Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 17 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches BolkMatt. Zur t Belehrung und Anferhattung aus jüdischem HeKiete. Herau-grgebeu von Rabbiner Ür. Ludwig Philippsou in Magdeburg. sRo. 17. 1858] I Bon dieser geitsckris erf&elnt wStentllck eine Bummer. Prell Ce* 3^hr gang# 1 tblr. Biei telliürig *7'/? B»r. »He BuAbantlangen. Poftä unb 3eti lu»gsek»ebirionen nehmen Bestellungen an. t>« [5. Iahrg. 2. ffinartal.J Die Juden in Damaskus. <Au» der vom Institute beravSgegebenen. in einigen Wochen erscheinenden Reise nach Palästina von Dr. L, 8. granfU) Ueber die Juden in DamaSkuS verdank ich Nachrichten dem Herrn Jussuf Elia», einem Torfioten, der durch feine Stüdien. und viele Sprachkenniniffe der eng. lischen Gesandtschaft in Beirut wichtige Dienste leistete und später alS Kaufmann nach Bagdad ging. Nachdem er in feinen Unternehmungen nicht glücklich war, kehrte er im Jahre 1639 nach Syrien zurück u,d ist feit die. fer Zeit Agent deösterreichischen Lloyd und Kanzler de» kaiserlich österreichischen ConsulS in Damaskus, dessen Verweser er zu verschiedenen Zeiten genesen ist. Gr spricht und schreibt hebräisch, arabisch, spanisch, italienisch, französisch, englisch und griechisch gleich gchvandt und hat sich tn den letzten Jahren auch die deutsche Sprache eigen gemacht. In seinem ArbeitSsaale, wo sich eine lletne, all' diesen Sprachen angehörende Bibliothek befindet, theilte er mir bei Nargileh und Mokka Folgendefreundlich mit: Die jüdische Gemeinde in Damaöku! zahlt 5000 Seelen, darunter 1000 von der Regierung besteuerte Männer. Unter diesen befinden sich nur 8—10 Aschkenasim, die mit sophartischen Frauen vetjheirathet sind. Der größere Theil der Juden in DamaSsu-, die nicht RajaS, sind österreichische' Unterthanen sind zwar 20, lO LoSkaner. 10 Franzosen, eigentlich Algierer, 6 Preußen, 15 Perser. Die Türken sind hier feindli her gegen die Christen alS gegen die Juden ober vielunhr diese sind weniger gehaßt als jene, weil sie nicht nid) politischem Einfluß oder Uebcrgewicht streben. Die araitische Ge. meinde ist ausgestorben; vor etwa 50 Jahren wurde ihre verlassene Synagoge an katholische Christel verkauft, die sie in eine Kirche umbauten, welche no«> jetzt besteht. Der alte Leichenhof der Karaiten zeigt r och sehr alte Grabsteine. Die Gemeinde hat acht Synagogen. ihre Namen sind folgende: > „Die Frauchi" zur Zeit der Vertreibung der Juden auS Spanien von den Verbannten erbaut, sie ist die größte und angesehenste, in ibr wird dreichal im Jahre, am Sabbath Eachor, am Sabbat Hagqdol und am Sabbat Teschuwa gepredigt. „Menascha." in dieser Synagoge soll | der berühmte Kabbalist Ohajim Vital gebetet haben, dessen Grab sich auf dem GotieSacker befindet. Die Judest wallfahrten > H I — zu demselben und legen die Ähuhe ab, wenn sie, sich ihm ikihern, um ein Gebet zu verrichten. „Raki." wie die vorgenannte vielleicht nach ihrem Gründer so genannt, wurde vvnder Familie Jarchi so genannt und ist jetzt' nach langem Verfall wieder neu hergestellt, sie ruht auf hölzernen, blaustlbern bemalten Säulen, zwischen denen die Wände als bunt orientalische Teppiche bemalt sich biaziehen. Die Synagoge „Det Pascha" besitzt eine uralte Bibel, die nicht gerollt werde» lann, sondern auf einzelne Blätter geschrieben, al» Buch gebunden ist, wie gewöhn, lich die Bibel der Kairaisten. „Chief," der Ursprung , de- NamenS dieses BethaufeS ist unbekannt, .angenehm fallen die bunten gläsernen Fensterscheiben auf. ,L8edrasch" dir kleinste der Synagogen wird von den Rabbinen mit Vorliebe besucht, weil Ke eine übrigenS nicht sehr große Bibliothek besitzt. „Dschobar'^ heiße hie Synagoge, die eine kleine Stunde von der Stadt eytfernt ist und zu der die Juden Syriens und PalLsting» wallfahrten. Hier in einer Höhle soll sich der Propbei CliaS verborgen gehalten haben. Der Bau reicht! bis in die Zeit deS Propheten Elischa hinauf unb sofl von Rabbi Elasa ben Arach nach längerem Verfall ^wieder hergestellt worden sein. Ich ritt hinaus und san^ rin weitläufige- Gebäude. daS der Gemeinde gehört, in welcheat sie Pilger und arme Reisende beherbergt. 3m. Hokaume diese- Hausebefindet sich eine mäßig große Synagoge in ziemlich verwahrlostem Zustande. Da» Dach fugt nicht mehr und war ein lustiges Flattern und Zwitschern von Sperlingen in der Synagoge, deren Wände kahl und ärmlich find, in deren Mitte; da wo sonst Almemer ist. von Holz eingegiltert die Htelle bezeichnet ist, unter welcher sich, wie mir der Wächter de» Hause» erklärte, da» Grab de» Begleitervon Eßia dem Propheten befindet. Er hieß mich die Schuhe ablegen und zündete kleine Wachskerzen an, um mich in die Grabhöhle selbst zu begleiten. Wir kletterten mühsam dunkle, sehr enge Stufen, hinab und befanden un» in einem kleinen Raume, in ntelchem zwei zerbrochene Säuleureste au- Marmor lehnen, vielleicht die Ueberreüe eine- Sarkophage». Don einem Steine, auf welchem der/Prophet Hasael salbte, wußte man nicht»; aber von vielen Wundern, die in dieser Synagoge sich ereignet haben sollen. Wir saßen wieder zu Pferde unb ritten zwischen duftigen Gärten, an riesigen Bäumen und ast vielen Brunnen vorüber, so daß