingefunden. Man spricht dem Wein tüchtig zu. Der Mann, als Festgeber, that den Gästen oft Bescheid. Alleist beiter und fröhlich. Rur die Frau ist still und traurig. DieS bemerkend wandte 'sich ihr'Mann zu ibr: „Gräme Dich nicht", sprach er gerührt. „Siehe Alle-, waS hier im Haufe ist. stebt Dir zu Gebote, nimn» Dir da- Kostbarste, daS Beste mit in Dein väterliche- HauS zurück, und scheide ebne Groll." Ein Strabl neuer Hoffnung durchzuckte ihr Innere-; ihr Antlitz erheiterte sich. Der Mann zechte noch wacker fort mit seinen Gästen, bis er endlich. , vom Weinrausch überwältigt, einschlief. Aldie Gäste sich einer nach dem andern verzogen, winkte die Frau ihren Dienern. Diese trugen den Trunkenen leise und behutsam in daS schwiegerälterliche HauS. AlS er um Mitteruacht vom Rausche erwachte, rief er erstaunt auS: „Wo hat man mich hingebracht?" —- „Zn mein väterliche- HauS", antwortete die Frau, mit sanftem, einschmeichelndem Tone. — ..Und waS soll ich hier?" entgegnete n hastig. — „Hast Du mir nicht selbst erlaubt", sprach l begütigend. .,daS Kostbarste. daS Beste auS Deinem Haufe mit in mein väterliche- HauS zu nehmen? Warst Du nicht da- Kostbarste, da- Beste in Deinem Hause? Ist, eS mir zu verargen, daß ich Dich, damir Theuerste mitnahm?" So treuer bewährter Liebe, so vieler Sanfmuth konnte er nicht widerstehen. Wiederum traten die Eheleute vor Rabbi Simeon ben Jock-i, um sich zu neuem Ehebunde zu vereinen. Erfteut über da- Gelingen seiner Absicht gab. ihnen der heilige Rabbi seine« Segen, und siehe, der Segen der Ehe blieb nicht auS. Anekdote. Mitzetheilt von E in 8. *■ In jenen löblichen Zeiten ächt rechtlosen Zustandeder Juden halte einmal eine christliche Hand dem Juden Aftom einen tüchtigen Steinwurs zugebacht. Doch der Afrom bückt sich und der Stein fahrt in PaulS Fenster. Paul erftagt den Thäter und stellt dir Forderung, ibm eine andere Fensterscheibe machen zu lassen. Jener weigert dieaber — und mit Recht: er hatte ja eine ganz andere Zielscheibe im Auge gehabt; er "hatte;a nur den Juden werfen wollen. Was geschieht? Er wftd vor den Richter geladen. Aber wo in aller Welt hat noch jemals Einer einen stichhaltigeren RechtfertigungSgrrmd gehabt? „Herr Richter! ich betheure, ich beweise, daß ich bloS nach dem Juden Afrom werfen wollte; er wird eS selbst bezeugen." Aftom wird gerufen. Der Richter ftagt: „Aftom, bat Euch dieser Verklagte hier mit einem Stein werfen wollen?" — „Ja. Herr.Richter!" — „Er hat Euch aber nicht getroffen?" — ,,Nein. ich Hab' mich gebückt, und da ist der Stein in ein Fenster gefahren." — „Gut. Aftom zahlt 15 AlbuS'Sporteln und läffet dem Klager Paul eine neue Fensterscheibe einsetzen." — Aftom zahlf die 15 AlbuS und gebt seufzend fort. Im Vorzimmer murmelt er: wct? daS ist eine 71^2 N2V? jo 7122 Der Gerichtsdiener packt ihn augenblicklich und führt ihn zurück vor den Richter: „Der Jude bat draußen hebräisch geschimpft!" — „Aftom!" fragt der Richter. ..waS habt ihr gesagt?" — „DaS will ich Ihnen erklären, lieber Herr Richter! Moses bat unS hundert weniger zwei Flüche prophezeit und habet gesagt, noch allerhand Nebel, die gar nicht geschrieben sind, werden rinzukommen. (5. B. M. 28. 61.) Und da ich gestraft worden bin, die Fensterscheibe machen zu lassen, die ich gar nicht zerbrochen habe, Hab' ich gesagt: das ist einevon den Dingen, die nickt geschrieben sind." — „So?" fuhr der Richter auf. „so? Nein, nein, das geht nicht! MoseS darf nickt Recht kriegen; ihr braucht die Fensterscheibe nicht zu bezahlen; der Paul soll'sein Fenster selbst machen lasten." Allgemeine Zeitung di« JudenlbumS. No. 31. 1858. Leitende Artikel: Magdeburg. — Einige Gedanken auf der Reiie. ll. — DaS englische Parlament. — Berschiedenbeit der Urtheiie und Ansichten. — Skizzen über Atheismus, Pantheismus, DeiSmuS. Theismus und Dogmatismus. II. Zeitungsnachrichten: Deutschland: WormS, Hannover. — Großbritannien: London. London. — Dänemark: RandcrS. — TuniS: Tunis. — Donanfürstentbümer: Luchartst- — Neapel: Neapel. — Kap der guten Hoffnung: Kap der guten Hoffnung. Abbanblungen verschiedenen Inhalt«: Rabbi Ionathan Eibenschütz. Eine bkogr. Skizze von R. Gntmanu (Forts.) M9 3» dezieben durch jedes Postamt an» jede Buchhand, lung. Jährlich 3 Thaler, vierteljährlich •/« T Haler. Verantwortlicher Redacteur: SL Nabe. Setlot »ob Stisgittnet’l Bnchh«»dlU»g ia Leipzig. — Druck von Llexander Siede i, Sechzig.

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