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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 29 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
29 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bottsvlatt. Belehrung und An Rabbiner Zur terhattung aus jüdischem Hekiete. HrrauSgegebe» vo« Vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. lRo. 29.1858 ] Bon tiefer 3eitf4 rift erfBeint »Steatlich eine Banner.. Breil kes Jdbr ittertBeiat vifteatit« eine namner.. Greil re« s^or« re . -* ertel|At>ri| 3'/, »,r. Ue VilkeiNui» «DAIaier I Q jilfl, O. (£1801111. I un» j eitun«le;pe»itiiaca atbnea BefteQanfica «a. L €rmT*9* v '*^ *'-1 Moses Mendelss (AuS .Lebenslauf des achtzehnten Jabkbuntcft band. t. Stück.) ohn. S". Supplementnder Biograpbie Sfohn gelangt weitverbreiteten Der Biograph, offe dennsterb- \ voruttheilSftei ES freut mich in den Besitz nachsteh unseres seligen LehrerS MoseS Meube zu sein und ich theile sie den Lesern deö jütischen BolkSblatteS unverändert mit. ein katholischer Christ, war Zeitger lichen Weltweisen; seine Anschauung i und seine Schilderung getreu und klar. Unsere Jugend kennt im Allgemeinen die Bergan genbeit selbst der deutschen Juden zu wenig, nicht, welche Zurücksetzung, welche Derack tung. ja welchen Hohn Unsere Vorfahren noch im achtzehnten Jahrhundert — meist ohne ihre Schuld — fast überal l tragen mußten. In Europa lebe» gegenwärtig nirgent« unsere Brüder in gleichem Elend. Nachstehende Charakterschilderung (iebt im Ganzen «in treffendes Bild der traurigen Verhä tniffe, in denen unsere GlaubenSbrüder noch im vorizen Jahrhundert gebannt waren, und erfüllt unS mit Hochachtung und Verehrung für die begeisterten Männe unserer Nation, die trotz all diesen Leiden die Würle ihreS Berufes erfaßt und den Weg der wahren Tuj end und Sittenreinheit angebabnt haben. DaS gotterfüllte Leben Mendels ohn» lehrt aber gleichzeitig, wie man in der drückenlsten Armuth und einer der Wissenschaft feindlichen Umgeb mg der Wißbegier genügen, und, bei geistigen Anlagen, «uf die Höhen der Weisheit und de» wahren Seelenadels gelangen kann. rc-oV p-ix “dt | De» Gerechten Anvenken bringt Segen! Schwarz in Reichenbach-tn Sachsen. -Demgemäß tritt jetzt der unsere» Jahrhundert-, Mose» Mendel er auch nicht der Reichste, so bleibt berühmteste Jude -so hn, auf. War er doch der Ehrwürdigste seiner Nation, der auf sein Statt ein rühmliche» unbekannt bleiben ber 1729 geboren. Licht wirft und darum keinem Christen darf. Er wurde zu Dessau im Septen Sein Vater, Mendel Sopher, war z var ein edler und rechtschaffener Mann, aber dabei arm und nicht im Stande für die Bildung und da» Fortkommet sorgen. Er war Zehngebvtenschreibcr zu Dessau, und also arm. wie e» die seine» Sohne» zu z)nd Schulmeister er Dienst auch bei den Christen mir sich zu bringen pflegt. Doch that der Vater, wa» er in seinen armseligen Verhältnissen vermochte; er gab dem Sohne einigen Unterricht in deü Anfang»- gründen der hebräischen Sprache und der Religion seiner Väter. Weiter reichten seine eigenen Kenntnisse, nicht. So ward der junge Mendelssohn in dem Lärm einer niederen Judenfchule nzogen. wo er nicht» als Mißtöne in der deutschen Sprache hörte, und in der hebräischen gerade nur so viel lernte, als bi»reichend war, um die ersten Gründe der jüdischen Gelehrsamkeit zu lernen. Um Mendelssohn'» ganzen Werth zu schätzen, muß man sich in dir Umstände' versetzen, unter welchen er geboren wurde. Unter unwissenden Juden von armen, verachteten, obgleich rechtschaffenen Eltern geboren; mit einem schwächlichen und kränklichen Körper, ohne alle Beihülfe \ zur Gelebrsackkeit. arbeitete er zu einem £1» «icx a» Himmel dir Wisseaflhaften empor. Er^hÄ^^u diese« Ziel keinen Waffen ^keinen Führer, keine KMke und mußte, wie ein lahmet Fußgänger, durch Sümpfe und Morast emporstreben.' Ein gelehrter Rabbi vor ihm. MäimonideS. Hane ein Werk geschrieben, unur dem Tir/l: „Führer der.Irrenden-, worin er -»i« JBeariffc von Gott. Geist und Unsterblichkeit entwickelte. Dürft'Schrift ward sehr bald Mendelssohn'» Lieb» ikchßboch. Cr brütete Tag und Rächt darüber mit einem sB.-Höwalttgen Fleiße, daß <i sich dadurch eine Nervenkrankheit zuzog, wovon in seinem zehnte» Jahre schon sich sein Rückgrat zu biegen a»fing, und daß er recht eigentlich vom vielen Studiren verkrüppelte. Noch in späteren Jahren pflegte er deshalb in Scherz zu sagen: „Dem Maimonide» habe ich meinen verwachsenen Körper zuzuschreiben. Er allein ist die Ursache davon, aber de»- wegen liebe ich ihn doch, denn der Mann hat mir manche trübe Stund«'«eine» Leben» versüßt, und so auf der einen Seite »ich zehnfach für da» schadlos gehalten, um wa» er mich iniBetracht meine» körperlichen Wachse» wider seinen Wkflen gebracht hatte". ES braucht wohl nicht mehr al» die Erwähnung diese» einzigen Umstande», um sich eine» Begriff zu machen, mit welche« eisernen Fleiße dieser Judenknabe dem Ziele seiner Vollendung entgegenging. Die ersten Blütheu seines Geistewaren einige poetische Versuche; da er aber bald wahraahm, daß er hier nicht auf seinem rechten Felde fei. so verließ er e» bald und verlor flch in tiefsinnige philosophische Untersuchungen." Mit 14 Jahren vettieß er sein väterliche» Hau» und wandert« in der größten Armuth auf gut Glück nach Berlin. Er meldete sich

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