Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 65 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 258 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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L 258 Dem ile 'einmal, unk zweimal gewarnt (Hiob), da- Zu. sammenlrenen rer Umstände so leitet, daß rer Sturmwind mit'einem Male .über Hl re Haurlcr kömmt unk labinsckleudeLt. w'.s halrungslos geworden. Ari uns lst.eS, aus loschen Bor.än ,en zu leruer> und ::ick, >u -.ergessen, was nie p et'.gcn. Mögen Tarnende durch die birierc c:Int-ctiCi»’tci:;ut t; ben und Mäßl.ikeit gezwungen weröen, it'r Anderen iiebmet eiij •^et'i'icl daran, darret nickt. bis tan cS Hu cd selbst betroffen, kehret wabrban jud R.Iiaicn und Sittlichkeit zu. rück, uid:i zu Lußerlicker UcWttn\ sondern zu innerlichem Durckdrungensern. dann werken dlkse Euch vontt'elbst Be» sanncnbeit und tvere? Maß ciuftößen. '\ ' Der Banket in Lombardstreet in London. Von Juliuss Kokender g. Danu kamen dre Wochentage wieder, und der alte )tzig war mit meiner Auftvarlung so zufrieden, daß er mit scho» vor dein Llcumond einen Sirpence schenkte. Das dauerte eine Woche rd und wir batte» Beide Nick:S über einander zu klagen. £>m Stillen hatte ick mir freilich wobl manchmal schon igesagt, daß icv aus diese Weise das Glück nicht machen wirte, von dem ich in. Deutsch.' lank geträumt harre: allein da sich mir nichts Bessere- -bieten wollte, »o dielt ick geduldig aus. Da hcram ick einen Brief von meiner. Mütter. der ick geschrieben datre. wo ick' jetzt sei. Ack. de, Brict war roll von Jammcr. und Klage — die Franzos batren die Stakt geplünden lind meiner Familie das Wenige genommen, was sic gedadr darre. Nun waren sie ganz arm.' Sie mochten wohl anr meine Hülse unk Unterstützung warten. Was konnle ick ibncn geben?. Aber ick dachte nun ernstlich daran, meine Lage zu verbessern, um für die Meinen EnvaS tdun zu können. Bon Morgen bi? Mittag, und von Mittag dis Abend schleuderte ick aus den Straßen denim: aber eS wollte sich nicktS ereignen, Eines Tages ging ick in ein'Alchoukc in Whitechapel, um ein GlaS Bier zu trinken. Da ging^ eS dock der. Matrosen saßen an'dem Tische und sangen das Lied: ,.A whet shcof;uul n flow in^r s« a!-^ Fsthrleure und Tagelöbner und Straßenpstastcrer sordcnen zu trinken und. schlugen aus die Tü'ckvlatttn und. zwei Harftnistinnen spielten, ein Landstreicher lies einen aittgeputzken Affen ranzen.'und ganz dürren, dürter den Fässern, saßen pier^ fünf Sol» taten mit retb getrunkenen Körten und schrien: ..He. hussah! Handgeld für die Blauen'. Wer nimmt Handgeld Mir die Biarrnr?" -Um ffe herum saßen noch sechs oder sieben innge Burschen, rie mir idnen schrien unk tranken. Kanin daß ick kingenetcn war und mich schüchtern nacheivcm Plätzchen unrsad. wo ick mein Pütt rasch leeren möchte. da batten nnck die betrunkenen Soldaten schon ins Äuge gefaßt. .Hcda. Junge!" schrie der ticke Wachtmeister. rer autgestanden war und den blauen Rock und die Weste und das Hemd am'geknöptt und aufgerissen batte, daß man die braune, wettcrharte Brust sehen konnte. ^Heta. Junge! bicr bcran! Hier wird auf'S Wobl de- Königs getrunken — wer mittrirft, bat freie Zecke,, und wer nickt miminf't, ist ein Hrurtstott und rin Berratber!" Rack einer solchen Einladung hatte ick wabrlick Angst für einen Bkrrätbrr gehalten und als ein Hundsfott tractin. zu werken, wenn ick den Leuten nickt lbren Willen rbare. Also trat ich zu idnen. „Platz da für den Fremden!" ries der Wachtmeister — „hierher, mein - Jmuze. — Wirtbsckast! Heda Wirthschast! Ein Pint bitter Ale. vom stärksten! Die Kanne wurde gebracht und wir stießen aus'kas Wobl des Königs an. Dann sagte Einer von den Soldaten- ..Sollen wir nickt auch einmal aus den gänzlichen Untergang Napoleons und der Franzose« anstoßen?" „Ja," ries ick,' sckon ganz erhitzt und so gut ick <s mit merncm schleckten Englisch konnte, „ja, das ist wahr! Die Franzosen haben meiner Mutter die Belten zerrissen, die Srüblr verbrannt unk das Geld gestohlen — die Franzosen sollen untergeben und Napoleon soll auch untergeben!" „Bravo!" rief der dicke Wacktnieistcr, „bravo mein Junge. Das heißt gesprochen wie ein Mann! Gebt mir dem Jungen zu trinken." Sie gaben mir zu trinken, das sab ick. Sie gossen mir aber auch Wl'iöky in das Ale, und daS sah ick nicht. Mir wurde immer, beißer und wilder zu Mulbc: ich mußte den Rock und die Weste ausrieben. Mir war. alS solle mir der Kopf springen — so war mir noch nie gewesen. Dabei sang ick und schrie wie die Andern und schlug aut den Tisch und stuckte aus die Franzosen. Unterdessen zog der dicke Wachtmeister eine Börse aus der Tasche. nabm ein Goldstück beraus und reichte eS mir mir den Werren: „Da, mein Junge, da baft Du ein Goldstück, das i'ckick' Demer armen Mutter, die wird sich darüber freuen, und Du zicbst morgen einen blauen Rock mit rokbcn Aufschlagen an und marsckirst mit dem dritten Regiment gegen die Franzosen!^ „Was?" rief ick, „das Goldstück soll ick meiner Mutter schicken?" Den übrigen Tbeil seiner Rede batte ick nur balb gebört und gar nickt verstanden. „Ja, mein Junge." sagte der dicke Wachtmeister. Mein Auge strahlte vor Freude: ick meinte, er habe mir cS aus Mitleid geschenkt und batte ihm vor Dankbarkeit die rauben Hände küssen »lögen. Ick steckte daS Goldstück ein und darauf wurde wieder;u triuken gebracht, und über dem Trinken wurde eS Nacht. Ack, den allen Itzig baue ick ganz vergessen! Wie mochte er auf mich gewartet) was niockle er obne mick angefangen haben! Das tatst mir vor lauter Zecken und Jubiliren nick» in den Sinn: endlich siel ick aus die Bank, scklicf ein und a!S ick am ar dern Morgen erwackre. da lag ick in einem Holzstall unh neben mir zwei Soldaten von dem vorigen Abend. Mein erster Gedanke war der alte Jyig. Ich wollte fort. Aber da rieten die Soldaten: „Allons! letzt gedt's in die Caserne!" Ack, da ward mir'S kenn klar, waS ich gctban batte, als ick am Abend 'vorder das Goldstück genommen batte. Aber ick mußte rolgkn. denn ick batte Handgeld von den Werbesoldaten genommen: ick mußte einen blauen Rock mir rotben Ausschlägen anziehen. ick mußte die Mustere nagen und in Regenlspark ercrciren. Ten alten Itzig habe ich in langen Jahren nickt wieder gesebrn; denn in die Gegend von London, wo ich jetzt zu sein gezwungen war, kam weder er noch Einer von seinen Bekannten. Sonst mißfiel mir das neue Leben eben nickt; ich hatte ein Goldstück, das ich heimschicken durfte, ich bekam so viel Loh»