Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 6 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 24 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 89% known words query
- IRI
…/4908862-5999346-6000826--1034-4909666- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Banat 1× ep/1272623
- Jelgava 1× ep/1000666
OCR text
24 jüngst auf e iapet gebracht unv das christliche Mittelalter mit Menschenopfern verdächtigt baten. Leider sind hie Menschenopfer tcS altdeutschen EulruS nachgewiesen. Da die heidnischen Cpfei überhaupt später bei heimlichen Anhängern drS alten Glaubens in Zauberei übergingen, so ist es natürlich, daß dem kostbarsten Opfergegenstande auch die höchste Zauberkraft zugeschrieben wurde. Daß die Erinnerung und die Anwendung solcher Opfer noch lange im Volke forterbalten geblieben, beweisen die ron den Heren angewandten Kinderherzen, wovon der Herenhammer teS Jacob Sprenger spricht, und die Kinderbändchen, die in der DiebSkunst angewandt wurden, und wovon oben unter^dem Aberglauben bei Heven und Dieben bereitdie Rede war. Je mebr das Heidenthum vergeffers* oder doch in der Volkscrinnerung außer Zusammenhang getreten war, desto leichter wurde es den böswilligen, im Aberglauben befangenen Menschen» jene aus heidnischen Opfern und Zauberwirkungen int Volk umgehenden Sagen auf die ,dre- Reictubums wegen beneideten Juden zu schieben und sie dadurch verbaßt zu machen. Mit ähnlichen Märchen hat man ja nicht bloS die früheren Ketzer und die Templer. sondern sogar noch die späteren Jesuiten Verleumder. .Der ungebildete Haufen weiß die Alrertyümer nicht wach den Rationalitäten gesondert zu erbglten, er ist gewohnt, dem ältesten Volke das Veraltete vor»tgSwelie zuzuschieben, und dadurch kam beim gemeinen Mann den Juden -gar viel auf die Kappe, da man neck oft die Meinung äußern dörr, daß die ältesten Städte Deutschlands von den Heiden eher von den'Juden gebaut worden seien. So auch ist Grund und Ursprung für die Sage von Kinteropfern. womit man die Juden bezückitigte. zunächst im deutschen Heideurbume ju suchen, und erst dann, als diese Sache den Gelehrten zur Rachsrage in die Hand-gegeben war. als kiese in den Annalen keS TaeituS und andern, altrömischen Schriftstellern die dem Chriüenthume unter dem Namen einer -Judensecte angedichteten Abscheulichkeiten nicdergeschrieben fanden, da mußte und sollte eS eine Judensecte sein, die des EhristenblutS bedurfte. Voruriheit und Fanatismus wirkten bei diesen Verwechselungen mit. und. also befangen und von dem Anzehen der vergötterten alten Schriftsteller umnebelt', siel daS Volkseigne, das Räherliegende, aus dem sich die Sache allrinzig in ihrem Zusammenhänge erklären läßt, ihnen gar nicht ein. Bei allen Judenverfolgungen früherer Zeit batte man die Raubmorde nie mir der Ehristenblütssage zu beschönigen versucht; selbst bei dem Judenmorde des ersten Kreuzzuges. J&adie Kreuzfabrerrotten keS Volkmar. deS Grafen Emich und anderer Unmenschen im Jahre 1096 bei 12,000 Juden gemordet harren, diente blos die Rache für die Kreuzigung deS Heilandes zum Vorwände der fanatischen Greuel, und erst nachdem Päpste. Kaiser und Bischöfe die llnrechtfertigkeit jenes Vorwurfes dem Volke klar gemacht, wurde eS mir den Märchen '.cm Cbristenblute belhött und verbeyet. Gottvertrauen. Ich Hab' einen Tempel mir selber gebaut. Und drüber als Priester mein Herz betraut, DaS hülle darinnen die heilige Wacht Am Hellen Tage, bei dunkler Nacht. Es bete voll Inbrunst zum höchsten Hort, Es predige lauter daS heilige Won, DaS Orgelspiel töne so hell und so rein Beim Sturmesbrausen, im FrühlingSschein. Den Tempel, den nannt' ich: Aus Gon vertraun, Da lernt' ich in Röthen zum Datei schaun, Da lernt' ich in Liebe die Menschheit umsahn. Da lernt' ich die Liebe — legt' ab den Wahn. Und banget die Seele und fühlt sie die Pein, Und stürmen die Leiden mit Macht auf sie ein. So stüchl' ich zum Tempel — die heilige Ruh, Sie fächelt der Seele Erauickung zu. Sie hebt mich, sie trägt mich zum Jenseits empor. Ich höre in Wonne der Himmlischen (§bor: Sie singen in Demutb: Hallelujab. Mein Geist run im Staube: Hallelujah! Anekdote. , Eine fast achtzigjährige Frau in K. erfuhr, daß. da der alte Gottesacker gefüllt war, man einen neuen an- -legen wolle, und rief aus: „Wenn ich gestorben, begrabt mich noch auf dem alten, denn wenn ich auf dem neuen allein liege, graule ick mich todr!". Denkspruch aus der Sidra der Woche (Jithro.) Gast bin ich im fremden Lande. 2. Mos. 18, 3. Allgemeine Zeitung de» Judeurhume. Ro. 5. 1858. Leitende Artikel: Tie fortschreitende Entwickelung. — Einige Fragen ans dem Gebiete der jüdische» Homiletik. II. — Der Tod der Rackel. — Eine geschichtliche Bemerkung. Zeitungsnachrichten. Deutschland: Württemberg. Kreis Gießen. Oesterreichtscher Kaiserstaat: Aus dem Banat. Ruß-' laud: Mitau. Mitau. Zu beziehe» durch jedes Bosiamt und jede Buchhandlung.' Jährlich 3 Thaler. viertrijübrlich % ffbaltr. Serantwonlicher Redakteur: 4t Rabe. ■ lirtiwt * Vnch.^vdtun» :n Sri*jtj. — von »lrp«a»iT »>«», m V, l