Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 27 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 108 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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108 >. or sich. Vor Allem vergewisserten wir unS gutN Zim» mer zum Uebernachten. und obschon am Abend die Tate! wohl l.rO Gäste auS allen Lankern unk Weltrheilcn vereinigte, fehlte es uns koch an keiner Bequemlichkeit. Hier, wie an vielen Orlen ker Schweiz, machte ick die «nzenebme Bemerkung, daß. während in anderen Gegen« den. wo die Cultur die Natur beleckt bat. damit alle Romantik entfioben ist. die Reize und Majestät der Natur in der Schweiz so groß find , daß sich ihrer Be« tracktung VaS Comfort der modernen Gesittung nur in angenehmer Weise aafckließr, ohne den Genuß der Natur« schönheiten. ohne das Entzücken über die Herrlichkeit VcS sich darbietenden Schauspielzu benachrheiligen. Nach einiger Zeit der Crbolung trat ich den Rundqang aut dem Plateau des Rigi an. Welche seltene Külle von Schönheit lag ans jedem Schritte vor mir ausgedeckt. Nack Norden t.i weile Blick über die Vor» berge und Thäler. rechlS unv links das Gewühl der aus» ragenden Höhen des Mittelgebirges und im Süden die ganze Kette der schneebedeckten Riesen des Berner Ober» landes. Aber eine glückliche Fügung hatte diesen so reichen Anblick noch reicher gemacht. Die Sonne senkte sich gen Westen, aber noch, war ihr Strahl bell und stark. Dock hatte sich eine Wolke über sie gelegt, die sie mit Purpurlichr färbte. Daher eine wechselnde Beleuchtung über die westliche und nördliche Erde. Wir erblickten bier vierzehn Seen, deren Spiegel ein jeder «ne andere Färbung trug. Rechtder Lowerzer wie eine grüne Kupferplatte. darauf der Zuger wie eine blaue Stahlplane. vov uns weiterhin der Sempacher und Hallwyler mit reinem Golde überqoffen, zp unseren Fußen große Flächen des Vierwaldstätter, von den Schatten ker hohen Berge schon Mit schwarzer Nacht bedeckt, ganz am Saume heb Horizontes wie ein Silberstreifen der Züricher«See. Dort unten links sielen die letzten Sonnenstrahlen auf die Zinnen und Dächer von Luzern. Man sah Küßnacht und die ..bohle Gass?' als eine dunkele Linie. . Während aber so aus dem nördlichen Halbrunv Alles ooch Licht unv Sonne war. hatte jenes Gewitter im Süden eine dunkle Wolkenwand ausgestellt, welche zwar die nächsten Berge wie den zackigen Pilatus. daS steile- Buorenborn noch kenntlich, aber in sinsiere Schatten gekleidet aut dem Hintergründe sich abzeichnen ließ, aber die weiteren riesigen Höbe« völlig verbarg.. Heber dieser dunkelen Wolkenwand erboben sich die kuppen der.Berner Schnee« und Eisberge, in den Strahlen der untergehenden Sonne erst silbern glanzend, dann rotb glühend, wie eine höhere lichte Well über der verdeckten irdischen. Dann regte sich wieder daS Gewitter; Donner. rollte unter unfern Füßen, Blitze zuckien zwischen jenen Etshöben hin und her. Dies war eiw- Schauspiel einzig in seiner Art. wo das Wort ohnmächtig und der Pinsel des Künstlers unzulänglich. Fassen Sie, mein Freund, waS ich bier einzeln geschildert, in ein Rundgemälde zusammen. lassen Sie Ihre Phantasie die mannigfaltigsten Formen und die lebhaftesten Karben darüber ausbreilen und Sie wer» den eine Abnung dieser Herrlichkeiten haben. Die von der Purpurwolke bedeckte Sonne, welche ihre Strahlen über deren goldenen Sauin hinweg auf die Seen, die Höhen, die Thäler. die Städte. Dörfer und Kirchthürme ergoß, aus der einen, die dunkle Nebelwand, darüber die rothglüheuden Schneekronen der Alpen mit d«n zuckenden Blitzen zwischen ihnen auf der anderen Seite, dazwischen die immer mebr in Schatten versinkenden Berge um den Vierwaldstätter — die Seele konnte sich dessen nicht sättigen; lange wogten die Gefühle auf und ab; bald hoben sie sich wie ein Zubellied zum Himmel empor, die Herrlichkeit des Schöpfers preisend, bald fiutheten sie hinab, von der Mächtigkeit der Erscheinungen niedergedrückt. bald überließen sie sich dem Entzücken über die Anmutb. die jedem einzelnen Blicke sich erschloß, und der Freudigkeit, zu solchem Genüsse berufen zu sein. Erst die immer wiederholte Betrachtung brachte daS Gemüth zur Ruhe, und rief zu genauerer Beobachtung bald dieser, bald jener Seite auf. Die Sonne war im Untere gehen begriffen. Sie war aus der Umarmung jenes Gewölks hervorgetreten., und strömte noch einmal ihren vollen Glan; über die Gegend aus. ehe sie sich in daS purpurne Abenbrotb willenlos versenkte. Da siel ein einzelner Strahl auf die Spitze eines einsamen Kirchleins am Haüwvler See. der der letzte war, welcher den Scheidekuß der Sonne empfing, während die anderen Seen "bereits benachtet waren. ES war ein letzter freu«! diger Gruß in unsere Seele. <e<wuF jpigt > Blumenlesc. ' Auszüge von Erzählungen. Gleichnissen. Gedanken uud Meinungen, wie Erklärungen von Schriststellea aus hebräischen Werken. Bon Joseph Rawicz in Breslau. Jemand kam zu 7- “ und bat ihm ein Gelübde zu lösen. ' ..Worin bestebl Dein Gelübde?" „Ich habe gelobt, kein Geld zu verdienen." „Sonderbare Versagung! Mir steht - der Verstand still beim Hören, Dir muß er wohl auch! beim Geloben still gestanden haben." ..Ich will mich | deutlicher erklären. Ich gelobt« nicht mehr Geld zu ver»! dienen durch..." ..Nun wodurch?" ..Durch Kartenspiel" ..Lob und Dank den Weisen". lächelte R. Bun, ,.kie eS festfetzten: Wer von einer freiwilligen Auferlegung . losgesprochen werben will, diese Auferlegung näher an« I geben muß. um bei vorhandenem Grunde zum Nichthalten die Lossprechung zu erbalten. Wie bald hätte ich mich einer Uebereilung und Dich einer ferneren Liederlichkeit schuldig gemacht. Halte Dein Gelübde und eS wird Dich halten Allgemeine Leitung des Iudentbums.- No. 26. 18öS. Leitende Artikel: Die Juden im Königreiche Pole». III. — Vo« Institute zur Förderung der israelitischen Literatur. Zeituagsnachrichten: Deutschland: Hamburg, vom Harz, au» vavern. Fulda. Schwerin. Worms. — Preußen: Aachen. Berlin. — Leflerreichischer Kaiserstaat: Bon der Theiß. Szutsan. Temesvar. — Großbritannien: London. — Frankreich: Pari» I £2 F« beziehen fcuri »edes Postamt und jede Buchbaud- I lung. Jährlich 3 Thäler. vierteljährlich '/« Thäler. Verantwortlicher Redacteur: K. Nabe. Verlag von Baumgartner'« Bnchhandlnng in Leipjiz. — Druck ton Alexander Diede in Leipzig.