Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 23 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur! - Belehrung unk) Anlerhattung aus! jüdischem AeKiele. Herausgegeben von » Rabbiner Pr. Ludwig Philippsou in Magdebur;. am lOBOl «on vieler gei,schrill erscheint wSchentttch ein« Num«er. vrei« b,I 2a»rrw <w . c\ iRo. 83.1858.] -"«•»«-i-, lifc.ysssJÄJJrirt-'?. SlSSSSSr^:' l5. Iahrg. 2. ©uartnl.] Das häusliche und gesellschaftliche Leben der alten Hebräer. Nach dem Französischen des S. SRjunf. lSortittzuug.); C. DaS Familienleben. Wir wollen hier einen Blick in da- Znnere der Fa. milie werfen, um die häuslichen Sitten und die beobachteten Gebräuche bei dey glücklichen od r unglücklichen Ereignissen, welche die Gleichförmigkeit detäglichen Lebenunterbrechen, kennen zu lernen. Wir haben bewiesen durch eine große Zahl von bib ischen Stellen, wie groß der Zrrthum derer ist« welche die Frauen der Hebräer mit denen der Araber und and rer Völker demodernen Orientvergleichen. Man ha^ gesehen, daß in allen Claffen der hebräischen Gefells Haft die Frau eine große F^iheit genoß. Wenn ei lige Male «io Großen und die Reichen, indem sie bin benachbarten Nationen nachahmten, sich der Polygame ergaben und ihre Frauen dem müßigen und entwür)igenden Leben der Haremunterwarfen, so hielt doch d e große Mehrzahl an den einfachen Sitten der alten Zeit fest; die Frau war, wie eS im ersten Buche M> feS auögedrückk ist, eine Hülfe für den Mann und ihm g eich. Während der Mann die Feldarbeiten oder andere zewerbliche Be» schastigungen betrieb, besorgte die Krau vaS Hau-, die Erziehung der Kinder und die. Ueberwach tng der Dienstleute. ..Sie bemühte sich um Wolle urd Flachs und arbeitete nach dem Willen ihrer-Hände. Sie erhob sich ehe der Tag anbrach, vertheilte die Nal rung-mittel in ihrem Haushalte und gab den Dienern ihre Arbeiten. Sie legte ihre Finger auf die Spindel; ihre Hände hielten den Spinnrocken.- Sie reichte tire Hände den Armen und gab ihnen da- Nothwepdigsti. 1 Sie öffnete ihren Mund mit Weisheit und eine Le-re voll Milde war auf ihrer Zunge. Sie überwachte die Beschaffenheit ihre- Hause- und aß nicht daS' Brot der Faulheit." Die reichen Frauen, selbst die von hoht« Rang, verschmäheten nicht, die nothwendigen Arbeiten für die Familie zu übernehmen, Stoffe zu wirlen, Kleider zu machen, oder sogar die Speisen vorzuberäten. Dawaam meisten den Geist der Frau beschäftigte, war ihrem Manne eine zahlreiche Nachkommenschaft zu geben, in welcher dagrößte Glück der pamilte bestand und die angesehen wurde albeste Segnung, die der Himmel dem ftommen Menschen gewährt« konnte, wie bare Weinrebe in dem Kinder wie Oelpflanzen der heilige Sänger .sagt: „Glücklich ist der, welcher Jehova fürchtet und der bündelt in seinen Wegen. Wenn Du Dich nährst von reiner Hände Arbeit, Heil Dir! eö gebt Dir gut! Deil llAib wird sein, wie die ftucht- Jnnerrn Deine- Hauses, Deine um Deinen Tisch, also wirb gesegnet sein der Manu, her fürchtet den Ewigen." Die Unfruchtbarkeit ivurde betrachtet als eine Strafe deS Himmels und als ein Gegenstand der Schande für die Frau. Die Unglückliche war hierdurch der Gefahr miSgefetzt. sich durch eine ander« Frau verdrängt zu sehen, welche sie mit ihrer Verachtung und ihren Schmähungen überhäufen konnte, und 'oft zog die unfruchtbare Frau vor. ihre Rechte mit ihrer eigenen Magd zu theilen, welche sie bei ihrem Mann vertreten sollte und deren Kinder.sie adoptirte. ' Die Geburt eines KiudeS war also eineder freudigsten Ereignisse,. die »jtt Familie begegnen konnten, besonders wenn eS ein männliche» Kind war, in welchem der Vater eine Bürgschaft für die Erhaltung sein«» NamenS, der mit dem Besitzthum der Familie verknüpft blieb, sah. Man freute sich viel weniger über die Geburt eine- Mädchens, deren Erziehung viel Sorgfalt erforderte. Wenn die Frau m den Geburtsschmerzen war, fetzte man sie in einen Sessel und eine Hebamme stand ihr' bei, wahrend andere Frauen mit dieser die Sorgen um sie theillen. Der. Vater, der während der Entbindung abwesend war. lief bei idrr freudigen Nachricht herbei und adoptirte das Kind, wahrscheinlich, indem er eauf seine Kniee nahm;, hie» lhat auch wohl der Großvater. Dir- * selbe Mode der Adoption rimtfit au-grübr, wenn «tz geschah, daß die Frau ihre Gattenrechte ihrer Magd abgetreten hatte. Wenn da- Kind ein Knabe war, so fand die Beschneidung acht.Tage nach der Geburt statt. Die Wöchnerin wurde altz unrein angesehen, während sieben Tagen für einen Knabeq und während vierzehn Tagen für ein Mädchen; nach dieser Zeit mußte'sic noch zurückgezogen bleiben drei und dreißig Tage für einen Knaben und sechs- und sechzig für ein Mädchen und durfte sich nicht heiligen Gegenständen nahen. Wenn diese Zeit verflossen war, ging ste in den Tempel, wo sie ein Lamm alS Brandopfer und hine Taube als Sühnopfer darbrachte; die arme Fräu nahm für die .beiden Opfer Lauben oder Lnrteltaubrn. Zn den alten Zeit«» wurde der Name dem Kinde augenblicklich nach der Gebutt gegeben und am häufigsten