Jüdisches Volksblatt
- Journal
- Jüdisches Volksblatt
- Volume
- 4 (1856-1857)
- Issue
- 63 (1857)
- Date
- 1857-01-01
- Page
- Seite 252 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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252 wirk nid't durch die Sckaumwellen lururiöscr Kunstvergnüzungcn zerstreut. und führt immer wieder zur Religion bin. Man bravtr nur einen Blick auf alles daS zu werten. waS in der neueren Zeit für daS'Jukenthum und in demselben geschehen, um daS Obengesagte bestätigt zu finden. Die jüdische Literatur eristirt für die Juden der großen Städte gar nicht: weder die größeren Werke, die sie bervorbringt. noch die zeilschristliche Presse finden dort auch nur einen rerbaltilißmäßigen Anklang, eine nur annähernde Unterstützung!. Diese eristiren nur durch die mittleren Gemeinten, in welchen, findet slch nur ein Annebmer und Förderer. die Verbreitung derselben leickr eine stalke wird. Ich glaube nicht, daß unter alle den jüdischen Zirmen, welche die gegenwärtige (ralamnät zum Falle gebracht, auch nur ein' Zebntel icmals ein Erzeugniß der jütischen'Presse in das Haus gelassen. Ist eine öffentliche Angelegenheit ru betreiben, so lassen die jütischen .Bcwobn.r der Rcstdenzcn sicherlich im Slick unk nur die ininleren Gemeinten regen fick aufs Kräftigste. Ist ein allgemeines Institut ru gründen, rin Werk. daS über daS Weichl'eld l«;ausrciäen soll, so rechnet der falsch, welcher auf die Mitwirkung der Hauprstätrler zahlt. Es und nur. Bro'ävwn für t.c.örtlichcn HülfSbedürfligen, rür den Bail einer Synagoge oder eines Krankenhauses am One. die jene von »bren reichbestyren Tischen fallen lassen. Tue Ausnahmen, die sich von. dieser Regel finken, find solche, welche aus den Provinzen nach der Hauptstadt gelegen unk ries vor Kurzem, -kenn find ne erst in daS bauptstätnschc Treiben l iucingrrarben. so schwächt fick «ich bei ibucn der Sinn für das Judentbum ab. Ich brauche Ihnen nicht erst die vielfachen Erfahrungen vor- ^tlfübrcn. welche ich bicrühcr gemacht; genug, daß ick sie auch aut dieser Reue bestätigt gesunken. In den-Bädern besonders kann man cs den Juden größerer Städte leicht cbscb-eu. wie jbr ganzes Bestreben tabin gehr. Alle-3 vonfiel-;u entfernen, was auch nur im geringsten an Religion und Abstammung erinnern könnte, fick in Kreise zu drangen, in wclä e fic nicht geboren, und in ibrer äußeren Erschei- . nunz mit den höchsten. Ständen ru wetteifern. Wir können auch wohl sagen, daß wir diesem Wesen und Treiben noch das Meiste der Gehässigkeit zu tanken baben.'welche fick immer wieder gegen die Juden geltend uiacht. Wabrcnd in den mittleren Städten der Jure, weil er einfach und bescheiden lebt, well er nickt turck,Prunk und Prahlen» unk Mißwellca erregt, tbätig arbeitet unh überall freundlich Lustrnr. fick leicht Achtung erwirbt und . das Vorunleil Überwinder: benscht in den großen Statten eine Antirarbie. welche sich vicUeichk öfter hinter der Maske der GesrUschanUchkeit verbirgt, aber um so poinnrrer bervonnn. wo es die Wirklichkeit .gilt. Diese Erfahrung ist betrübend: denn wenn m.an erwägt. was lleigeöeures. gewirkt-werden könnte.- wenn man aus die kräftigen Sympathien der zahlreichen und begüterten Hauptstädter rechnen könnte, und wie Vieles unterbleiben muß. weil eben jene fehlen, so kann kein aufrichtiger Freund seiner Religion das Pctauren darüber zurückhallcn. Allein es ist inrmcr besser zu wissen, woran man ist. als von Illusionen befangen zu sein. - Suchen wir daher vor Allen» das zu erhalten, waS noch vorhanden . und die anzukeuern. in welchen einiger Gluthstoff sich noch vorfindet. Jüdische Sprüchwörter. In vielen Tagen deS Lebens hörte ich meinen Detter sagen: Wirf di-e Katze wie du willst. Sie fallt immer wieder auf die Füße. Gemeiniglich wollte er damit sagen, daß es gewisse Grundzüge in der nrenschlicken Natur giebr, die immer wieder zum Vorschein kommen, und auf welche man daher sterS rechnen muß, wenn man über die Menschen und ihre Handlungsweise fick nicht tauschen will. Andrerseits trug er dieses Cprüchleln vor, wenn er die Zähigkeit gemisscr Menschen bezeichnen wollte/ mit welcher sie immer wieder auf etwas zurückkommen, was sie sich einmal in den Sinn genommcn. so o't sie auch zurückgehalten oder zurückgeschrcckt werten. Man bars cs mir nickt übel nehmen. wenn ick bekenne, daß er diese Zähigkeit an» meisten den Gliedern des schönen Geschlechts znschrieb, und e3 i sich daher unter zehn Fällen neunmal fand, daß er dieses j Sprüchlein in gar nicht galanter Weise auf Frauen anj wandte. c 1 Bemerkung. Aus mehrfache» Anfrage, ob die Schlitten „des In-, stituts zur Förderung der isr. Literatur" in Rußland Eingang haben, haben wir zu bemerken, daß die Schriften dcö ersten unk zweiten Jahres, nachdem sie die kaiserliche! (rensur.in regeluiäßigeui Gange bestanden bauen, den > Abonnenten ortnungsniaßig zukamen. Es ist allerdings; zweckmäßiger, den Transport der Schriften über Riga und j Sr. Petcrbudg zu tirigiren, »veil bas kaiserliche (rensur- . amt in der Hauptstadt die einlaufenden Sachen schneller - abterngt. Es versteht sich aber, daß das Institut die! Transportkosten nack Rußland nickt zu tragen vermag, ' weil es sonst nicht selten Geld zugebeu müßte.! Die Redacrion. Anekdote. Bei einer Hochzeit zu Lissa warf ein Dajan die Frage aus: warum nannte unser Erzvater Jakob seine einzige Tochter Dina? Darum, weil er meinte: die ane dajeinu („ti« Eine ist schon genug.") Allgemeine Zeitung de» Judenthums. No. *9. 1857. Leitende Artikel: Die große Geld-Hantelskrise. — Die Beschneidung in Oesterreich. — Die Gelehrten. — DaS jüdische' Dolksblatt. — Lklerarischer Wochenbericht. — ZeitunaSvachrichlen. Deutschland: Mainz. Nassau: Leilburg. Preußen: Berlin. aoS Pommern. 3a beuebeu durch jedes Postamt und jede Buchhandlung. Jährlich 3 Thaler. vierteljährlich */« Tdaier. Verantwortlicher Redakteur: K. Nabe. £<ru* pbb V»chbuadU»>« in Vttrii«. — rrr.* t>cn aujani*r ffiiftt in tfrttiig.