Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 5 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 3)
- Language
- German
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19 tue sorgt, würde noch mehr für sie sorgen, und wenn der Geist in Frieden ist, wird jeder Lummer leicht ertragen. Die ungewöhnliche Bewegung in dem Hafen, den sie gegen Mitternacht erreichten, erregte nicht ^ur Znez', fon« dern auch de- CapitainS und seiner Ransifchaft Aufmerksamkeit. AlS er anlegte, um Passagiere und Güter ein. zunehmen, wurde ihm gesagt, daß sein Schiff vor Anker bleiben müsse, da kein englisches Fahrzeug den Hafen ver. lassen dürfe, bis evon den Dienern der Inquisition durchsucht wäre, welche einem beS JudenthumS verdächtigen Weibe nachspürten. die auS ihrem Wohnorte verschwunden wäre und wahrscheinlich Schutz auf einem der englischen Schiffe gefunden hätte, die Ketzer und Ungläubige gewöhnlich aufnähmen. (Schliß folgt.) Jüdische Dankbarkeit. Mttgetheili von V. Hause in Neukirchen. Man begegnet jetzt in öffentlichen Plättern so oft Schmähartikeln gegen die Juden, in welchen diesen die moralischen Gebrechen unserer Zeit allein aufgebürdet werden und nicht- Gutean ihnen gelassen wird, daß eeinem nur wohlthun kann, wenn da- Gute an einem Juden einmal öffentlich anerkannt wird, ja mehr noch, wenn man enicht al- Ausnahme, sondern alin dem Charakter und Wesen seine- Stammegegründet gelten läßt. Diese- Letztere ist im 3. Hefte de» Lauckhardt'schi» Schulzeitung „die Reform'^ der Fall, wo ein alter, aber erfahrner und kenntaißreicher christlscher Schulmann seine Erlebnisse erzählt. Unter diesen fißdeu wir FolgendeS. was wörtlich hier milgetheilt wird. „Bei der freundlichen Rückerinnerung an B.. als denjenigen Ort. wo ich meine erste öffentliche "Lehrtätigkeit begann, treten mir noch einige einzelne Thatsachen leb. Haft vor die Seele, die der gedrängten Aufzeichnung nicht unwerth sein möchten. Diegilt »on1 der nächsten be» sonderinsofern, als sie auf die Richtung meine- Lehr, lebenmitbestimmend eingewirkt hat. tzie ist sehr ein. fach und doch vielleicht nicht ganz kernlos. „Ich bemerkte ab und zu auf der Straße einen Kna. ben in schäbigen Kleidern. der hier uny da in ein Hauschlüpfte, um, wie eschien, die Mildt Tätigkeit der Be. wobner in Anspruch zu nehmen. Der Knabe sah übrigen-, selbst ans der Kerne betrachtet, nicht ge:ade wie ein Bet. telbube aus. und hatten ihn die Grazien auch nicht eben durch schlanken Wuchs und eine classispe Gestalt au-ge» zeichnet, so erregte doch sein lebhaft glänzende- Auge ebensowohl, alseine rasche und gewandte Bewegung mehr und mehr meine Aufmerksamkeit. — Eines Tage stellte sich da- Bürschchen, wie gerufen» auch in meiner Behau» sung ein, blieb jedoch schüchtern und Ibefcheiden an der Zimmerthür stehen, ohne ein andere- ÄZort alden üb» lichen Gruß zu sagen; er sah mich ebm nur mit halb, gesenktem Blicke, doch vertrauensvoll aq. WaS begehrst du. Kleiner? Willst mir wohl dle Austvartung machen? Komm nur näher! Wie heißt du? — Ich beißeJ.D.—ich— Er sprach nicht weiter; da- Wort erstarb auf seinen rosen« rolhen Lippen hinter einer Reihe von Zähnen, die wie aus Elfenbein-gearbeitet schienen. „Nun, ich versteh« schon. Hier — Nein, mich hungert, er sprach da- Wort tie aus Verlegenheit. — Nun. so nimm nur den Grossen und kaufe dir Brot. — Geld darf ich nicht nehmet, ich darf nicht betteln. Dabei überflog sein schöne- Knabengestcht eine eigenthümlich leuchtende, dunNe Röthe,. wie wenn Scham und Schmerz miteinander kämpften. — Mein Vater hat mir dastreng verboten, brachte er iendlich mühsam heraus; haben sie aber vielleicht etwazu holen oder zu besorgen? Ich will rasch wiederkommen. i— Wer ist Dein Vater? — Ein armer Mann. —7 To!i. Sprache und Haltung deernsten Knaben gestelen mir so wohl, daß ich ihn noch weiter ftagte und unter Ander« erfahr, wie er bereit- 11 Jahre alt ge. worden sei, ohne eip« Schule besucht zu haben, daß er Etwalernen möchte u. s. w. Ich entließ ihn. Indem ich ihn ermunterte, wiederzukommen. Nachdem ich mich bald von der Wahrheit feiner Aussage überzeugt und na. «entlich seinen Vater besucht hatte, ber^-i» wörtlichen Sinne, in Lumpen gehüllt, ein mehr durch Gram und Kummer, als durch Alter entstellter Grei», ein ehemaliger Kaufmann war und in einem elenden Quartiere sein elen» des Dasein hiaftistete. — nahm ich mich des armen Jungen an. Er ward mein kleiner Famulus, wozu er sich ganz besonderanstellig zeigte, lernte in der Schule sehr fleißig, war di« Ehrlichkeit und Treue selbst) dabei voll Witz. Verstand und Naivetät. Auch hat er mir — in seinem Alter und in feinen Verhältnissen gewiß ein seltner Fall — nie die geringste Veranlassung zur Un. znfriedenheit gegebem Mir ist unter der Ungunst solcher Verhältnisse ein so unverdorbene- Gemüth und ein so rechtschaffener Sinn nie wieder vorgekommen. Allerdinghatte ihn sein Vaftr, so weit in seiner Lage von Erziehung die Rede sein konnte, in Gottesfurcht und Recht, fchaffenheit erzogen, und im Allgemeinen bleibt gewiß wahr, was die alten Sprüchwörter besagen: „A.bove majori discit arare minor“ und „der Apfel fällt nicht weit vom Stgmnie/^ allein der Kleine hatte' doch, viel außer dem Hause feine- Vaterin sehr verschiedener Ge« hC sellschaft gelebt; dennoch entdeckte man davon keine andre Spur, aldaß er sich für fein Alter leben-kundig und gewandt zeigte, und sich in die Menschen wohl zu schicken verstand. — j Alich später B. verließ und meinen kleinen Schützling mit mir zu nahmen begehrte, wadieser natürlich sehr angelegentlich wünschte, willigte der Vater nichts darein und da dem. starren Willen dearmen Manneauf keine Weise beizukommen war. so iheÜseli einige meiner Freunde mit mir die weitere Sorge für den feil»! dung-fabigen Knaben. Er ist dann Kaufmann geworden; und al- Handlung-gehülf« mittellos nach Berlin gegangen,; hat sich dort durch Fleiß. Geschick und Ehrenhaftigkeit zu! einer selbstständigen Stellung emporgearbeitet und gegen j mich nur Dankbarkeit bewiesen, die ich aleinzig in ihrer! Art bezeichnen muß. weil sie biauf den heutigen Tag j keine ander» Grenzen gefunden hat. aldiejenigen, die; ich selbst zu zeichnen für meine Pflicht erachtet habe. Ich zähle manchen Zögling und Schüler, der mir in Anhang. Uchkeit treu e^ebe» geblieben Ist» aber Diele erwiesen sich so undankbar, baß «ein bischen menschliche- Wohlwollen