Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 11 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 3)
- Language
- German
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sonst saß er sattelfest bei den gefährlichsten Gesangkunst, stücken. Der Letzte aber, ein verwachsene- Männchen, ein Kobold mit hoher Pelzmütze auf dem spitz zulaufen, den Kopfe. war der „Meschamesch Asches' Er hielt sich nicht nur für schön und liebäugelte bei.Ifeinen 50 Zähren mit jeder hübschen Tochter eine- Gemeindegliedeb — im Dünkel unwiderstehlichen Zauber-, sondern er zeigte auch große Proben von Muth, in seinen Reden —wenn er bei einer Chaßneh oder BriS-Milah überiein Gla- Wein getrunken hatte. Freilich «in Mal konnte ihm sein Hel. densian sehr gefährlich werden. Bei tft Rückkehr von einer Chaßneh hatte ihn der Dunst der § genossenen Spirituosen hinauin'- Freie auf die große Heerstraße ge. führt, wo' ihm ein Trupp bewaffneter Landsknechte begeg. nete, die ihn al- Däumling. Pfeifenstöpsel, Tintenkler re. nergelten. Daverdroß ihn über die Maßen, so daß er sein Borschemeffer zog und edem Anführer de- Truppdrohend zeigte. Da kam einer der Abtbeilung, ein vier, schrötiger Altmärke, auf ihn zu. hob ihn in die Luft, stellte ihn auf dir flache Hand und trug lihn so unter dem Halloh der nachfolgenden Kameraden, beim Trompeten, geschmetrer der Epielleute biin die Stadt, wo er ihn, «ehr todt allebendig, auf einem Ecksteine absetzte. An diesen Triumphzug durste «an aber de» Reizbaren nicht erinnern. — Die Ankömmlinge grüßten den Rabbi und begannen sofort, der eine diese, der andre jene Frpge über die Li. turgie demorgenden Festtage-, über dijese und jene Ce» remonte, Anredung und Sitte an ihn z» richten. Diese Gespräche interesflren uvwenig, wir jverlaffen de-halb den Rabbi und eilen zu einer ganz andern Scene. 3m Hause de- Pastor- Gtegel-berg > zu Latdorf ging» heute Abend lustig her. Und nicht ohne Grund. Sollte doch die hübsche Pastvr-tochter vom reichsten Bauer-sohn au- Gerbitz alsein eheliche- Weib hetmgeführt werden. Dem HerzenSbunde hatte der Diaeonu- Gerfon heute die kirchliche Weibe gegeben. Und welche Predigt war da» heute früh, weiche Traurede heute SHachmtttag. Die ältesten Leute im Dorfe konnten stch solcheschönen Sermon» nicht erinnern, und ein über da- Andere Mal schüttelten sie verwundert den Kopf über de« Diaeonugroße Belesenheit im neuen Testamente. Wie die Derse so ganz anderklangen au» dem Munde eine« stützet» Juden. Da sehe man. sagten sie. was wahre Bekehrung sei, ..daist ein Wunder vor unfern Augen!" Und warum sich der Gerfon nur ihren Huldigungen entzogen! habe, warum er so betrübt darein gesehen, alihm der reichste und älteste Gut-besttzer im Dorfe, der Schulze Haberland, in der Schenke die Hand dankbarltchst gedrückt und ihm im Na. men der ganzen Gemeinde entblößten Hauptegesagt: Gestrenge Hvchwürden, Nichtfür ungut, aber hättet ihr al- Rabbiner so gepredigt, wie heute osi- Diaronu- — nein, ekann nicht gewesen sein. Euch hätte die ganze Rotte folgen und da» Saerament der hstligen T-ufe nehmen müffenV* — Von diesen andächtiges Zuhörern dreh, ten sich nun jetzt die jüngern im lustigen Reigen, die iltern Männer saßen in den Nebenstuben de- Saale-, plaudernd und scherzend mit ihren Frästen, oder zechend und spielend untereinander. War auch der Herr Pastor ein geschworener Feind * de« Spielteufels, heute lief er feine 'Pstnwetngeseffenen eine, Patt mit ihm schließen, heute durfte, sie würfeln- (kvöcheln, wie fie e» nannten), baß alles geschah in den ober« Räumen. Unten aber saHen i» Bibllothekziwmer apart für sich der Hochzeit-Vaters der Daccalaurru» Sachse, außerdem noch mehrere Geistliche auder Nachbarschaft und auf dem Ehrenplätze der Distconu» Gerson. Auch sie hatten dem Dein, alle tüchtig Izugesprochen, da» zeigten die geleerten Flaschen vor ihnen^ die gerötheten Gesichter, die lauten Reden — nur bcr> Gerfon trank Daffer, sein Gesicht war bleich, seine Stimme gedämpft. Er allein führte die Rebe, nur dann u»d wann vom schallenden Gelächter der Uebrlgen unterbroHen. t) Analekte« und Hiuaoreske» uns Talmud u. Midrasch von D. ö. Straffer, vez.»Rabbi»er i>z Gzaroat. Daß unsere alten Rabbine» auch auf dem Gebiete de» Humor» sich unterhielten und biblische Erzählungen zum Stoffe ihrer finnigen Bettachtungen und gewürzten Laune wählten, dürste den meisten Lesern iese- Watte» nicht unbekannt sein. Und so mögen hin von Zeit zu Zeit solche Stell?« ihren. Platz finden.^daqstt der geneigte Leser auch da seinen Durst nach-gutem Humor stillen und sein Müthchen kühlen könne. Wir wählest heute einige launige Bemerke« chber die Schöpfung de« Weibe» au» des Manne» Rippe, (siehe Jalkut Gen. 8. 23 und 24.)! ' " L. Warum geht der Mann mit gesenkte« Blick nach un. len und da» Weib mir aufgerichtetem nach oben? Der Mann sieht auf den Ort, woher er entstaahen, (die Erde) j da» Weib nach Dem. woher e» entstandest (dem Mann). Warum ist dir Stimme de» Weibe» au-gtebiger, al» die de- Manne-k - Weil Bein (jllippe) ein besserer Tonleiter ist al- Fleisch. Warum laßt der Mann sich leichter besänftigen al» da» Weib? , Weil der Marin au- Erde ist, welche selbst von einem Tropfen Äaffer erweicht wird (füllte dieviel, leicht eine Anspielung auf dir Lhräne sehn?) da» Weib hingegen auS Bei»,-da», wenn e« auch einen ganzen Tag im Wasser liegt, nicht weich wird. Warum sucht der Mann da- Weib iund nicht da- Weib den Mann? Da» gleichet Einem, der etwa» verloren hat, da suchet er da» Verlorene und nicht da» Verlorne ihn. , . Einst sprach ein Easar zu Rabbi Gamliel „euer Gott ist wohl ein Dieb, da rr dem Adam unbewußt, im Schlafe