Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 5 (1858)
- Issue
- 2 (1858)
- Date
- 1858-01-01
- Page
- Seite 8 (sequence 4)
- Language
- German
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8 _ Einige Zeit war verflossen, als der edle Lord das Verdeck bestieg, um nach dem Wener auszuschauen. Plötzlich «blickt er den Juden. .Sehe ich recht?" fragt er fich, „daS ist doch der Jude, den der Capitain zurück« gelassen. Sollte er mich getäuscht haben?" Gr steigt wieder binunter und spricht mit demselben, doch der versichert, daß der Jude mit seinem Wissen nicht an Bord gekommen sei. __ ..Aber er sitzt doch auf dem Perdecke." _ ..Aut dem Verdecke! Unmöglich!" '— ..Üeberzeugen Sie sich selbst davon." Sie begeben sich auf's Verdeck. Das Evot. das Amschel Meier dergebrachk, war nicht mehr pi seben, da das Schiff seitdem eine tüchtige Strecke zurückgelegt. Der Capitain überzeugt sich nun selbst, daß es per leibhaftige Amschel Meier ist. Dieser, der erst auf den Capitain ungemein erbittert gewesen, verlor allen Mutb, als er ihn. erblickte.. Barsch wagte ibn jener, wie er hierher komme? — ..Wie beißt, wie ick bierber komme, ich bin geschwommen/.' entlegnere er kleinlaut. ^— „Geschwommen?" fragte erstaunt der Eapirain. — ..Geschwommen?" fragte noch erstaunter der Engländer. — ..Gewiß." entgegnete Amschel, der es mit gutem Gewissen sagen konnte, denn in seiner Redeweise bedeutete Schwimmen so viel wie aus dem Wasser im Äoore - schwimmen. „Znde. das ist unmöglich." sagte der Lord. — „Edler Herr, so wabr ich soll werden in Amerika ein reicher Mann, als ich bin geschwommen bierber." s—> Dev Capitain und der Lord sahen sich gegenseitig an; keiner wußte sich die Sache zu erklären, und so kamen sie schließlich überein, der Jute müsse ein außerordentlicher Schwimmer sein. — „Also «ach Amerika wollt 2hr." fragte jetzt der Lord? Amsckel befabei«. — ..Gewiß Reickthümer erwerden. -atct damit ist's nicht weit der. Ich werde Such einen Vorschlag machen. Ich gebe Euch tausend Thaler und Jdr kommt mit mir nach England, wo Ihr mög, lickerweise noch das achtfache erwerben könnt." — „Tausend Tbaler." dachte Amschel; „ein Sperling m der Hand ist bxsser. als zedn auf dem Dache." und or-schlug ein. — Bald ländere das Schiss in England, und der Lord nabm unfern Amschel mir nach seiirer au der Themse gelegenen Besitzung. Don angekommen ließ er eine Anzeige folgenden Inhalts in alle Zeitungen rücken: ..Ein berühmter Schwimmer aus Rußland ist hier ..angekommen und fordert alle Schwimmer Englands „auf mit ihm beut über vier Wochen um die Wette .,zu schwimmen. Derselbe schwamm einem Schisse von „Hamburg aus nach. das einen Vorsprung von vier „Stünden Hane, und ick setze jede Summe für den- ‘ ..selben, daß er den besten Schwimmer überholt." Lord BuckSkm. — Der Tag der Entscheidung rückte heran. Don nah und fern hatten sich berühmte Schwimmer eingefunden, begierig, die- Wunder in der Schwimmkunst zu sehen. Der Lord hatte dem Amschel anrmpsohlen, ja sich alle Mühe zu geben und eben so gut zu schwimmen, wie von Hamburg auS, eS solle sein Schaden nicht fein. Amschel versprach es ihm. — An den Ufern der Themse ständen die Schwimmer und harrten des SchwimmheroS. Doch der ließ lange auf fich warten. Er war nämlich in das nächste Städtern gegangen, um bei einer jüdischen Familie wieder einige Einkäufe zu machen, da er nach den Worten »es Lords auf eine längere Reife schließen zu müssen glaubte. Schon wurden die Schwimmer ungeduldig, als er endlick in größter Eile, in einem ähnlicken Aufzuge wie in Hamburg, zwei Brote unter dem Arme und ein Stück Rauchsteisck im Gürtel, ankam. — ,.Dort kommt er." sagte der Lord zu den ungeduldig Harrenden. — „Wo?" riefen alle. — „Sehen Sie ihn nicht?" — „Wie, der kleine Mann wäi? eS!" — ..Der ist'S." — Amschel war indessen naher gekommen, und alle nmringten ihn. — „Also Ihr seid der große Schwimmer aus Rußland?" ' - — „Wie heißt, warum soll kch'S mcht sein?" — Die Wettsummen waren nun sestgestellt und alleandre vom Lord in Ordnung gebracht worden, so daß das Schwimmen seinen Anfang nehmen konnte. — „Aber wozu habt Ihr denn die Lebensmittel da mitgebrackt," fragte^plchtzlich einer der Schwimmer? — „Za, das rofBfrt» wir schon längst fragen," fielen die Andern, ein. *• — „Aber meine Herren. werden wir nickt bleiben einige Tage aus dem Wasser? — „Wie, einige Tage auf dem Wasser," riefen alle, „das ist ja unmöglich; und dawollet Ihr!" — „Gewiß," entgegnete Amfchel^it ganz ruhigem Gewissen. „Nein, lieber Mann, wir find keine Fische; Ihr habt gewonnen, noch bevor Ihr geschwommen, wir lassen unsre Werren im Stich, da- Leben ist uns lieber," und alle zogen sich zurück. — Amschel aber erhielt vom Lord die Summen welche die Anderen eingesetzt, und damit reiste er wieder nach seiner Heimath, wo er wahrscheinlich heute noch lebt, wenn er indessen nicht gestorben sein sollte, und wo sich Jeder t auseinem eignen Munde die Wahrheit meiner Geschichte bestätigen lassen kann, die jedoch Niemand bezweifeln wird. Emil DreSlaur. Allgemeine Zeit»»- des Judenthums. Ro. I. 1858. Leitende Artikel: Charakter! Eine Lettachtuna zu S. Chanukka und Par. Mikez. — Sora Institute zur Fördern»- der israelitischen Literatur. — Die Seelsorge in den größeren Gemeinden. — Literarischer Wochenbericht. Zeitungsnachrichten. Deutschland: Weilbura. Fürth. Hannover. Oesterreichischer Kaiserstaat: Horir. Palästina: Jerusalem. U 3« beziehe» dnrck jedes Postamt und jede Buchhaad« lvng. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich '/« Thaler. BeranrmonUcher Redakteur: K. Räche. BtNaa »»» Si,«giri»»r « Lnchh«»tzl»n, lu-veivtttz- — Druckes» »ier &i<11 ,, vrtriiz.