Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 17 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 67 (sequence 3)
- Language
- German
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67 Lazzaristen in die Schule schicken, um sie in Sprachen oder sonst Wiffenswürbigem unterrichten zu lassen. Die Rabbinen wenden gegen diesen Schulbesuch niistS ein. Als geistliche Leiter fuiigiren der Chach »m Aron und de;. Ebacham Jakob Perez. Der Letzten ist von der kaiserlich türkischen Regierung als Würdenträger anerkannt. Beide stehen an der Spitze deS Be, dins, welches abwechselnd von zehn Chachamin gebildet wird. Sie alle sind Schüler des s?hr tief gelehrten im höchsten Ansehen stehenden.Ra-bhi Cbajim Romano, der. seitdem er diese Männer herangebildet hat. in sti enger Zurückgezogenheit lebt. ' ' Eine Bibliothek besitzt die Gemeinde.nicit, auch keine Handschriften; doch befinden sich im Hause Zarchi an 700 und in dem einer Wittwe an 800 gedruckte, altere Werke, während die Familie Stambuli beiläufig ebenso viele moderne Druckwerke besitzt. In dem Saal,, wo sie aufgestellt sind, versammeln sich täglich alle liabbiner von Damaskus, um zu ffudiren und gelehrte öesprecknnigen zu halten. Ein frommer Jude von Bagvat, Herr Jakob Zemach, der vor einigen Jahren starb. >ermachte ein Kapital, das jährlich 6000 Piaster Zinsen trägt, welche den Rabbinen von Damaskus' unter der i bigen Bedingung zu Gute kommen. Die Gemeinde hat keine Vorstehn, d e reichen Familienhäupter leiten die Geschäfte in Ve Bindung mit dem von der Regierung anerkannten Chtcham Baschi. Zu den Reichsten zählen in erster Linie die Familien Stambuli, Liöbona. Schemaja, Arari Jarcsi und Picciotto. Man halt dafür, daß sie 20—25 Millionen Piaster besitzen. Nur die Hälfte der männlich m Gemeinde- Mitglieder können Steuern bezahlen. Walrend die Synagogen durch freiwillig in ihnen gespendite Gaben sich erhalten, werden jährlich 30—40,000 Maß er gesammelt, um den Armen zum Osterfeste, ungesäueri eS Bist und Reis verabreichen zu können. Für Kranke ist. wenn sich nicht einzelne Wohlthäter finden, von?er Gemeinde nicht vorgesorgt. Den Juden ist gestattet zu wohnen, w, es ihnen in der Stadt gefällt, doch ziehen sie eS vor, sich auf nachbarlich gelegene Straßen zu beschränken, theils wegen der Nähe der Synagogen und ver Lehranstalten für die Kinder. Sie selbst besitzen zweihundert Hi user. Die Juden sind als gute Handwerker geschätzt. Sie sind sehr geschickte Woll- und Seidenstoffweber, 50—60 an Zahl, und an 70 Färber; Klempner ]0, Uhrmacher 3, Schuster 2, Schneider 6. Sonst ernawen sich eine beträchtliche Anzahl als Sensale, HausireLastträger. Die Neichen sind die Danguiers der Paschas und der Efendis, denen sie gegen daS Doppelte der landesüblichen Zinsen zu 24 Procent Geld leihen. Ebenso strecken sie ganzen Dörfern, wenn die Zeit 'der Stetereintreibung ist. Geld bis nach der Ernte vor und werd n Schupaschi, was dem Begriffe eines Finanzintendanten nahe kommt, genannt. Ein einziger Jude bebaut ibm eigen: Grundstücke und ernährt anständig sich und seine Fariilie von» Ertrage des Feldes. , Die Aerzte unter den Juden stehen mit den arabischen auf gleich niedriger Stufe, indem sie nur wenige allgemeine Begriffe und wie Quacksalber sietS ein Heer von unverständlichen besitzen. Ich lernte einen derselben kennen; sie studiren den. Galenus und' fangen an die Ani angcr der' neuen Schule in Aleranhrien zu werden, die aus Wie» und Paris ihre Wufzeln schlägt. Die Werke der französischen Aerzte werden ärößtcntheilS in's Arabische übersetzt^ ' [ Die geistlichen und sittlichen Zustände der Judeni» DamaSkuS unterscheidest sich nicht von denen der übrigen im Oriente. Die MissionSgefellschaft hat bis', jetzt vergebens ihre goldenen Betze in Damaskus ausgeworfen; doch kommt eS vor,-daß «in ober zwei Juden Mohammedaner werden, um--Geschenke zu bekommen; sie kehren meist nach einigrn Monaten zum Judenthum zurück. Im Jahre 1855 trat cjn junger Mensch aus de? Familie der Jarcki auS Liebe xu einem tSlrkischen Mädchen zum Islam über. Die Verschwendungssucht seiner Frau brachte ihn fast um sejn ganzes Vermögen.. Er soll zur Zeit meiner Anwesenheit'den entschiedenen Entschluß ^.geäußert baben, wieder Hude werden.zu wollen, das htzißt nach jüdischer Änschaustng, Jude zu bleiben. denn kein Jube hört nach der Taufe auf, ein solcher zu fein. ' Ich wobnte in dem Gasthofe. ..Palmyra", eine- Griechen Germanos, dem einzigen, der feit wenigen Iah-- ren in Damaskus besteht-, und war der Nachbar deS Freiherrn AlphonS von Rothschild, der eben auS Jerusalem kam und di« Reise über Baalbeck nach Beirut und Egypten fortzusetzcn gedachte. - Ich hatte Empfehlungsschreiben an ihn und stellte mich ihm in einem schönen Saale, durch dessen Fenster duftende Orangenblüthenzweige ihre Arme hereinstreckten, vor. Herr von Rothschild saß in einem Kreise von fünfzehn Chacharmm, die ihm eben ihre Aufwartung machten und unterhielt sich mit ihnen über ihre Verhältnisse. Nachdem. Gefrorenes. Kaffee und Tfchibuk gereicht waren, hörte ich ein Gespräch, daS Baron Rothschild anknüpfte und dessen Inhalt so traurig war. „Warum gründet ihr keine Schule,-um''eure Kinder auch in weltlichen Gegenständen, die ihr Fortkommen fördern könnten, unterrichten zu lassen?" „Es fehlen uns die Mittel,, da wir so viel für die Armen verwenden, müssen." ' \ „Ihr habt so viele Arme, eben wejl ihr eure Kinder nicht unterrichten, vor Allem, sie nicht genug Handwerke erlernen lasset." „Unsere Kinder sind zu schwach." „Warum legt ihr keine Fabriken an?" „Wir bekommen, .ja Alles auS Europa fertig?' „Das ist schlimm, weil ihr- Geld fortschicken und lheuer bezahlen müffeü" „Warum sorgt die Regierung nicht für ihre Unterthanen. Selbst w.eyn wir eS für uns selbst thun und Fabriken anlegen wolljten, bekämen wir keinen Ferman." „Jetzt aber, wo her Har humajum alle Glaubensgenossen gleich stellt." „Jetzt wird. eS vielleicht, möglich fein." " „Warum , treibt ihr nicht Ackerbau?" „Darf der Jude am Sabbat arbeiten?" „Wer hat in al^ gesegneter Zeit im gelobten Lande unserer Väter gearbeitet?"