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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 24 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
24 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Bokksvlatt. Zur Belehrung und JtiiterQaftumj auf jüdischem ^ekiete. Herausgegebeu vo> Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. wck\ a« ■* r~) -» Bon 6iefer 3eitfirlfl erfAeluJ »«<tent(l* »In« Summer, sreil e» 3abr* r > ■ al f\ . . __ IviO* 84. lo&O. I 1 tblr* t ierteljäbrii V/. ** r. Me Bu-bba^nngr». «»»ümier so QülMflfll 1 J mb B(tiun«»r|pebUIe«ei ntbmea VeReaunitn «n. *- &"***• “• ***•»**»**. j DaS häusliche und gesellschaftliche Leben der alten Hebräer. Nach dem FrauzSstscheo de« S. Mual. C. DaS Familienlobcn. (641«».) Verwandter oder Freund Worte auf Hessen Grabe, die ihm seine Gefühle eingaben. wie es David auf dem Grabe Abner« lhat. \ Außer den Klageweibern gab eS ar!ch Dichter, die ein Gewerbe daraus machten, Klaqestnge ku improvisiren. um als Leichenreden zu dienen. Die Verwandten deS Todten zerrissen ihr« Gewänder, legten ih en Turban und ihre Sandalen ab. hüllten sich bis an di« Lippen in ihren Mantel ober bedeckten auch wo! ihr zanze« Gesicht. Vach dem Leichenbegängniß richteten di Freunde der Familie eine Mahl an. das man ..da« B ot der Trauer" und „den Becher des Tröste«" nannte >nd die« meint Ezeckiel, wenn er von der Trauer spric t: ..Essen daS Brot Anderer". Einige fasteten am Tace deS Leichen» begängniffeS und nahmen erst am Abend! a« Trauermahl an. Die große Trauer dauerte neben Tagte. Man blieb auf tcm Boden sitzen, wusch unv salbte sich nicht. Haare und Bart blieben in Unordnung ober warm gänzlich ab» geschnitten. 2m Allgemeinen legt« man seine gewöhnlichen Kleiber und Schmucksachen ab, uv daS Trauerzewand zu nehmen, welche« in der Bib'l fast überall den Namen ..Lack" führt. ES war bieS ein Gewand aus grobem Stoff, wahrscheinlich häre, , sehr eng, ohne Aermel und Fallen. daS in der Thai einem Sacke ähnelte, so wie Reisenhe deren im heutigen Oriente gesehen haben; ein einfacher Strick diente al« Gürtel. Die Farbe diese« SackeS war wahrscheinlich schi >arz oder wenigstenein sehr dunkele« Braun. denn « n Trauernder wird Koder genannt unv diese« Wort fhm tt von einem Verbum, welche« „sich schwärzen, sich verbun eln" bedeutet. Nack den sieben Tagen wurde die Trauer ti eniger genau eingehalten, obgleich sie sich oft weit über liefen Termin hinaus verlängerte. ES scheint, daß uv Dater und Mutter die Trauer mindesten« einen M« nat getragen wurde, aber Jeder folgte in dieser Beziehun; seinem individuellen Gefühle, und man spricht zuwei en von einer Trauer, die sich „über eine geraume Ze t" erstreckte. Die Wittwen trugen wie e« scheint ihr ganze« Leben hindurch Trauer. Die Wahrheit am Grabe. Whnn e« auch seit jeher zu hen sehnlichsten Wünschen pller Literatürfreunde > gehörte, den Rothstift de« CensorS seiner dilatorischen Macht beraubt zu sehen und die literarischen Erzeugnisse vor der zweischneidigen Schärfe der verhäaguißvoÜen Eensurschere ger_ sichert zu wisse», so erwacht doch dann und wann der Wunsch in un«.L« möge in einem gewiffen Zweige geistiger Production eine AN Ccnsur geübt werden und zwar in der Abfassung von Grabschristen. E« ist wahrhaft verletzend für jede« rechtliche Gemüth. die Wahrheit, her doch wenigsten« dort am friedlichen Schlummerorte in den Grabsteinen Altäre errichtet werden sollt«, mit Füßen getreten und die Lüge und die Schmeichelei in goldenen Leitern sich breit machen zu sehen. Frömmigkeit. Wissen, Mildt.hatigkeit u. f. w. ave diese edlen Eigenschaftensehen wir oft auf einem Grabsteine verzeichnet^ während vielleicht in dem Herzen, da« unter dem Steile modert, kaum ein einziger von ' all diesen guten Engeln wohnte — doch der oder die Verblichene war reich —>- irgend eine wohlbezahlte > übersprudrlnde Feder wußte ihrem poetischen Gelüste ’ bei Abfassung der Grabschrift keine Zügel anzulegen, > dem Einen oder der Anderen der Hinterbliebenen mußte > noihwendiger Weise ein Complimcnr gemacht werden und so prangt die vergoldete Lüge auf den stummen Steinen. die jedoch nur ollzuberedte Zeugen mensch. licher Thorheft und gleißnerischer Falschheit sind. Möge man immerhin dse eine oder die andere gute Seite de« Verblichenen auf hem Grabsteine hervorhrben. kein Mensch ist so arm' an Tugenden, daß nicht an seinem LebenSbilde irgend eine Lichtseite entdeckt werden könnte, aber man versuche nicht mit glänzenden in. Stein ge»" hauenen Lügen einen Nimbu« um di« Manen der Hingeschiedenen' zu verbreiten! nVxrn*ni Die Nachwelt ist eine strenge Richterin und har für diesen eitlen Tand nur ein mitleidige« Lächeln. Schreiber diese« hat sich bemüht, jede'vorkommeode Grabschrift, ehe sie in die Hände de« Steinmetz kömmt, einer genauen Durchsicht zu unterzieh«, und manche größere Gemeinde

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