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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 26 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
26 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Volksblatt. 3« > Belehrung und Anlerhattung auf jüdischem ZeKiete. Herausgegebe» in Rabbiner Or. Ludvig Philippso» in Magd«b»rg. ,No. SS. 1858.] Sn tiefer 8ttt(4rtfi erkchei»! »ötrntltch »i»e N««»«r. Prnl de« Jatzr« Gangs 1 Ldlr. BfeNriiairtg l1/, N,r. Mt vu4da»tknogt». P»stL«t«r nn» g«itungsek»tdi»iv»tn sr^aaen kt»e0«o,ta.a». [5. Zshrz. 2. tturtil.] Wie sich das Blatt wendet. Eine Aovellette au» de« Lebe». »0» L. S. (Forifetznng.) 3. Der Besuch und seine Folgen. Ich hatte dem redseligen aber gutmllthiger» Manne, dem, wie r» so oft geschieht, di» Jahre upr so mehr die Zunge gelöst, gern zugehört. theil» weil e» wein Inter» esse verlangte, die Verhältnisse der Bewohner diese» Städtchen» genauer zu erfahren, theil» weil mir die Erzählung wirkliche Thetlnahme eingestbßt. Unter der ruhigen Oberfläche schienen hier Leidenschaften und Thaten verborgen zu sein, di« unmöglich de« Tageslicht entzogen bleiben konnten. und welche offenbar noch irgend eine Katastrophe herbeisühren mußten. So Etwa» reizt die Neugierde der Menschen gar sehr. ff» giebt ein Rüthsel zu lösen, und wir bleiben Zeit unser»» Leben» im» merson Kinder genug, um an Räthseln und ihrer Lösung unfägltche» Gefallen zu finden. Mein Freund aber ge» börte jener Elaffe an, welche überall zu finden, die stch an jeden Ankömmling hängen, theil» ^m dessen Der» hältniffe zu erkunden, theil» um alle ffigenthümlichkeiten de» Orte» an den Mann zu bringen. Mir aber war ein solcher gerade recht. Ich bin Arzt, hatte eben meine Staatsprüfungen be» standen und wollte mich in diesem Städtchen niederlassen, wo soeben ein vielbeschäftigter Arzt gestoaben und nur noch zwei andere ansässig waren. Offenbar stand wir ein harter Kampf bevor, denn die beiden Herren Solle» gen, von denen der Eine eine sehr vornrihme Stellung einnahm, würden vorauSstchtlich mit ihrer ganzen Sipp» fchaft und Kameradschaft einen hartnäckigeij Krieg gegen mich eröffnen. Hierzu kam. daß ich Jude!btn, und der erste Arzt diese» Glauben», der da» Städtchen betrat. Meine Gegner hatten also da» BornrtheÜ der Menge zu ihrem Bundesgenossen. Indessen könnt» .ich hierau» auch einen u« so größeren Dortheil ziehen^ denn da die Stadt von einer nicht kleinen jüdischen Gemeinde be» wohnt war. so konnte ich auch wahrscheinlich auf den Beistand dieser rechnen und Verbündete finden, wo ich in jedem andere« Falle völlig al» Fremdlistg ausgetreten wäre. Deshalb war e» meine Absicht, sopald ich mich den Vätern' und Honoratioren der Stadt vosgestellt hätte, bei allen jüdischen Familienvätern ohne Uifterschted Besuch zu machen? Die Erfahrung hat tmmer^ gelehrt, daß eine warmblütige Minorität viel mehr vermag als eine laue Majorität? Hatte ich die Juden auf «einer Seite, so konnte ich dem Weiteren ruhig entgegensehen. Nachdem also eine sehr kühle Audienz bei dem regierenden Bürgermeister und allen Beamteten, sowie einige» sonstigen ausgezeichneten Männern ver Stabt abgemacht war. die mir sammt und sonder» riethen, mich meiner Wege _zu packen, da zwei Aerzte genug jür die Stadt, und ich e» mit den beiden Herren al» Anfänger doch nicht aufnebmen könnte, eine Versicherung, die mich nicht im geringsten «ntmnthigte. ging ich an »eine Juden, und wachte meinen ersten Besuch bei Herrn Heooch. Welch' einen angenehmen Eindruck machte derffintritt in ' diese» Hau» auf «ich s Die Philosophen erklären uns, daß jede Form der Ausdruck und die Au-prägung eine» Wefen» sei. Und sie haben Recht. Denn Niemandem wird ,» entgehen, daß ein jede» Hau» auf den i^tnneienden schon eine Wirkung übt, die nur dadurch möglich ist. daß uns in jedem Hause ein bestimmte» Wesen au» allen seinen Einrichtungen entgegenspricht. Du trittst in ein Hau» und im ersten Augenblicke fühlst Du Dich darin heimisch, behaglich, gemüthlich. Der Eingang. I, die Verzierung de» Dorsaal». da» Ameublement der Zimmer, die Farben und Geräthe. alle» ist gefällig, ein» fach und doch zierlich, kurz zusagend, während in einem anderen alle» kalt, steif, vornehm, hochmüthig erscheint." : Zu der elfteren Gattung gehörte da» Hau» de» Herrn I Henoch. Reinlichkeit ohne Peinlichkeit. Zierlichkeit ohne j Luru». die Meuble» waren alt. aber gediegen und wohl erhalten. Ich fand die Gattin de» Herrn Henoch in einem großen Lehnstuhl, den sie, seit lange kränklich, nicht viel verlassen konnte. Ich erwartete demnach «ine lange Geschichte ihre» Leiden». Aber ich hatte mich ge» täuscht. Sie sprach nicht» davon, sondern nachdem st»' über die Oertlichkeit und wie fie mir zusage, Einige» gesprochen, winkte fie mit den Augen der jüngeren Tochter, di« sie verstand, und kurze Zeit darauf trat der Hanßherr ein. welcher in seinem benachbarten Comptoir gearbeitet. Mit Würde, aber wahrhafter Freundlichkeit trat Herr Henoch auf mich zu. faßte meine Hand und hieß mich! willkommen. Ohne Umstände thejlte er mir mit. daß die Stelle des- Armenarztes bti der Gemeinde durch den > Tod meine» Vorgänger», erledigt sei. daß die beiden praktischen Aerzte hierzu nichj paßten, weil der erste zu vornehm, der andere za nachlässig sei. daß die armen Juden einen Glaubensgenossen vorztehen würden, daß er sich deshalb in meiner Vaterstadt nach mir erkundigt;

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