Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 7 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Volksblatt. Zur f! Ketehrung und Unterhaftung auf jüdischem gekiete. HerauSgegede» voa Rabbiner ür. Ludwig PhUiPpsou in Magdeburg. t«o. 7. 18S8.I Bo» dieser Srtlsa^tfi erfüll«» »<ch«»titch ei», ««»«er. »reid-de« tzahr« »a»g» 1 r»lr. «ieriegäbri- 7»/- R,r. Ue Buchtzandl»^en. Oo««ler un» geitiui«»expe»tn»»e« nftantn »ek»0uo«eu «». [5. Zdhrg 1. dturtaL] 3 n e $. * Eine wahre Geschichte. (Rach dem Englischen der Miß A gu i l ar.) > lSchlrß.) .Ich bleibe auf keine« Menschen Soheiß!- lautete die stolze Antwort. .England erkennt die > Oberhoheit der Inquisition nicht an. Hütte ein solcher Flüchtling auf meinem Schiffe Schutz gesucht, so würde keine Macht der Inquisition, vom ganzen Königreiche unterstützt, mich zwingen, sie herauSzugeben." Zeit zu antworten oder Gewalt anzuwenden blieb keine. Alle Segel entfalteten sich auf das Commando- Wort, und mit Blitzalschneüe fuhr da« jst-lze Schiff, mit seiuem echt englisch gönnten Führer, der offenen See zu. Inez hatte Alle« gesehen. Alles gefühlt; aber obgleich ihr Herz schneller schlug, gab kein Wort, kein Zeichen eS zu erkennen. Hie sah, wie der Eapitain nach ihr hinschaute, und einen schrecklichen Augenblick lang wußte sie nicht, ob diesem Blicke der Sntdeckupg — denn da« war er — ihre Auslieferung oder ihre> Rettung folgen würde. Aber seine Worte beruhigten sie bald, und schickten sie hinab zu. ihrer Lagerstelle, mit dem dankbaren Gefühle, daß alle Gefahr jetzt vorüber war. Sie war unter Englands Obhut, und keine Inquisition konnte ihr mehr etwas anhaben. | Aber eS war nicht die bloße Ueberzeugung der Gefahr, welche ihr diesen Muth zu dulden verlieb. Während der ganzen Fahrt bewahrte sie nicht nur ihr« Standhaftigkeit, sondern auch ihre Heiterkeit, und als sie in England von IulianS Freunden mit der größten Gastfreiheit aufgenommen wurde, erkundigte sie sich sofort Inach den besten Mitteln, sich ihren Unterhalt zu verschaffen — ob sie sich nach Näharbeit umsehen, oder feine- Bajckwerk feil halten sollte — Beschäftigungen, für welche die ^Klostererziehung. die sie genossen hatte, sie vorzugsweise befähigte. Und theils durch ihre blendende Schönheit, theilS durch ihren sprudelnden Witz und ihre treffenden Antivorten, hatte sie, ehe zwei Tage verflossen . Jung und Aft vollständig bezaubert. Am Abend des dritten Tages war Herr Nunez mit seiner Familie zu einem Freunde eingeladen, der in der Nähe von London wohnte. Er ließ daher absagen. weil er eine Dame auS Portugal zum Besuche bei sich hätte, erhielt aber zur Antwort, er möchte die > Dame dock mitbringen. .Ich in Gesellschaft gehen! .und meine ganze Garderobe besteht auS diesem einen Anzug?- war ihre lachend« Entgegnung. .Ich werde Ihnen Schande machen, meine werthen Freunde.* Man versicherte ihr. daß Kleidung Nebensache wäre, und wenn auch nicht ganz, daß sie doch nicht besorgt zu fein brauche, da sie ihnen durch ihre ganze Erscheinung mehr Ehre machen würde, al« Unehr« durch ihren Anzugs welcher, nebenbei bemerkt, auS einem schwarzen Sammetkleide bestand, das Äe blendende Weiße ihrer Haut besser hervorhob, alder gewählteste Putz eS hätte thun können. Nach dem Hause ihre- Freunde« gingen sie also, und die schöne Fremde, mit ihrem gebrochenes Englisch, ihrem eleganten Portugiesisch und ihrer romantischen Geschichte» fesselte bald die allgtmetne Aufmerksamkeit. Segen die Mitte de« AI schnellen Heranrollen | eine« an die Thür folgte, die A> »Das ist Azavedo," bei weil ich vier Pferde böre. ihm. immer mit Vitren zu ndS erkannte man auS dem agenS. dem ein laute« Pochen nn eine« neüen GasteS. erkte Einer, »ich kenne ihn. Eine sonderbare Grille von 'ähren, während er sonst so anspruchloS ist. Erwarteten I sie ihn. Eordoza?" ftagte er seinen äBirtfc; J .Er sagte, er würde auf seinem Wege nach Epping vielleicht einsprechen, »Wie verändert nere mich der Zeit, " war die Antwort, er ist," sagte ein Anderer; »ich erinalS er alle Gesellschaft mied, und besonders jeder Schönheit au« dem Wege ging, als ob der Vergleich mit sich f^Wst ihn zu sehr schmerzte." »Dennoch hört« ich ihn noch nie ein Weib bewundern,- entgegnete der erste wieder, »und bi» neugierig, ob er unsere Schönheit' dorr bemerken wird.- Azavedo kam bei diesen Worten herein, und nachdem er Wirth und Wirthin begrüßt hatte, begann er eine angelegentliche Unterhaltung mit einem seiner Freunde, den er dort traf. Ein fröhliches Lachen, daS au« der Mitte einer lustigen Gruppe am andern Ende de« großen Saales leise herüberklang. machte, daß Azavedo plötzlich so zusammenfuhr, mit einer so unbeschreiblichen Veränderung in seinen Zügen, daß man besorgt fragte, ob er unwohl wäre. Er gab zerstreut eine verneinende Antwort, aber sein Freund, der seine Blicke auf dw Gruppe gerichtet sab, nah» Veranlassung. die Geschichte der Fremden zu erzähle», von der da« Lachen bergekommen war, und fordert« ihn auf, sich dem Kreise um fii zu nähern. Etwa« zögernd that er e«. Inez batte, na» der Sitte ihre« eigenen Lande«,