Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 30 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 118 (sequence 2)
- Language
- German
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118 den Deutschen ganz verfckieden. welche-die Deutschen zu Polen machten. ‘Ulk Weisheit außer dem Talmud und waS dazu gekört. stellten sie dem großen Hauten alS unnöthiq und unnütz vor; einige Wissenschaften verschrieen sie alS nacklbeilig zur Orthodorie. andere als schädlich zur Religiösiläk. Eines der arößren Nebel. daS pie Deutschen dabei erlitten, war. daß ne ivre reine Deutsche Sprache dabei verloren. woraus das jüdische Kauderwelsch entstand. Dreier Fehler ist deswegen nur den deutschen Juden allein «gen. kenn vie porlttglsischen, franröstsch.en und italienischen svrechen ivre Landessvrachen »o gut und richtig, wie die übrigen christlichen Einwohner. Mendelssohn war der Erste. der in seinem lrirkel Aufklärung zu rerbrenen suchte und in kreser Bemühung die glücklichsten Ettolge sad. Die Erziedvng seiner eigenen Kinder >rar musterhaft unk dienre den übrigen zum Vorbild. 'Aut solche Ärr wirk noch deute der größte Tbeil der Juden Berlin-erzogen, wesdalb auch eine vortreffliche jüdische Frerschule daselbst errichtet wurde. Dies ver- 'besserte Judenrbum war also Mendelssohns Werk. Und batte er nmst kein Verdienst, als seiner Nation. besonder-;u Berlin, einen besseren Schwung gegeben zu baden, wäre das nicht schon allein genug? Seine jüdischen Zeitgenossen waren auch nicht ganz undankbar gegen ihn, und er erfuhr von ibnen all» vie Achtung und Liebe, deren er würdlg war. Wenn Rubm und Ehrenbezeugungen Menschen glücklich machen könnten, so ernrere Mendelssohn die flüchte davon in reichem Maße. Doch war er kein Freund davon und suchte ihnen durch edle Defcheidenbeik auszuweiche«. Einst besuchten ihn ein Paar ,unge srauzösische Evelleute und versicherten . baß sie baupsachlich deswegen nach Deutschland gekoolmen wären, um Friedrich den Großen und — Mendelssohn zu sehen; er rhrtt, alob er das nnbt bitte, und fragte statt der Antwort. ob sie etwa auch nach Weimar reisen würden? und vrieS dann auf Vie Bejahung daS Lob der dortigen großen Geister, Wieland. Herder und Goethe. Zn seinen Gebrächen war Alles von Bedeutung, selbst sein bejahende» Kopfnicken: denn jede seiner He. herben war auf lleberlegung gegründet und dem Gedanken angemessen, dem sie zum AuSbruck dienen sollte. In seiner Gegenwart war jedem wobl und keiner ging ungebefferr aus seiner Gesellschaft. . ES war ibm unmöglich etwas mir anzusehen, woran er nicht baue tbeilnebmen sollen, wenn er sich dazu fähig fühlte. Oft saß er Abends in einer Nebenstube, die mit einer GlaStbür versehen war. wenn seine Familie am Tische saß und wollte blos in der Entfernung theilnehmea an der Freute der Seinigen. Wurden dann manchmal kleine Sriele unk Schirre auf die Pabn gebracht, so mischte er sich in die ftobe Unterhaltung mit ein. gab selbst kleine Spiele des Witzes mit an und freute sich herzlich zu bemerken, wie die Drnkkraft auch, spielend sich üben konnte. Dierbar er besonders in den letzten ^Jahren seine» Lebens, wo er absichtlich ernste Gespräche in den Abendstunden vermied, weil er wußte, daß durch Nachdenken über wichtige Gegenstände fein Gesundheitszustand litt. Er war ein äußerst frommer und religiöser Mann und eifriger GotteSverebrer. Seine Religivsikat zeigte! L1 er besonders durch Menschenliebe. Er konnte eS deswegen nicht leiden, wenn man»iMhere verunglimpfen wollte. Sagte man. der oder itmx würde diese gute Handlung nicht unternommen hadere Zpär« " nicht durch Ehrsucht avgetrieben worden, so Mendelssohn: „auch gut', in guten Handlungen Ehr^.gu suchen, ist ja schon elwa-Z Vortreffliches, ^gesetzt HU#, daß keine andere Be« weggrj^de, dab^i. wärev,. verzn man muß lieber im Zutrauen. als .in?.,Mißtraue» gegen Güte des Herzens zu weir.gehen,. sgpß^muH mau fürchten, daß zu viele menschliche Tugend»» -reftchgvmden." List und Verstellung waren ihm fremd; dagegen erkannte man. bald,ja ibm den Israeliten, in welchem kein Falsch ist. Ob er gleich zum örtern bintergangen wurde, so entzog er doch keinem Menschen sein ganzes Zutrauen und meinte: ..Falschheit anderer Menschen müsse nie versteckt ober mißtrauisch machen. Ist eS doch Pflicht", sagte er. „offenbaren Feinden nicht entgegen zu handeln, asS wenn eS die Notbwebr erfordert, wie vielmehr muß man mir denen gut umgeben, die sich schämen, öffentlich gegen uns als Feinde zu handeln und durch Falschheit unS zu überreden-suchen, daß sie unsere Freunde sind." Diese wenigei^Züge sind hinreichend, auf seinen ehrwürdigen Charakter schließen zu können. Auch in seinen Privatgeschäften verläugnete er denselben nicht. Sein Nahrung-Zweig war ein kleiner Handel mit seidenen Stoffen, den absichtlich nicht weit au-dehnte, um Maße zu seinen -gelehrten Beschäftigungen zu behalten. und durch die Menge irdischer Sorgen und Angelegenheiten nicht von seiner LieblingSarbeit abgezogen zu werden. Darum binterließ er feiner Familie auch keine Relchthü» mer. nach welchen er nie gestrebt hatte. Doch hatte feine Borsorge sie nach seinem Tode vor Mangel und Dürftigkeit geschützt. Ob er gleich kein beträchtliche- Vermögen befaß, so unterstützte er dennoch seine und seiner Frau Verwandte auf di« liebreichste Weise; auch harte er beständig Tischgenoffen zu seiner Unterhaltung. De» Morgenwar er im Hause am frühesten auf. gemeiniglich nyr. 4 »deQ.L^UHr^ Lochte sich selbst seinen Kaffee, und 'bilhle.^laS und schneh biS gegen 8 oder 9 Uhr. Dann riefen ihn seine Geschäft« in sein HandlungScomptoir. wo er -bich' Wiaax"brsichLftigt war. Nachmittags bis 4 Uhr war er noch gewöhnlich mit der Handlung beschäftigt. Zu dieser Zeit fanden sich schon seine Freunde und Schüler bei ibm ein. und er fand gewöhnlich, wenn er nach Hause kam, schon eine große vermischte Gesellschaft Einheimischer und Fremder in feiner Stube, die ihn erwarteten. und mit denen er sich dann bis um 8 Uhr. über verschiedene Materien unterhielt. Wenn seine Familie und Freunde Abends vereinigt am Tische saßen, vstegte er sich in seiner Nebenstube, die mit einer GlaSttzür versehen war. auf seinen Sopha zurückzuziehen, und sah ihnen von Ferne zu. weil er sich jeden anderen Milgenuß auf's strengste versagen mußte. Die Abende waren ihm immer die vergnügtesten, welche er im Kreise seiner Familie, etwa mir irgend einem Freunde, in leichte» und angenehmen Gesprächen über gewöhnliche sich täglich ereignende Vorfälle des Lebens, zubrachte. Dagegen verursachte ihm jeder Abendbesuch von Personen, die ihn zu einer Unterredung über philosophische Materien nö» thigten. eine schlaflose Nacht.