Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 20 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 80 (sequence 4)
- Language
- German
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80 Ist majestätischer als Ahr — Ahr wandelt stumm, dach dieselebet Und ist allein de» Leben- Zier. Denn wie es sich au» dunklem Kühlen Zu Galt durch Sturm und Zweifel ringt. Und durch de- Herzenwilde- Wühlen Den Geist verklärend zu ihm schwingt — Da» ist de» Leben» Majestät. Au- Staub zu Gott erhöht! .Gott'. Ja Gott ist Liebe'. Er hat der Liebe ewig Sehnen Au» Sick unin da- Herz gesenkt. Und ihren Strom mit süßen Thronen Durch unsre Staubesbrust gelenkt. Doch wechselnd sind de-'Herzen- Schläge, Und wi< des Blutes. Welle rollt.. Wird Haß und^Racke in unrege > Und Zorn und Neid, der finster grollt. D rum nicht das Aug'. die Brust, -die Hand Des Staubgenoffen gkebt unS Liebe, Die . nimmer wank', die ewig bliebe — Ö, die sich nie von uns gewandt! Zu Gott hinauf der Liebe Sehnen, Da hat sie ihre ew'ge Au, Wie wir an Goms Thron unS lebnen. Eckau'n wir in'- wolkenlose Blau! Dabin Du eitle- Grdenlieben, Das mir den Kelck deS Giftebot — Doch alle Schatten, sie zerstieben Vor Gotte- Hauch und Morzenrotb! Gott! An Gott ist Frieden! Ach kämpft' den Kampf der Leidenschaft Und unterlag — Bis mich dahin die wilde Gluth gerafft Und Äsche lag Auf meines Herzens Heerd' Mein Haus zerstört ... Doch vor dem Herrn geht Säuseln her. Beschwichtigend und lind: Rub Plenschensobn. vom Traum so schwer. Sei wleker Kind! Ich bab' gekämptt den Kampf der Sünden Und unterlag -- Es rang mein Geist, nicht meine Schuld zu finden Am Freveltag — , BiS mich zerschmetterte der Fluch Am Menschenspruch ... , Doch vor dem Herrn geht Gnade her Und der Versöhnung Ruf: So lautere Dich, deS Dunkels leer, Wie ich Dich schuf. So sei denn Friede mir gegrüßt — Ich Hab' gekämpft, ich Hab' gebüßt — Nun wobnt daS Licht ii? meinem Geist. Und Friede ist'», der mich umkreist. Zieht hin, ihr Tag', in Erdennacht, Ach bin autiefem Schlaf erwacht. Zum Segen ward der Menschenspruch, Zum Heile mir ibr schwerer Fluch. Zieh' Erdball, deine alte Dahn. Mit Deiner Wahrheit. Deinem Wahn, Mit Deinem Leben. Deinem Tod. Mit Morgenroth und Abendroth — Einst nimmst Du auf mein todt' Gebein. — Ich geh' zu meinem Gotte ein. Aphorismen. voll Dr. Wahl in Coblenz. Albemerkenswerthe Erscheinung ist es zu betrachten, daß der römische Schriftsteller Cicero den Begriff „Sünde" (peccatam) eben so auslegt, wie der Sinn des hebräischen Wortes (Ue6etitetung) wirklich lautet. Er sagt nämlich: koccare est tanquam lineas transire (Sündigen heißt gleichsam die Grenzen überschreiten). Keiner der geringsten Vorzüge der jüdischen Religion ist e-, daß in ihr Glaube und Wissenschaft, Herz und Geist sich versöhnend die Hand-reichen, baß die Wissenschaft sich in der Religion wiederfindet, und die Religion fich gefahrlos im Lickte des Geistes spiegeln kann. Willst Du irdisches Glück, so wünsche Dir lieber die erquickende Morgensonne eineS Frühlingstages, von lauem Gewitterregen unterbrochen, als den stechenden Mittags« strahl, der nur Ermatrung zur Folge hat. Anfrage und Antwort. H. in L. Muß ein 'PN fhN Tbürcn haben oder genügt ein Vorhang? Allerdings ist nur daS eine „Lade", wo Thüren sind. Auch sind diese zur Conservirung der Thorarollen nochwendig. Anekdote. Einem bekannten jüdischen Restaurateur zeigte ein Gast einen Faden Wolle, der in der Suppe schwamm. „Nun", erwiederte Jener, „wollen Ä^^twa für 10 Sgr. eine Seiden-Mantille von Gerson h^^i?" Allgemeine Zeitung des JudenthumL Ro. 19. 1858. Leitende Artikel: Das KurfürstentbuMLessen. — Literarischer Wochenbericht. Zeitung-nachrtchcken. D<u1schland: Bayr«b. Altoua, Altona. Preußen: Berlin. Oesterreichischer KaiserMat: AuS Galizien. Großbritannien: London. &ST 3« bezirken durch jede» Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler, vierteljäbrlich */4 Tbaler. Verantwortlicher Redacteur: K. Nabe. Birl-g v,n BaumgZrtner'« Buchhandlnug l» Leipzig. — Druck von Alexander Wiede in Leipzig.