Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 5 (1858)
- Date
- 1858-01-01
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- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdisches Bolksvlatt. Zur Leiehrung und Unlterhattung aus jüdischem ^eüiete. Hera»»-egeüe» mb ~ Rabbiner Vr. Ludwig Philipps»» in Magdeburg. sRo. 3. 1838-1 Bon dieser ft trftbritt Bö&entltA »ine Nummer. Brei« de* I-tdr gang« I Tblr. 4d rtfi|äwtfl I1/» Ngr. «Ue Bu»d-nelunnen. BoSä-fter und Z« iiunA»»xr»dit>oneu nehmen N'eüellvnnen an. - i5. Zahrg. 1. Wsartal.1 I n e z. Eine wahre Geschichte. (Nach dem Englischen der Miß Ag^ilar.) „3d> hoffe, zu keinem von unS, Jnfz, denn solche große Eile verkündet wenig GuleS." .Welch' ein Feigling Du geworden bist! Ich werde Dich nicht mehr alS meinen. Vetter anerkennen, wenn Du nicht mehr Muth fassest, Mann!" Julian Älvarez versuchte eine eben so scherzhafte Ant. wart zu geben, aber eS gelang ihm schlecht, weil er stch unheimlich beängstigt und beklemmt fühlte. Er blieb je» doch mit weiterem Spott von Jnez verschont durch daS plötzliche Wiedererfcheinen deS Priesters (sie hatten ihn durch eine Biegung im Wege einen Augenblick auS dem Gesichte verloren), der ohne sein Maulthier durch eine Hinterthür in den Garten getreten war und sich ohne Umstande dem Fenster näherte. Jnez redete ihn höflich, doch offenbar verwundert an; der Priester schien ihre Worte nicht zu beachten, sondern legte! seine Hand auf J ihren Arm und sagte mit dumpfer, leiser Stimme:! „Donna Jnez. dieses ist keine Zeit, [glatte Worte zu ' wechseln oder höfische Formen zu beobachten. Tochter, j fliehe! die Bluthunde sind hinter Dir, sie haben Deines Spur entdeckt. Ein sterbender Mann gi b Dich im Bei» i sein noch anderer Personen als seines Beichtvaters als > Jüdin an. sonst wärest -Du noch fiche, und frei. Ebe zwei Stunden vergeben, nein, in weniger Zeit, werden j sie hier sein. Hinweg! zaudere nicht, um zu überlegen, suche nickrs zu retten als daS Leben, das zu kostbar ist für rin solches Opfer. Ein Schiff ankert dorr unten, das Du in einer Stunde zu Fuße erretten kannst. ES > segelt nach England, sobald der Wind^nschlägt; nimm einen Platz darauf!und überlasse das Weitere dem Gotte Israels." ' | „Und wer seid -Ihr denn, daß Ihr s,> um mich sorget, wissend waS ich bin?" antwortete die Dame, in eben so leiser Stimme wie. die deS vorgeblichen Priesters, aber weit weniger zitternd, denn nur die plötzliche Bläffe ihrer Wange und Lippe verrieth den Schrecken, der sie befallen. „Man nennt mich, halt mich für Pater Jose, mein Kind; aber.wäre ich daS, so hättest Du mich nicht hier gesehen. WaS Du bist, bin ich, und weil ich dasselbe von Pedro Benito glaubte, starid ich an seinem Sterbebette. Rache und Abtrünnigkeit gingen Hand in Hand. Frage nichts mehr, sondern eile! unverzüglich von dannen; wie sollten 'so zartt Glieder die Folter — den Flammentod erleiden? Senor Alvarez. schüttelt diese Erstarrung ab, oder es iwird zu spät sein! ' Julian stand in tirc That wie gelähmt da, so plötzlich und schrecklich waren [feine schlimmsten Befürchtungen zur Wirklichkeit geworden. Fliehen! von Allenz »on HauS, Freunden, Wohlleben) um arm und abbLixftg zu sein in einem fremden Lande? So war eS; die Stimme der Rache hatte daS verhängnisvolle Gebeimniß ihres Stammes und Glaubens verrathcn. wodurch sie der Inquisition anheim fiel — was nur ein anderer Namefür FoDr unb-Tod war. .In zwei kurzen Stunden, von denD schon ein Theil verstrichen war!, mußte Ine; cha- Schiff erreichen, und zwar so, daß Niemand wußte, wecken Weg sie genommen.' Ihre Dienstboten selbst dursten nichts ahnen, sonst war Entdeckung' unvermeidlich, slnd doch gab Ine;, mittenEsn all diesem plötzlichen Andrang von Unglück, nur einmal eine GemüthSbewegung zu erkennen. „Julian, Julian^ mein Knabe!" rief sii auS, als einzige Antwort auf Idte wiederholten Bitten/sofort auf» zubrechcn; „waS wird ihm geschehen?" „Nichts. hohe F Dir folgen kann, daß er einen Israeli heiligen Glauben zu Juez faßte deS a Augenlider zitterten schaft der erstickenden besiegt. In weniger raschen Schrittes-, in die Parkanlagen deüi au; er soll bei mir bleiben, bis er Wer wird von Pater Jose glauben, en beherbergt, außer, um ihn zum bekehren?" len ManneS Hand, ihre Lippen und krampfhaft; aber selbst die Leiden» Thranen wurde durch Geistesstärke als. einer halben Stunde eilte sie Manrille und Schleier gehüllt, durch Sttome zu, und Julian Alvaiez trug ein kleine- Pac'et mit den wenigen Juwelen, die sie schnell zusamwengerqfft hatte, und einigen Kleidungsstücken, da- Ganze.! waS die Gebieterin über Tausende den habgierigen Hängen entreißen konnte, welche, unter dem Gewände der Relighon, stetauSgestreckt waren, um zu greifen und zu zerstören. * Kaum hatten sie» etwa eine Stunde nach ihrem Aufbruche, den Park verlassen und die Landstraße, jrtzt ihren einzigen Weg, betrelen, als zwölf Männer, in der Kleidung der Diener dev Heiligen Lsfieium-, auf einer leichten Anhöhe, nicht tausend . Schritt vor ihnen, sichtbar wurden, die in gest^eckteni Trabe gerade auf sie zuritten. Umkchrcn hatte Verdacht erregen, ihnen begegnen zu Entdeckung führen können. Glücklicherweise lag ein kleiner Lärchen- und Fichtenwald aus ihrem Weg«, ein wenig zur Linken, und dorthin drängte Jnez ihren bestürzten