Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Volksblatt · 1858-01-01 · 1 (1858) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
5 (1858)
Issue
1 (1858)
Date
1858-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/4908862-5999346-6000820--1008-4909645
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Jüdisches Volksblatt 3« Belehrung und Unterhaltung aus jüdischem HeKiele. Herautgegebeu von! Rabbiner Llr. Ludwig Phllippsou in Magdeburg. lRo. 1. 1858.1 SS.“ eme sumwt. Prei» »,» Jane» M — Qlt. .ei(tt(4Uri| TA *«r. «le vuchdan»Iun-»n. lg jflhfi 1 flnMdfljl 1 an» 8rtru*t«<;»<t)itientn uttnni MMni» ». Lw* A* WWWWl.J Der Banker in Lombardstreet in London. Boa Julius Rodender-. Ich dankte dem guten alten Manne auvollem Herzen. Dawar eS. waS ich wünschte. Nun war ich mein eigner Herr und konnte mein Glück probiren. Auf der Stelle ließ ick mir Bänder, Tücher. Papier, Federn Garn und Nadeln im Betrage von zwei Pfund geben, schnürte ein ein Bündel und zog «ohlgemstth in'- Land hinaus. Ich durchstreifte die Insel von Dnhlin binach Killarney und von Killarney binach Lonbonderry; so oft mein Dorrath auf die Neige ging, zog ich nach Dublin, bezahlte meine letzte Schuld und nahm neue Maaren, allmählig bizum Betrage von sech» Pfukd — höher freilich kam ich nicht. Zn dieser Weife ttieb ich den Handel zwei, drei Jahre, erwarb zwar keine,Reichthümer, lebte aber recht gut davon und konnte de- Wahres mehre Goldstücke nach Deutschland schicken. So kam ich eine- Abendnach einem Dorfe in der Nähe von Cashel, in der Grafschaft Tipperary, Munster. Dawar dazumal am Shannon und am Dergsee noch eine wilde und unsichere Gegend; aber ich war bekannt darin und mir hatte Niemand Etwagethan. <5war schon stnstere Rächt, alich in der Schenke ankam, in welcher ich rede-mal zu schlafen pflegte, so oft ich diese- Dorf besuchte. <58 war fast Niemand in derselben mehr wach, man brachte mich in die große Witth-stube, wo ich mich auch gleich auf die Streu legte, die den Boden bedeckte.« Im Kamin glomm -noch «in schwache- Feuer.' bei besten unsicherem Scheine ich bemerkte, daß außer mir noch Jemand auf der Streu liege, und da ich nicht wußte, »er esei, so beschloß ich mich möglichst munter zu halten, um auf mein Waarenbündel Ackt zu haben. Ich mochte wohl eine Stunde so zwischen Schlaf und Wachen gelegen haben, alich auf einmal hörte, daß mein Schlafkamerad sich in die Höbe setzte. Er seufzte autiefer Brust und rief mit inbrünstiger Stimme: »Schema- Israel? Höre Israel, der Herr dein Gott ist ein einzige-. eckige- Wesen!" Nun fuhr ich rasch auf und entgegnete: lharuch Schem! Gelobt sei der Name seiner Herrlichkeit jfür und für!" Kaum daß der Fremde mich gehört hatte, so rief er au-; „Um Gotteswtlle«. ist hier ein JudN" „Ja", erwiederte ich. „hier ist ein Jude'?' „So wollen wir Licht machen!" sprach der Fremde, stand auf und zündete die Thranlampe, bije noch auf dem Tische stand, an dem verlöschenden Kaminfeuer an. Aldie Thranlampe brannte, stellte er sie wieder auf den 1 Tisch und reichte mir die Hand. Eckar ein. anständig au-sehender, ehrwürdiger Mahn vo« etwa fünfzig Jahren; auf seinem Gesichte drückte fich ein jüngst erlittener ungeheurer Schreck a«S. »Sott fei gelobt und gebankt, daß ich hier in meiner großen Noth einen Juden gefunden habe", sagte er und drückte mir die Hand auf- Neue^ „Ach. ach — wahabe ich erleben müssen! Und weUn der Heilige gelobt sei Er! — mir nicht beigeftanden hätte, so läge ich jetzt todt auf der Straße und die Hunde leckten mein Blut." »WaS ist Euch denn so Schrecklichewiderfahren?" fragte ich, vom . höchsten Mitleid bewegt. - »Seht.* begann er, und die Dercktrnmq seine- Her. zendrückte sich, in der Verwirrung seiner Rede au-.— »gestern Morgen reite ich von Limmerick ab — ich hatte in Limmerick große Summen zu erheben ... ich bin ein Kaufmann au- London, ich . wohne in Lombardstreet . . . da wollte ich mit* meinem Gelbe gu- Limmerick nach Dublin reiten und hatte es vor Mir auf- Pferd in eine Ledertasche gebunden . . . und da bin id> vom rechten Weg abgekommen und am DergHe haben mich die Rap. paree- *) überfallen . . . drei Mann mit Pistolen und Flinten und Dolchen . .. und fle haben mir die Tasche vom Pferd gerissen und haben mir die Uhr genommen uuh die Börse genommen, und alich meinem Pferde die Sporen gab, um - wenigsten!- da--Backte Leben zu retten, da'haben sie drei-, Ditnjiat hinter mir her geschossen — aber Gott sei gedankt und gelobt — die Kugeln haben gefehlt und gegen Äbend kam ich mit halb todt gehetztem Pferde in diefem-Dorfe und in dieser Her. berge an. Ach, ach! warnm hat mir Gott dagethan? Nun habe ich keinen Farthing Imehr in der Tasche und ich muß mein Pferd ve^aufen. um nur leben zu können, und muß zu Fuß nach Dublin gehen . . . Wenn ick in Dublin bin, so ist mir geholfen — aber nach Ditblin sind fünfzig Meilen .^. und dpwerde ich nicht überleben; Ich werde auf der Straße hinfallen und' liegen bleibe«!* Wie gern hätte ich dem prmen Manne geholfen! Aber ich hatte kaum einen Schilling in Äeld bei mir. und da- Andere steckte olle in der Waare. Da aber fuhr mir ein Gedanke durch den Kopf, wie rin Blitz. Zch griff nach dem Goldstück meiner Mutter — aber ick *) Rappareeist der Name für da» irische Diebes» unk Raubgesindel. i

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.