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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 30 (1858) · p. Seite 120

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
30 (1858)
Date
1858-01-01
Page
Seite 120 (sequence 4)
Language
German
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120 obgleich heute noch Schnell-'X2r, deck in Bälde Aussicht bade ein Heiliger zu werden. Ringsum gewahrst Du neugierige Burschen, Weiber und Minder. Nachdem der Rabbi auf dieser heiligen Ruine ’brn srnpft 77*» empfangen hatte, und wer wollte daran zweifeln? eilte er in die Synagoge zrrrück und ihm alle Cbassidim und sonstige Verehrer nach. Hier angelangt begiebt sich der Rabbi zur Bahre, halt einen lysn, daS, obwohl unverständlich und im höchsten Grabe unlogisch, doch durch daS jämmerliche Weinen des RednerS die Versammlung so binzog, baß kein Auge tbranenleer blieb. Daherzzerreißende Jammern der Versammlung hatte so zugenommen, baß eS k^um möglich war, die Bußpsalmen, die unterdessen vom Rabbi Joseph vorgetragen wurden, deutlick) zu vernebmen. Unter abermaligem Weinen und S.chlvchzen wurde endlich die Leicke abwechselnd von je vier würdigen Personen, versteht sich von solchen, die beute in der gewesen, siebenmal um den Almemor getragen und so die rrrqjn gemacht. >'' Nachdem auch diese Ceremonie vorüber war. Nahm der Rabbiner der Gemeinde bas Wort, sprach von den Verdiensten des Verstorbenen. ermahnte zum soliden Wandel im Handel und Verkrbr. und machten dessen schlichte aber voll Begeisterung gesprockepen Worte solch einen Eindruck, daß selbst die Cbassidim von denselben bingeriffen wurden, und da. mein lieber Leser, wir die würdigsten Geistlichen der Hegyalja vor unS haben,, so wollest Du mir verzeihen, wenn ich diesen Moment be« nude und Dir beide Charaktere zeichne. Hier siebst Du einen Wvndermann. der täglich mit Elrah dem Propheten verkehrt, dort einen Eiferer gegen Chassidismus und Aberglaube; hier ein Kind des Himmels, einen Feind der Bildung, der in jedem deutschen Werke' 5 Teufel stecken sieht, dort einen Freund Der Wissenschaft, einen Verehrer der modernen Jugenderziehung. [ Hier steht ein Mann, der trotz seine- HerligthuMs seit ' Jahren die txrsz nicht sah, dort ein tief gebeugter Greis,! ein Enkel des der Tag und Nacht da» I Gotteswort studirt und einzig und alleirt seinem Berufe I lebt. Hier erblickst Du einen Rabbi, der täglich 150' Bocherrn mit geistiger Nahrung speist, dort einen Rebbi. der flau dessen Samstag große Mahlzeiten giebk und seine Jünger durch geistige Getränke erheitert. Dock es ist Zeit, die Leiche weiter zu begleiten und sich dem -Zuge anzuschließen. Im Buntendurcheingnder! geht eS unter dem Schrei 72ti durch die verschiede-! nen Haupts und Nebenstraßen der Stadt, heute in größter! Unordnung, obwohl selbige nicht auffällt, da bei den 1 übrigen Confessionen in der Hegyalja die Leichenbegängnisse gerade nickt feierlicher begangen werden.. Obwohl ' der Zug anfangs mehrere tausend Personen zahlte, so; hatte sich dock die Masse aümäblig verloren; ist eS ja dahier üblich, die Leichen nur einige Schritte zu beglrtten. Auf dem Friedbofe augelangt wurden - einige Gebete gesagt» die Leiche in die Erde gesenkt, und der Rest de» Tages in der Gruft de» Rebbi Mofckeh Teutelbaum zugebracht. Daß die meisten der Anwesenden, insbesondere -ber die Frommen, sich gelobt haben, alljährlich im Sommer die Begräbnißstatte beider Frommen zu besuchen, laßt sich denken und ist es nur zu bedauern, wenn sich in unseren Tagen auch die Gebildeten den Chafstdim in die Arme werfen. Blu«enlesc. Auszüge von Erzäblnnge». Gleichnissen. Gedanken und Meinungen wie Erklärungen »»n Schriftssellen aus hebräischen Werken. Joseph Rawicz in BreSlau. Der Kaiser ftug den rcvr „Hat die Welt einen Herrn?" Der Gefragte entgegncle: ,,Jst die Welt etwa herrenlos und Preis gegeben?" ..Wer schuf dieses Weltall?" „Die Schritt antwortet hierauf: Gott schuf Himmel und Erde." ..Warum zeigt sich aber nicht dieser Schöpfer und Herr wenigstens zwei Mal im Jahre, baß die Menschen ihn kennen 'ernen und Furcht vor ihm Irigen?" ..Weil die Welt diese große Herrlichkeit, diese glanzvolle Erscheinung nicht würde ertragen können. Die Schrift bestätigt dieses: es scheuet mich nicht ber Mensch und bleibt leben. 2. B. M. 03. 20." ..Ja, wenn Du mick nicht davon überzeugst, kann ick Dir nicht glauben." ..Dazu wirb hoffentlich heute noch eine Gelegenheit zu Gebote stehen." Gogen Mittag bieß?Z'-r - den Kaiser eine Stelle gegen die Sonne einnehmen und sprach:. „Du verlangst einen Anblick dieses Gottes, siehe mit gespanntem Ang« in die Sonne, so wirst Du Jbn wahrnehmen!" ..Ködere nickt» Unmögliches von mir. Wer ist im Stande in dir Sonne zu schauen?" „Dein Bedenken wird bald anfangen zu wanken und Dein Zweifel nicht mehr den Weg der Lippen betreten. Ueberlege, die Sonne, diese HimmelSstamme. ist nur ein Werk unter den unzählbaren Werken ber Schöpfung, aus deren feurigem Spiegel daS göttliche Bild strahlt, und wir können sic nicht mit unfern» Auge durchdringe«., um wie viel weniger das Flammenmeer selbst, den verzehrenden Glan; Gottes? Du wirst also einraumen die Möglichkeit des DaseinS eines Schöpfer» und. Leiter» de» Universums ungeachtet der Unmöglickkeft ihn zu schauen." Anekdote. Zwei Männer waren als unermüdliche Schwätzer bekannt. Es wurde eine W.tte eingegangen, wer von beiden den Andern zum Schweigen bringen könnte. Der Eine begann und sprach unaufhörlich, während der Andere völliges Schweigen beobachtete. Die Partei diese» redete ihn an: „Nun, Du sprichst doch gar nicht." — ..Nur ruhig", lautete die Antwort, „so wie er ausspuckl, ist er verloren." Allgemeine Zeitung des Judenthvms. No. 29. 1856. Leitende Artikel: Die Jaden im Königreich Polen. V. »Schluß aus Nr. 26.)— Skizzen über Atheismus, Pantheismus. Deismus and Dogmatismus. I. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten: Deutschland: aus Rheiuhesseu. — Preußen: Berlin. Büto«. Abhandlungen verschiedenen Inhalts: Rabbi Jonathan tibeuschüp. Eine btogr. Skizze von R. Gutmann. (Forts.) S9 3* beziehe» durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vietteljährlich */« Tbaler- Verantwortlicher Redakteur: St. Räb*. Setlag ,»» SaiagStticr'l «»chhaadlnng in kei-zig. — Druck vo» Alex-,der Wiede i»?eip,ig.

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