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Jüdisches Volksblatt · 1857-01-01 · 63 (1857) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Volksblatt
Volume
4 (1856-1857)
Issue
63 (1857)
Date
1857-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Voltsblatt. Zur Letehrung und Ant Rabbiner Di Hon fi«f«r Aeiitchrisk <nM [9lo. 03. 1857,].*»" 1 ™',;e Haltung aus jüdischem ^ekiele. Herausgegeden vo»!!udwig Philippsoa in Magdeburg. »» eine wölfentlick «ine Nummer. lUt« ff« l’jri« “■/, War. *Ut t'ui'l’anfitrnarn. iieflafi rrtlitioiun ntbmtn veiitUunpf» an. ^ahrg. 4. Quartal. 2. Hälfte Ro. 33-65.1 Der Banker in Lombardstreet in London. Don Julius Rvdenberg. EinS von den du,nkelen niassioen Grbäildin — daS siebente oder achte na^ Baron Rothschilds C fice — in der Lombarvstrect, jener Straße, in welcher ie großen Londoner Bankiers ihre Gefchäftslocale Halen, trägt in dem Fenster rechts von der Thüre neben ob leu Anzeigen von Agenturen und Commanditen, die Firma: MM. Dar, Barney und Cie." Das Geschäft ist iir den Handel mir ausländischen Wechseln, namentlich wich Ostindien. eines der ersten in der City. Der l-h«f des^ Geschäfts heißt Mr. David Barney. ES ist ei t Älann> von ungefähr sechzig Jahren mit halbergrautem lem Gesicht mit munteren braunen Augen cher Nase von mittelgroßer Statur. Er bat Klpf. schma- »nd röthlid^n Hut imdie Hände wer auf dem rechten Ohre sitzen nnd träft stetin der Hosentasche. Er ist einer der juimüthigsten Leute, die ich in London kennen gelernt ha ic. Ich habe ibn in dem großen Chov-House, links von ber Er saß an einem 5 ifd e und laß Börse kennen gelernt, die kölnische Zeitung, „Mein Herr", sagte ick, „darf ich sie uh» hie Zeitung bitten, wenn Sie fettig gelesen haben?" „Mit Vergnügen", elwitene er. „in zikbst Minuten sollen Sie die Zeitung baden". Er sprach ein gutes und reines Deutsch und war von Geburt gar; Deutscher. Ich betrachtete ihn. Er laS das Feuilleton viel Vergnügen davon zu haben, venn er Lesey still vor sich hin. Nach zehn Mindest stand er auf nnd brachte mir die Zeitung. „Hat Ihnen das Feuilleton gefallen?" starte ich ihn. gewiß cm und er schien lä belle beim .Ja, eS bar mir sehr gefallen", erwider e hat mich so lebhaft an vielerlei erinnert, t'ai ich selber erlebt bade. ES hat mir in der Thal vie r Freude gemacht." „Nun'mein Herr; dann darissch Ihnen vielleicht auch den vorstellen, der das geschrieben hat, waS S e eben gelesen haben. Ich bin es, mein Herr!" -Da gab mir Mr. Barney die Hand jurd lud mich ein, den MitHg bei ihm zu speisen. Er^w chnte nicht in Lombardstreet; da war nur fein Geschäfte local. Er wohnte in Finsbury^Sguare, daS erste Hauis, links, das HauS mit der breiten Treppe und dem Eiftngeländer. Er stellte mich seiner Frau vor. einer guten l icken Frau, die ein steisseideneS Kleid trug und kein! Bort deutsch königlichen er. .CS verstand;" dann stellte er mich seiner Tochter, Mist Sophy, vor, einem* schlanke»', bleichen Mädchen mit braunen Augen und sehr feinen Händen. Miß Sophy sprach gut, deutsch und konnte. Schillers Glocke ganz auswendig. Mr. ' Barney hatte auch einen Sohn, der war aber schonten einem Jahre in Calc ttta und wollte erst in einejn Jahre wiederkomyien. Wir aßen gut und tranken gut; Mr. Barnev sagte mir. arch, daß er ein Jude sei und daß seine Frau eine Anvc wandte VeS Lords MavorS Salvmon fei. In einer Stunde kannte ich die Familienverhältnisse meines Freundes, und ich fühlte mich in seinem Hause so behaglich, als sei ich mit den. guten Leuten verwandt. Nack Tiscke gingen Iwir auS dem Speisezimme^in daS Drawing-Room. M^S. Barney setzte sich in den großen Lcderstuhl und Miß!§opby spielte Clavier. Sie spielte eine Mendelssohn schce Lied ohne Worte und lck blätterte ihr die Noten um. fcann wurden die GaS'amptn angc» zündet, ick blieb biS iclf llbr Aben.kS und fuhr mit dem letzten Wcstend-OiuisibuS nach Regentstreet zurück. Ick ging in den näcksträ Wecken noch drei-, viermal nach dem Hause meines freundeti» Finsbury-SquareV und eincS Abends setzten! wir uns zusammen in da- Nauckzimmer. Die Dam«, blieben sben in Drawing-Roolllr- Der Bediente braWe GMer, einen Krug mit heißem' Wasser und eine silberne Porrc-Menage mir Gin. Brands und WhiSky. p; „Q2it wollen un^ einen Grog »nacken und eine Cigarre dazu rauchen",! sagte. Mr. Barney. Wir machten unH einen Grog und zündeten eine Cigarre an — eine importirte Aigarre, wie man sie in ganz London nicht bifftr und kräftiger finden kan^». Dann sagte Mr. Barney: Wenn eS Ihnen Dergnügkn-mackt. so will ich Sie morgen einmal in eine Grgenb von London führen^ in der Si.e geiviß noch nicht gewesen sinv. Holen Sie mich morgen um zwei Uhr Nachmittags aus meiner Office ia .Lor»barbstreet ab." ■ Am andern'Tage ging ich nach dem Bankhaus von MM. Bar, Barnev ind Cie, in Lombarvstreet. Da kavr. ich zuerst, rechts Par mr, in einen großen Saal. Vornan, durch den ganzen Sü al, lies ein Derschlag mit den Zahltischen und im Hinte» gründe war die Kaffe, wo auf einer Erhöhung vielleicht >m oder sin Herren Gold wogen, Rollen musterten, urd auf einer Messingschüffel draußen stehenden Kunden, Ne Wechsel prasentkrt. hatten. Geld zuschoben. - Da ich nach Mr. Barney fragte, wurde ick durch den Perschlag gelassen., und mutzte «un durch den ganzen Saal grhen, wo etwa 35—40 Kj^-Öernn an

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