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Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 8 (1858) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
8 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches VolkSblatt. Zur Lelehoung unk) Unterhaltung auf jüdischem Gebiete. HerauSgegeben von . - j Rabbiner Dir. Ludwig Philippson in Magdeburg. lNo. 8. 18581 VÜTJ£*S» <r(d>tinl «in« Mnmmtr. »reis kes Ipdr« rl,ädr,g 7'/, Ngr. »II« Vu«t>d^»ttvn-en. PvüÄker fr), ■Jflbl'Ä 1. (1Ttfl I I und ZeMlNi<erv«tit>on«a nehme« £«ft<IIu«iRtn an. *- y " » I Der Pastor und Diaconus Aabbi Gerson Biberbach. Bon Rechtsanwalt Dr. Calm in Lexiiburg ach wohn' in cnzen Kossen. Wobin der Ehrist uns ans k 4r ahnt es nichk. wie selbst l. £c< WeibeS Kuß, des Kinde' Aaafta ookeln «chlüste», n Stätte« stieß; TrachenNütteu Lächeln süß. — ins Grün. Der Besuch. Es war ein trauriges Jahr für daS S ätlchen Bernturg, das von IG2i! Der Landesfürst C »ristian I. nach der unglücklichen Schlacht auf dem weiß 'ii Berge bei Prag vom Kaiser Fekdinanv ll. in die "Acht erklärt, weil er „wider den Kaiser KriegS-Dolk geworben. Ihn damit in Böhmen und Oesterreich bekrieget, fast in deS Kaisers Angesicht Schlösser, Städte, Flecken und Festungen gewaltsamlich eingenommen, allerhand Hostilitäten, bis er endlich in die Flucht geschlagen worden, chider ihn verübet", mit seintr Gemahlin und seiney Kindern in Flensburg von berGroßmuth des Dänenkönigs Christian IV. unterhalten. sein ritterlicher Sohn, der nachmalige Fürst Christian- II., in derselben Schlacht vom Perdugo gefangen , vergebens für feinen Barer und die eigene Freiheit in Wien sich bemühend, die Büsger in bsnger Erwartung der Zukunft durch tägliche Detsiunden „wegen der gefährlichen Lauffe in« und außerhalb des Römischen. Reichs" in stündiger Besorgniß gehalten; der Hof, die Beamten und die Geistlichkeit seit kurzer Zeit der calvi- Nischen, die Bürger im Herzen der lutheiiischen Religion mit der Ritterschaft und den,Dörfern zu^ethan. Handel und Wandel wie auSgestorben, Lasser und Verbrechen im Schwange. Steuern und Abgaben schon unerschwinglich! So die Lage der armen Stadt um jene Zeit. Was Wunder, daß das Gemüth des Bürgererregt, sein Sinn mißtrauisch wurde, Bigotterie und Unglaube gleiche Wurzeln schlugen. WaS Wunder, daß den wenigen Juden der Stadt die Schuld des göttlichen Strafgerichtbeige, messen, daß nicht in der Völker und Fürsten, im eigenen Thun und Lassen, sondern in der bloßen! Eristenz dieser „fluchwürdigen Brut" die Lösung für das Räthsel so vielen Ungemachs gefunden wurde. Und die Juden BernburgS-? \ \ Familien stark, wohn, len sie im „Judendorp", einer pflasterlosen, krummen. dunkeln Gaffe ohnweit! der Stadtmauer. Ein paar Stufen führten von der IstetS kvt^erfüllten Straße in jedes Wohnhaus, wenn man einen ungedielkdn einstöckigen Raum, mit vier Lehmwänven, fensterlos )iach der Straßenfront, mit schießschartenähnlichen Lichtöffnrmzen in der vom dunkeln'Walve begrenzten- Hinterseite, feucht der^voden und die Wände von den jährliche» Ueberschwcmmungcn der Saale, ein WohnhauS nennen kann.. Du siehst noch heute, Leser, einige Vieser traurigen— Statten. Gedenkzeichen menschlicher Unduldsamkeit und opfermuthiger Glaubcyötreue, aher nicht der AerMste wohin mehr darin. Sie dielten als Scheunen und mancher Indenknabe steht davor, sich. fte«end, wenn vom emsigen Schlage der Drescher im Tarte der Erdboden dröhnt. Ahnt wohl sein froher!Sinn, daß die furchtbarste» Schläge deS Geschickes einst oln demselben Orte auf die Häupter der Altvordern -fielen? TheilnahinloS gebdn ja feine eigenen Eltern vorbei. ü«V dieser! und jener Enkel auS derselben Jammerstättc prahlt jetzt'übermüthig mit seiner Villa im Thingarten, alS habe er iuir seiner Klugheit den Wechsel deS Geschickes zu dankcg. Nur ein Haus!in der ganzen, einen Reibe der ängstlich aneinander gedrängt«» Judenbaracken, wie der VolkSwitz sie nannte, (die andere Seire-Ider Straße bildeten die Hintcrgebölte großer christlicher Wohnhäuser) zeichnete sich durch^shinen massiven Bau, seinen Hellern 'Anstrich, durck einige! Fenster mach der Straße und durch eine zweite Etage vottheilhaft von de« übrigen guS. DaS hatte Thile Goldfchmid 1462 von . Bernhard VI. gekauft. Daneben la^ die „Jlitenschul^". eher, einem großen Keller über der Erde, 'als einem Tempel Äottes ähnlich. Jetzt ist sie der Holzftall eines BäckerS. doch wunderbar! durch alle Zerstörungen der -Zeiten haben sich die zwei Worte an der Wand bis zu dieser Stunde erhalten: . *n Tnä , Treten wir nun in daS Goldfchmid'sche HauS. Darin j wohnte zur Zeit unserer Erzählung der einzige begü- ' teste Jude BernburgS^. zugleich Rabbi der Gemeinde, Hirsch Elkan. Von seinem Vater hatte er die- HauS ' und eine erkleckliche Summe Oeldes ererbt, den« der hatte ' manches kostbare Geschmeide für Fürst und Edelmann in Leipzig eingekauft u»d durch weise Sparsamkeit seinen Verdienst gesichert. DeS RabbtS Mitbewohner waren nur seine einzige Tochter Cllah und eine alte jüdische. Magd^ MendetS Dräumche genannt. Der Gattin, Ziporab,. hatte Ellah'S Geburt den Tod gegeben und sie lag ihm

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