Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 20 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur Belehrung unk» Unterhaltung auf jüdischem fiekiete. HerauSgegebea vo« Rabbiner vr. Ludwig Philippsou in Magdeburg. Mtftr Momkct. Vre!« H« S*lr [9lo. 20.1858.] **'■ *■> gett»uß«tk»e«it>o»r» uetz»r» Veteüunzen au. ,ll. »uMmtliao». ««•>«' [i ». ^ghkß. 2. (AifllllL] Ueber die israetttische Sewtinde. ES itax von jeher eine große Fraget eine Krage, die noch mehr als die Gelehrten Israeldie Gelehrten der anderen Völker anregte, die Krage: wir edoch gekommen, baß Israel sich und seine Religion unverkürzt, ungeschwacht erhielt, als sein Allerheiligsteauf Morijah gefallen, als es den Mittelpunkt seines LehenS verloren, Jeruschalajim. alS eS aufeinem Sitze ufld Daterlande vertrieben. als seine Söhne und Töchterals Sklaven verkauft und über die Erde zerstreuet worden? Bei solchem Geschicke hat bijetzt jede- Volk sein Dasein, jede Nation ihre Existenz, jede Religion ihren Bestand verloren und ist zu staubbedeckten Trümmern geworden, deren Gewesensein nur auf den Tafeln ^er Geschichte spärlich verzeichnet steht. Israel aber bljeb und seine Religion blieb; Israel und fein Glaube begannen von da ein neue-, jetzt schon viel längeres Lebest, als vorher^ bald hatte »S wieder Kraft und-Einfluß gewonnen, daß eS, trotz seinem Zerstreutsetn, im großen römischen Reiche fast zu einer Rächt geworden, und so letzte und wirkte eS fort die Jahrhunderte. Wie ist di«jl gekommen? Wodurch wurde eS vollbracht?! Innerlich mußte fich dieallerdings auf eine so tiefe Ehrfurcht vor und Anhänglichkeit an hen Hettigthümern Israelgründen, die Alles, alle ungünstigen und feindlichen Momente überwand, auf leine so unerschütterliche Festigkeit deS Charakters, daß Ke immer wie» der vermochte sich auSzuprägen. Aber daS Innere allein genügt niemals, große Werke zu vollbringen, auch die Umstände und Verhältnisse müssen dazu paffen, und für» 1 daraus die noch jetzt üblich« n Gebete, der noch jetzt ungesetzliche Gottesdienst. W« hrend im Tempel der Opferdienst nach dem Gesetze Mos cheh'S mit den Psalmen und der Musik, die David etnge so schotr Jahrhunderte vv dessen Fall Hunderte von Betstätten in allen Thrilen gepredigt ward. Aber daS deS Herrn ward immer star er, und so entstanden neben den '» o auch tmc Ta gezeichneten Lehrer deS Ges zu ihren Füßen versammelter die Masse deS Volks und schaffen, und die Eristenz CultuS war längst nicht m« pelS selbst' gebunden, und ührt,. geübt ward, bestanden deS Landes, wo gebetet und Verlangen nach der Lehre „Lehrhäufer". rbo die aultzeS Tausende von Schülern um ihnen die Lehren, Deutungen und Ueberlieferunge« ihrer Vorgänger und ihre eigenen vorzuwagen. So »alte sich dareligiöse Leben bereits neben den»' Tempel ine volle Wirkungsstätte für für die HöherstrebeAden "geder Religion, ja selbst hehr an den Bestand deS Temnicht in ^rage gestellt, all wahr! in Nicht! können wir die wunde und Leitung der göttlichen Vorsehung in same Fügung der Geschichte Israelklarer schauen, all in diesem Thei e derselben. Zuerst. Nachdem nach der Rückkehr unserer Väter auS der Gefangenschaft in Babel der zweit« Tempel seine Zinnen erhoben, und ein halbe- Jahrhundert später durch ESra'S und Nechemjah'S Be nühungen die Religion Israeldie tiefsten Wurzeln i n Herzen del VolkeS geschlagen; da fing man an, all dareligiöse Bedürfniß nicht mehr durch die seltene itzeise nach dem fernen Tempel befriedigt ward, im ganzen Lande neben dem Tempel deS Herrn VrrfammlungShäaser no» Ta, oder wie man sie später griechisch benannt „Synagogen" zu errichten, wo da- Volk sich Sabbath und Fest versammelte, einen Abschnitt der Thorah värlefen, darüber predigen hörte und betete. Nach und flach entstanden dieser sein ehrwürdige- H,vpl »mter den BrauÜfackeln der Römer senken mußte. Während z. B. Jeruschalajim von diesen aufheftigste gedrängt ward, ließ fich der große Schüler Hillel'tz, N. Jochanan ben Saccai von seinen Sckülern in einem Sarge zu den Thoren hinaultragen und erhielt vom Detzpaflan die Erlaubniß, in dem nahen Jabneh ein Lehrbauzu errichten, von wo später die Pflege der Lehre .sich über ganz Asien verbreitete. Zweiten!. Jedermann-weiß, daß von Babel nur ein Theil, und nicht der größte, der gefangenen Jehudim nach Jeruschalajim zurückkehrte; die Anderen blieben in Babel, in Medien, Assyrien. Persien zurück, wo sie sich. bäuSIich niedergelassen und eS ihnen zeitweise wohlerging. AlS Alexander öer Große siegreich durch Asien und Afrika zog. gründete er in Aegypten eine neue Stadl, die er nach seinem Namen nannte. Alexandria, und versetzte. um die Stadt zu schneller Blüthe zu bringen, 100.000 Juden mit vollen bürgerlichen Rechten gleich den Griechen und Aegyptern dahin. AlS später vom syrischen Herrscher Äntiochia' .erbaut wurde, geschah ein Gleiche!. AlS daraus Zeilen der fürchterlichsten Kämpfe und Unruhen über Palästina kamen, gewöhüten sich unsere Väter immer mehr daran, auSznwand^rn und außerhalb deheiligen-Landeruhigere und sicherere Sitze aufzusüchen. Sv kam eS, daß lange vor der Zerstörung Jeruschalajim- Julen in. ganz Asien, in Aegypten und Cyrene, in Gr Gallien und dem westlich in großer Anzahl wohnten rchenland, Italien, Spamen, n und südlichen Deutschland daß z. B. ein halbe- Jahr-