Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 16 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 64 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/4908862-5999346-6000837--1084-4909706- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Agen 1× ep/1043981
OCR text
64 Vas Judentum nur in der Innebalkung seines zwiefachen Gesetzes bestehe, und nur mir dessen allseitiger Würdigung seiner Bestimmung entspreche. Israels Dundcswcihe. Ich stand bewegt einst in dem frommen Rund, Mein schwimmend' Aug' durch belle Tbränen blickte. Als man ein Kind autnabm in )uda's Bund, DaS Punteszeichen auf das zarte drückte. Die Mutter sab besorgt dem Zuge nach, Dem sie den tbeuern Sprößliwg -anvenra'uet. Aus idrem Auge eine Tbrane brach. Doch durch die Thräne selbst die Wonne scharret. Der treue Vater mannbatt stand dabei, In seinem Auge bebte keine Zähre, Erbielt sein Liebstes koch ti? deil'ge Weib', Daß es dereinst ein Gouesstreiter wäre. So stand einst Abrabam bei dem Altar, Ans den sein Liebstes er als Opfer legte. Er bracht' eS mntbig seinem Gotte dar. Wie deftig auch der Sturm sein Her; bewegte. — Hörst du das Kind? eS fühlt den ersten Schmerz. Laß' dich, mein Brüderchen, ibn nicht verdrießen!. So stäble dir dein kleines. wkicheS H^rz. Wird to.ch noch öfters dir die Tbrane stießen. Du trittst in ein gebeiligt' Bündniß ein. Da gilt es mannban sein und nicht verzagen, Da muß man stclS zum Kampf gerüstet sein. Denn dieser ernste Bund.' er beißt „Enn'agen." O. tröste dich, kn kleiner Zsraelit! Es wird dein Webe einstens reich belobnen Erbst du das Kanaan der Schmerzen mit. So erbst tu auch das Schöne. taS d'rin wohnet. Einst-bli'ckst tu stolz auf die Vergangenbett: So ranz mein Volk, so strebte eS nach Klarheit, Sv stritt es gegen Haß und gegen Neid, . So blutete,-so litt eS für die Wahrheit. Neumaikr, d. 1. April 1856. W. M atterS d or f. — Auch eine göttliche Warnung. Vom Gardasee embält die A. A. Z. folgend« ltsensweribe Bemerkungen: ..In Südkirol. wo der Vogelfang mit maßloser Lei» denschatt getrieben wirk, bemerkt'man seit mehreren De- -cennien eine stäjigc Abnahme d/r Zugvögel. Vorigen Herbst blieben sie beinabe ganz aus, und es erhob sich ein allgemeine- Lamento -über die vorgebliche Weltfeucke. welche, nachdem sie Kartoffeln, Reben und Seidenraupen ergriffen, auch au» die Vögel übergeht, und den Eudtirolcrn ihren besten Spaß verkümmert. An den wahren, sehr ernsten Grund dieser Erscheinung dachten die wenigsten. Dem Herrn der Scköpfung.. welcher keinen Jnstinct, und vor dem unvernünftigen Thier den traurigen Vorzug har, sich unmerklich, aber mit Methode, zu Grunde zu richten, sendet der liebe Gott zuweilen jene handgreiflichen Mah. nungen und Zeichen, die jeder, auch wenn er den KoSmoS nicht gelesen, augenblicklich begreifen sollte. Und dennoch werden sie nicht immer verstanden. Ueberschwemmungen waren in alten Zeiten ein so seltenes Dorkommniß, daß man dafür Denksteine setzte; jetzt könnten Denksteine für diejenigen Jahre errichtet .werden, welche ohne Heberschwemnurngen abgehen. Der Hagelschläge wurde in den Pachtungen kaum gedacht; jetzt kommen sie jahraus jahr. ein bald da. bald dort, und auf sehr ausgedehnten Landstrichen vor. lieber einen Sommer ohne Regen wurde ein Menschcnaller lang geklagt; jetzt sind allenthalben Wasserleitungen im Werk, um der jährlich eintretenden Dürre zu begegnen. Die Wohnungen unserer Väter beweisen . daß dicrlandS das Klima ein anderes geworden. Bei Herren und Bürgern stand ein einziger Lfen im ganzen Haus; einfache Fenster mit runden Scheiben, einem Sieb vergleichbar, und schlechte Verschlüsse sorgten für Erneuerung der Lufr; Mäntel waren be» den Bauern ein unbekannter Lurus. Es wäre mißlich, bei einer 6 bis 8 Wochen währenden Kälte von —- 8° R. und den periodisch wehenden Winterstürmen der Gegenwart mit den alten Mitteln zu bestehen. Nun nehmen auch die Zugvögel einen andern Weg. Ist dies nicht die Stimme Gottes, die ganz vernehmlich sagt: „Euch zum Segen habe ick die Wälder aus euren Bergen gepflanzt, damit sie die Quellen eurer Flüsse büten, die Luft im Sommer abkühlen, im Winter mildern, die Stürme und den Hagel abwebren, die Wolken sammeln, um eure Felder zu befruchten, die Rinde der Gebirge zusammenhalten, daß sie euch nickt verschütten und begraben. Ihr aber reißt den Wald mit Stumpf und Stiel auS, öffnet in thörichter Verblendung dem Unglück alle Thore, schneidet euch und euren Kindern die Lebenswege ab. und macht auS dem Paradies eine Wüste. Da senke ich euch meine Boren: die Ueberschwemmung, den Hagel, die Dürre, die Hitze, den Frost und den Sturmwind; den Flug der Vögel leite ich durch die Länder anderer Menschen, welche meine Woblrbaren nicht mutbwillig niederlrelen. euch zur Warnung. damit ibr vernünftig werket." Allgemeine Zeitnag beS Iudenibums. No. 15. 1856. Leitende Artikel: Rur keine Zweideutigkeit! — Das wabr« Lebensrrinciv de» IubeutbuwS. — t^roßbrikaunien. Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten. Deutschland: Fiirtb. aus Württemberg. Lesterreichischer Kaisersiaat: Prag. Die Schwei;: Ober- Undingen.' Bern. Schweden: Slockbolm. Rußland: Aus Littbauen. ftS" 3“ belieben durch sek es Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Tbaler. vierteljährlich *,4 Tbaler. Verantwortlicher Redacteur: K. Rabe. Verlag von Baamzärtaer? Bachsaublang « Leipzig. — Druck von Al er ander Diebe in Leipzig.