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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 27 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
27 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. -Bele0r»nq unf) Unlerhattnng auf Heraus-egede» nee ttabbtnet hr Ludwig Philippsou in M^drburg. sRo. 27. 1858] S-VTiÄ Bon N«**r Zetlkckr »« »rlchei»t »IN» Kuant<r. r,» Aade- , — 4.XM4 fl thlv «Hl ^1/ O» »» ftdi 1 AImAAm*«« I r\ i fliifsriRi ■vcrRiuv rmr nummex- \*rnf rfl*;taor* ■ m »nten« 71/» *jt. WU (‘uAkdiitlui^nJ I ry jflhfjl n, Önniirtfll 1 n» Z«^rnn^«kko»»ikion»n A»tz««n (‘»ftrOuniith q». > » '8 **J jli dl schein Gebiete. Wie sich das Blatt wen vet- Sine Rovellettc au» dem Leben Von L. L. «Sore, 4. Der Gerettete. <51 war ein stürmischer Novemberabenl. Der Wind heulte durch die Essen, und wechselte nur mit dem Rauschen der Regengüsse ab. welche von Zeil zu Zeit aus dem dunkeln Gewölk, welcheden Himv el überzogen, nieverfielen. In den Straßen des SlLdtcl enfl. bafl der Beleuchtung-apparate noch gänzlich entbihrte, war es pechfinster. Ich befand mich in dem Wl hnzimmer de» Herrn Hcnoch. Eben zurückgekehrt von e ner beschwer» lichen Landtour, hatte ich mich dahin beeeden. um i« Schoß« «einer zukünftigen Familie, in d n behaglichen Räumen bei einer Taffe Thee Erholun \ zu finden. Wohl saß ich neben meiner tbeuren Lina und sad de« geschäftigen aber ruhigen Treiben Amalie, S zur Deret» 'tung de» Thee» zu; aber e» herrschte doch eine gedrückte Stimmung unter uns. die Gespräche woll en sich nicht, wie sonst, geläufig fortspinnen; eö lastete w e eine schwere Ahnung auf unseren Gemütbern. Der Dc ter saß neben dem Lehnsessel seiner Krau, hielt ihre Hand und schwieg. Die anderen Glieder der Familie lasen, u>d endlich zog ich mich mit Lina in eine dunklere Ecke de» Zimmer» zurück, wo wir angelegentlich stüsterten, wer weiß noch wa». Eben hatte sich der Sturm mit Heuer Gewalt aufgemacht. Steine und Mörtel polterten durch den Schornstein herab, al» man die Hauflthür ufreißen und einen schnellen schweren Tritt dem Wohnzimmer sich nahen hörte, welche dann eilig sich öffnete und inen bochqewachsenen, in einen dichten Mantel gebül ten und mit einer tief in'» Gesicht gebrückten Pelzmitze bedeckten Mann au» dem Dunkel de» Dorsaal» erbli ten ließ. Wir Alle waren von Schreck wie geläomt, nur die sonst so schwache Mutter sprang von ihrem Lehnsessel auf mit einer fast gellenden Stimme auflrufenv: „Isidor!" Die Mutter mochte wohl in der Erfcheinmig de» Ankömmling» irgend einen Zug. eine Geberde. eine Art bemerk» haben, welche allen Andern entgangen oder un» bekannt. Schnell hatte der Fremde seinen Mantel abge» worfen und war der Mutter in di« Arme und an da» Herz gesunken. Dann wandte er fich zum Vater, der bleich und starr dagestanden, zog die Kopfbedeckung ab und fiel auch ihm an die Brust. SchwerefllSeufzen hob sich au» der Br ist der theuren Menschen, Thränen rollten von ibren Wang n herab und unverständliche Laute lösten sich von ihren Lippen, Hatte doch die Erscheinung etwa» Wilve», fast A »stoßende», und al» die Kopfbedeckung gefallen, gewahr e man eine breite, rgtbe Narbe, die sich au» dem zurückgewichenrn Lockenhaar quer über die Stirn zog. 2« diese« Augenblicke fiel fein Blick auf die Eckr, in der ich ruhig stand. Er fuhr zurück und rief: ,.Wer ist da»?" -Ich tkflt näher zum Lichte, man nannte mich ihm. gab mir wenigen Worten mein Verhältnis kunv und al» er mii^ eine Sekunde scharf angeblickt, sprach er: ..Ihnen vertraue ich, Ihr Angesicht spricht von Treue und Muth. Niemand darf noch von meiner Anwesenheit wissen." Der Vater fügte dem einig« anerkennend« Worte hinzu, daun zog, die Mutter ihren Ltebliagssohn neben ihren Sessel, ua^ Amalie sorgte schnell für Erquickung und Behaglichkeit desselben. Isidor began» seinen Bericht, die Erzählung seiner Schicksale. Zch theile sie hier in der Kürze mit. -Je mehr sein Fabrikwesen sich entwickelt hatte, desto öfter ward seine Abwesenhei erforderlich, er mußte bald kürzere, bald wettere Re sen machen. Bei dem unbegrenzten Vertrauen, welch:» die Familie auf den von ihr mit so vieler Liebe erzogenen und stet» al» Glied der Familie behandelten Freu» d setzte, hatte Isidor nicht angestanden, ihm Wechsrlschemua in Blanko, vo» ihm unterzeichnet, zu hinterlaffen. um den Lauf der Geldverbältniffe in seiner Abwesenhei nicht zu stören. Die» hatte aber der verrätberische Mer sch benutzt, um enorme Summen von den verschiedensten Se ten zu beziehen und damit eine» Tage» zu verschwinden. 1 Isidor erhielt von einem Eommi» unterweg» die Nachricht.' eilte zurück »nd fand da» Uebel größer, überwältigender, al» er e» gedacht. Zu rekte» war bier nicht». In einem schnelle« Entschluß begab sich Isidor eiligst zu den. Gläubigern, von denen Freund da» Geld persönftch in Empfang genommen, ließ sich, von ihnen Docutueule 'an»stirllen und suchte al-bann die Spur de» Ei tflohenrn zu finden. Wirklich glückte die» ihm. denn >amal» beflügelten Dampf und Elektrieitäl noch nicht b n Flüchtling und bkn Verfolger, aber wohin Isidor fam. war der Dösewicht einige Tage vor» her gewesen. Si ging' er nach Pari», nach London, nach Liverpool, v> n wo au» seine letzten Zeilen an den Pater gelangten und über da» Meer nach New» Mort. Hier war eH wo nen Iünglirz de er wußte, er die Spuren erloschen^ Aber den küheelte einh unerschütterliche Ausdauer; könn» nicht rb kwärt». er müsse den finden,

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