Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 11 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches BolMlatt. 3« Belehrung unfi Unterhaltung auf jüdischem Hehiele. >N Rabbiner Vr. Philips»» in Magdepnrg. Bl* u >S-«I ft**» l. «.EI Der Pastor und DLacouuS Ratbi Gersou Liberdach. von Rechtsanwalt vr. Lal« in Brrnturg. Haft Allah ging. Ql war dunkle «acht ich »er Straß«, in ihrer Seele aber leuchtete »er Gftnrn des Hi«. Quer durch de, AtOttzeaN Kirchhof, vor- »eb « den siu-e« Mauern bei G«^»WWD, über de» breite» Weg ßt»g He eilige« Schrttttlj. Hamit Nttmanb in Ihr die -ddfta entdecke »n» He Hede Mteidebbttel zur HeAsch»», UfcUtfet, well ft da» verbot üerkrtzte »nd att Mdi, sich «»ßerhalb hoüi-Ad>»tz»tztz. »ach 9 Uhr LbmKB nkttzte; Hs bog VOM dnr breite, Sttaße in eine sch««üp MM eia, btt ßch, eßwGlnschnitt durch btt Giebel» MftadsLMslM hoher Nachb«lhä»ser. wie ein rrenanngl. Pich», l„ fhtga «ebchutirt und ganz hezeichuand noch heule „Purzelgaffe* benannt wird, und wollte weiter diese Gaffe verfolgen, die tn'l Zudendorp mündet, als sie ziemlich in der Mitte derselben den Diseurs zweier ibr nicht unbekannter Stimmen vernahm. Sie blieb stehen und lauschte: „Nossen sei kein Narr. Ich kann kein Wort deutsch lesen, und kenne die ganze Katechilmulbescheerung schon auswendig, so fleißig hat mir der Küster an der Nieolaikirche alles daraus vorgelesen. „Dem Raw und Ellah will ich beikommen, und dal kann dal rothe Meyerche nicht. Geld und Aasehn will ich erwerben, und dal kann ich nicht all Hauptbalphen in der KUeh. Lhut'l mit, wir ziehen dann selbander, und der Parnoffehwagea fahrt leichter — nennt Euch der Raw nicht einen Amhoorez? Darf »an dem nicht dtt Nase aufschlitzen? Wißt Ihr. was ei» Amhoorez ist bei den Juden? Ein Talglicht am Schabbrsabend. ein Stück Brot am Passah, ein Effrog nach Ssuckei. „Seid kein Narr und folgt mir, wenn nicht heute und morgen — werdet Ssiwches Taureh Chojsen von ihrer Laureh!" »Nein. Meyer, ich thu es nicht. Du hast recht, ich bin ihr Schlemieel, sie machen sich einen Iontew aus mir — erst heute früh sagte der schöne „Löb* zu mir: ..Nossen, komm krorgen Abend zu mir, ich will mal zu Deinem Ssechel .gut Q!o|* sagen —*• aber nein, ich thu' es doch nichts „Und »«turnt* Alle Jahr geh' ich zweimal auf den guten Ort und weine mich aus am Kewer meine! Vaters und meiner Mutter — und dal ist meine einzige Erquickung auf Erden, die laß ich mir nicht nehmen.* .Rn», bleib ihr Schlewieel fort. Nossen. Du H«A »ich geßeogt. wie D« Deine Sage vergesse,, kannst, ich Hab« Dir den Teickh gegeben. Willst Du nicht, dann kan« an Deiner Kaicheh weiter, wa» kümmert l wich? ^Thu' mir aber de» Gefallen. Ich will jetzt zum Dreikronmwirth Lorenz gihen und de« lutherischen Rabbi Pferde und Wagen zur Äieis« nach Latdorf > bestellen, er wird schon in aller Frühe Sonntag zur Trauung fahren; ich aber soll morgen »nd bbermoegea dp» ganze» Tag »emorire». wie sie es nenne«, «ei»« Deaoßcheh einst»- dire» »nd Montag nn Eure» Ionte» warb''.ich gerauft. Th«' mir den Gefaste» »nd ko«« eine Blerttlstnnde »nrher. ehe dal Ehafenche .Flussaue Tote»" abfisgt, in «et» Hanl, dann ist doch schon Schofer geblasen^ da»» IM Dein Fortgehen nicht auf, Dn kannst auch Lest» ToßH«> lach verhalten, all hättest D» Nasenbluten, willst ttot" ..Aber Meier," sagte der Andere, ..D« ka,nft doch all Goi nicht mehr in Schul' konunen, was soll dal?" „Ob ich kommen werde." lachte,Meyer höhnisch ans. ..wohl werde ich komme«, daß lle die Avgen anbaetße» sole» und nicht allein komme ich. Nossen, ich brt»gerHwel Orchi» für den Rabbi mit, ela . paar Herolde für den Jom Ha» din. Aber jetzt, gute Rachr. Doch halt — noch eiaiw Die Rebbeffen spukt noch in der Umgegend, sie will sich nach Coswig durchschlage», willst Du eine» Spectesthaler verdienen und den Brief an den Lehrer Gerson junior nach Coswig besorgen t Der Herr Pastor avistrt darin bloß ihre Ankunft und bittet um ein polszeülches Abführunglmitt.el. so denk' ich mir — willst Du es thu«? Ich habe doch auch die arme Frau zu schnell Rauschel geheißen vor acht Tagen." ,.Zch will «ir'l . überlegen. gute Nacht." sagte dieser und ging in'f JntzeAdorp. ..Du und überlegen." schrie ihm Meyer höhnisch »ach — wo liegt Dein erster Thaler und wo ruht Drin erster Gedanke? Allerweltlschlemieel," murmelte er zwischen ttn Zähnen, und ging ln entgegengesetzter Richtung nach der breiten Straße, dich» an Ellah vorbei, so dicht. daß er fast ihren Mantel streifte. Scheu und schnill, wie erlöst aus einer Gefahr, lies diese, za» nahen Haufe jihrel Vaters. Der Roschhaschanahabend war gekommen. Im Hause des Rabbi Hirsch Glkau saßen Ellah und Bräunche, der Rückkehr des Gebieters aus der „Schul'" gestmrtig. Hell brannte in der Stube die messingene Lampe, 'und wie sie